Nach Gerichtsbeschluss: Gross Kienitz schließt Golfplatz

Nach Gerichtsbeschluss: Gross Kienitz schließt Golfplatz
Vorerst bleibt der Golfclub Gross Kienitz geschlossen. Foto: Arne Bensiek

Das Verwaltungsgericht Potsdam hat einen Antrag des Golfclub Gross Kienitz auf einstweiligen Rechtschutz im Streit mit dem Landkreis Teltow-Fläming abgelehnt. Dieser gestattet maximal zwei Golfer pro Anlage. „Absolut irrsinnig“, sagt DGV-Präsident Claus M. Kobold. Golf spielt dieser Tage sogar RKI-Chef Lothar Wieler.

Laut Beschluss des Potsdamer Verwaltungsgerichts vom Mittwoch habe der Antrag des Golfclub Gross Kienitz nicht ausreichend begründet, worin die Dringlichkeit besteht, die einen einstweiligen Rechtsschutz erfordere. Die jeweils zuständigen Ordnungsämter des Landkreises Teltow-Fläming hatten die Golfanlagen in Mahlow und Gross Kienitz in der vergangenen Woche aufgefordert, ab sofort nicht mehr als zwei Golferinnen und Golfer – oder mehrere Personen aus einem Haushalt – auf den Platz zu lassen und sich auf die fünfte SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung berufen, die am 22. Januar in Kraft getreten ist. Der Golf Club Mahlow schloss seine Anlage, Gross Kienitz‘ Clubpräsident Max Fränkle dagegen beantragte beim Potsdamer Verwaltungsgericht einstweiligen Rechtsschutz.

Max Fränkle, Präsident des Golfclub Gross Kienitz. Foto: Privat

„Wir werden am Donnerstag unsere Anlage schließen, aber einen Ausnahmeantrag auf Wiedereröffnung beim Gesundheitsamt des Landkreises stellen“, erklärte Fränkle nach dem Gerichtsbeschluss am Mittwoch. Mit einer Normenkontrollklage nun die Verordnung anzufechten – ein Weg, den das Verwaltungsgericht in seinem Beschluss aufzeigte –, hält Fränkle für sinnlos. Schließlich endet die Gültigkeit der aktuellen Landesverordnung mit Ablauf des 14. Februar und damit sehr wahrscheinlich früher, als mit einem Gerichtsurteil zu rechnen wäre.

Der Landkreis Teltow-Fläming stützt sich in seiner neuerlichen Auslegung auf die Sportanlagen-Definition, die sich erstmals in der fünften Eindämmungsverordnung wiederfindet. Demnach dürften auf einer einzigen Sportanlage, egal ob nur ein Fußballplatz oder ein 100 Hektar großer Golfplatz, höchstens zwei Personen (oder mehr aus einem Haushalt) zeitgleich Individualsport betreiben. Eine Auslegung, die seit Inkrafttreten der jüngsten Verordnung kein weiterer Landkreis in Brandenburg teilt.

Landkreis: „Schutz von Leib und Leben gewährleisten“

In einer Stellungnahme gegenüber dem Tagesspiegel schreibt der Krisenstab des Landkreises Teltow-Fläming: „Es ist festzustellen, dass wir uns in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite befinden. Die Verordnung dient gemäß ihrer Begründung dazu, eine akute Gesundheitsnotlage im Land Brandenburg zu vermeiden und somit den Schutz von Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürgern des Landes Brandenburg zu gewährleisten.“

Dass auf den drei Golfanlagen des Landkreises seit Monaten im Abstand von zehn Minuten Zweiergruppen auf die Runde gehen, will das Landratsamt nichts gewusst haben. „Der Sachverhalt, dass offenbar deutlich mehr Personen am Sportbetrieb teilnehmen, als es die Eindämmungsverordnung vorsieht, ist erst gestern an uns herangetragen worden“, heißt es in der Stellungnahme vom 29. Januar. Dabei hatten die Golfanlagen ihre Abstands- und Hygienekonzepte mit den Ordnungsämtern und dem Gesundheitsamt im Landratsamt im Mai 2020 abgestimmt. Anwohner des Golfclub Mahlow hatten offenbar mit einer Beschwerde den Stein ins Rollen gebracht.

Verband: Golf der ideale Sport in Pandemiezeiten

„Absolut irrsinnig“ nannte Claus M. Kobold, Präsident des Deutschen Golf Verbandes (DGV) und von Beruf Rechtsanwalt, die Auslegung des Landkreises Teltow-Fläming bei einer DGV-Pressekonferenz am Mittwoch. „Wenn der Landkreis Golfanlagen schließt, dann müsste er auch seine Wälder schließen“, befand Kobold. Trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie sei die Zahl der Golferinnen und Golfer, die einem Club oder der VcG angeschlossen sind, im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie seit 2012 nicht mehr. Als kontaktloser Sport an der frischen Luft sei Golf in Pandemiezeiten gewissermaßen der ideale Sport.

RKI-Präsident Lothar Wieler sieht den Mindestabstand und die Hygiene beim Golf nicht gefährdet. Foto: dpa

Es dürfte dafür kein besseres Beispiel geben als Lothar Wieler, den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), der in dieser für ihn höchst schwierigen Zeit zum Ausgleich regelmäßig auf den Golfplatz geht. Wieler mahnt seit Beginn der Corona-Pandemie wie kein Zweiter vor den Gefahren des Coronavirus‘. Er fordert eine Beschränkung der Kontakte auf ein nötiges Minimum und maximale Vorsicht. Dass er Golf derweil für gänzlich unbedenklich hält, beweist seine Startzeit am kommenden Sonntag in einem Berliner Golfclub. Vor Wieler und hinter Wieler werden jeweils im Abstand von acht Minuten Zweierflights spielen. Etwas, wodurch der als höchst besonnen geltende Professor den Schutz von Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger offenbar nicht in Gefahr sieht. Gleichwohl etwas, das der Krisenstab im Landkreis Teltow-Fläming dem RKI-Chef nicht gestatten würde.

Lesen Sie auch:
Neue Auslegung der Verordnung: Gross Kienitz schaltet Verwaltungsgericht ein