Nationaltrainer Eckhardt: „Alles ist möglich“

Nationaltrainer Eckhardt: „Alles ist möglich“
Herren-Nationaltrainer Ulrich Eckhardt. Foto: DGV/stebl

Vom 10. bis 14. Juli findet die Team-EM im Golf Club Bad Saarow statt. Nationaltrainer Ulrich Eckhardt über die Titelchancen, Spieltaktik und die Rolle der beiden Lokalmatadoren.

Herr Eckhardt, Deutschland konnte die Team-EM im Golf noch nie gewinnen. Nun findet der Wettbewerb nach fast 50 Jahren erstmals wieder hierzulande statt. Welches Ziel haben Sie Ihren sechs Spielern für das Heimspiel verordnet?

Ulrich Eckhardt: Unser Ziel muss sein, nach den ersten beiden Tagen, an denen Zählspiel gespielt wird, unter den ersten acht von insgesamt 16 Mannschaften zu landen. Nur diese ersten Acht spielen in den folgenden drei Tagen im Lochspiel um den EM-Titel. Erreichen wir diesen ersten Flight, ist für uns dann im Lochspiel wirklich alles möglich.

Mit großer Spannung wurde in der vergangenen Woche Ihre Bekanntgabe des EM-Kaders erwartet. Sie haben Falko Hanisch vom Berliner Golfclub Stolper Heide nominiert, der wegen eines Haarrisses im Ellenbogen noch bis vor kurzem aussetzen musste. Eine riskante Entscheidung?

Nein, überhaupt nicht. Falko Hanischs Ellenbogen ist verheilt und er hat grünes Licht vom Arzt bekommen. Um seine Form mache ich mir auch keine Sorgen. Bei der Einzel-EM in den Niederlanden hat sich Falko mit einer couragierten Leistung und einer beeindruckenden Steigerung von Tag zu Tag für mich noch verdient ins Team gespielt.

Überraschend haben Sie dagegen auf den amtierenden Deutschen Lochspielmeister Nick Bachem vom Marienburger Golf-Club verzichtet. Warum?

Nick Bachem ist ein Spieler, dem definitiv die Zukunft gehört und der noch viele solcher Turniere für das Golf Team Germany bestreiten wird. Aber Nick ist noch jung und im Zählspiel manchmal etwas instabil. Weil das Zählspiel in diesem Turnier aber den Grundstein legt, habe ich mich für andere Spieler entschieden, die ich in diesem Bereich stärker sehe. Nick ist unser Ersatzmann. Aber um es klar zu sagen: Ich hätte auch keine Bauchschmerzen gehabt, ihn zu nominieren.

Falko Hanisch, Ulrich Eckhardt
Falko Hanisch vom Berliner Golfclub Stolper Heide gehört zum EM-Kader von Nationaltrainer Ulrich Eckhardt (rechts). Foto: Mike Wolff

Mit Timo Vahlenkamp haben Sie einen zweiten Spieler aus der Hauptstadtregion im Team. Wie wichtig sind die beiden Lokalmatadoren?

Aus meiner Sicht sind beide sehr wichtig. Sie werden ganz bestimmt den ein oder anderen Zuschauer mehr anziehen und damit der Mannschaft zu einem größeren Heimvorteil verhelfen. Beide kennen den Faldo Course sehr gut. Bei so einem anspruchsvollen Platz ist das sicher ein Faktor. Außerdem sind Timo und Falko hervorragende Lochspieler. Falko hat das mit seinem Sieg bei den British Boys 2016 und seinem zweiten Platz 2017 bewiesen. Timo hat bei der Deutschen Lochspielmeisterschaft in diesem Jahr Bronze gewonnen.

Sie haben mit Ihrem Kader einen mehrtägigen Vorbereitungslehrgang in Bad Saarow absolviert und den Platz umfassend studiert. Welche Taktik empfehlen Sie?

Der Schlüssel für den Faldo Course ist, die Bunker möglichst aus dem Spiel zu nehmen. Wer den Ball vom Tee aus weit schlagen kann, also über die Fairwaybunker hinweg, hat es deutlich leichter. Und das können alle unsere Spieler.

Die Nationalmannschaften, die um den EM-Titel spielen, bestehen allesamt aus Amateuren. Mit welchem Niveau können die Zuschauer rechnen?

Mit allerfeinstem Golf. Viele Spieler, die in Bad Saarow am Start sind, stehen kurz vor dem Sprung in Profilager. Die Zuschauer sehen Europas kommende Tourstars, die sich im Übrigen darum reißen, bei der Team-EM spielen zu dürfen. Alle sechs Spieler des englischen Teams zum Beispiel gehören zu den Top 100 der Amateur-Weltrangliste. Würde nur Zählspiel gespielt, würde ich mein ganzes Geld auf England setzen. Aber im Lochspiel, im Duell Mann gegen Mann, können wir auch England schlagen.