Gross Kienitz plant zweiten 18-Loch-Platz

Gross Kienitz plant zweiten 18-Loch-Platz
Auf dem Feld südlich des Gross Kienitzer Clubhauses (unten rechts) sind sechs neue Golfbahnen geplant, die zusammen mit dem bisherigen 9-Loch-Platz sowie dem 3-Loch-Übungsparcours einen vollwertigen 18-Loch-Platz ergeben. Foto: GA Gross Kienitz

Die baldige Eröffnung des Flughafens BER beflügelt die Golfanlagen Gross Kienitz: Ein zweiter 18-Loch-Platz soll entstehen – aus sechs neuen Bahnen und dem bestehenden 9-Loch- sowie 3-Loch-Platz. Sogar Ryder-Cup-Träume wurden jüngst durch einen Gast aus England wieder aufgewärmt.

Nicht nur für Lufthansa, EasyJet & Co. brechen Ende Oktober in Berlin neue Zeiten an. Wenn mit acht Jahren Verspätung endlich der neue Hauptstadtflughafen BER ans Netz geht, bekommen auch die unmittelbar südwestlich an’s Airportgelände angrenzenden Golfanlagen Gross Kienitz neuen Aufwind. Ehrgeizige und zum Teil weit gediehene Entwicklungspläne rund um das Golfgelände, die vor Jahren zu Kollateralschäden der schier unendlichen Pleiten-, Pech- und Pannenserie der Flughafenbauer – und notgedrungen eingemottet – wurden, erhalten jetzt eine neue Realisierungschance. Wie kaum eine zweite Sport- und Freizeiteinrichtung in der Region dürfte die private Golfanlage in Gross Kienitz in den kommenden Jahren vom neuen Großflughafen im Süden Berlins profitieren.

Unter seiner Führung ist der GC Gross Kienitz zum mitgliederstärksten Golfclub in der Hauptstadtregion gewachsen: Clubpräsident Max Fränkle. Foto: Axel Sperling

Für Max Fränkle, den Präsidenten des GC Gross Kienitz, kommt die für Ende Oktober versprochene BER-Premiere “spät, aber nicht zu spät”. Die BER-Startvorbereitungen im Blick, hat er kürzlich bei der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow die Genehmigung der schon lange in der Schublade schlummernden Pläne für die Erweiterung der Golfanlagen von 30 auf 36 Löcher beantragt. Es geht um den Bau von sechs Golfbahnen auf einem rund 15 Hektar großen Getreideacker zwischen dem Dorf Groß Kienitz und der B 96, südlich der unmittelbar am Clubhaus entlang führenden Gemeindestraße.

Wenn, wie erwartet, im kommenden Jahr die Startfreigabe erteilt wird, könnten schon im Herbst 2021 Bulldozer anrollen, um die Monokultur-Agrarfläche in ein nicht nur für Golfer, sondern auch für Flora und Fauna spannendes Gelände mit deutlich größerer Artenvielfalt zu verwandeln. Erstmals seit Jahren entstünde wieder ein neuer 18-Löcher-Golfplatz in der Hauptstadtregion – und zwar nach dem Motto „aus 3 mach 1“ beziehungsweise der simplen Additionsrechnung “9 + 3 + 6”: ohne aufwändige Umgestaltungen können die geplanten neuen sechs Golfbahnen mit dem bestehenden 3-Loch-Übungsplatz und dem herrlich eingewachsenen, fordernden 9-Loch-Platz nahe dem Clubhaus und einer der beiden Driving Ranges kombiniert werden. Insgesamt umfasst das Areal des künftigen – neben dem Robert-Baker-Platz – zweiten 18-Loch-Kurses, der das bestehende schmucke Clubhaus nahezu umrunden wird, deutlich über 50 Hektar.

Auch einige der vor Jahren eingemotteten Entwicklungspläne bekommen durch den BER-Start neue Realisierungschancen. Ob dazu auch der vor Jahren von Martin Hawtree für Gross Kienitz geplante Ryder-Cup-Platz gehört (in die Luftaufnahme rechts als “Neuer Golfplatz” hinein gezeichnet), wird die Zukunft zeigen. Foto: Anke Nitsche

Mit dem wasserreichen 9-Loch-Platz, der heute als „brillen.de-Platz“ firmiert,  hatte in den 90er Jahren die Karriere der Golfanlagen Gross Kienitz begonnen, die sich seither zum mitgliederstärksten Golfclub der gesamten Hauptstadtregion entwickelt haben (derzeit rund 2100 Mitglieder). Erst mit der Erweiterung auf 36 Löcher wäre nach den DGV-Statuten ein weiteres Wachstum um zusätzliche mehrere hundert Mitglieder zulässig.

Wieder ein Thema: direkte Anbindung der Golfanlage an den BER

Auch einige andere Pläne rund um die Golfanlagen, die aufgrund der langjährigen Airport-Verzögerung in eine Art Schockstarre gefallen waren, nehmen nun wieder erkennbare Konturen an. Zurück auf der lokalen verkehrspolitischen Tagesordnung ist etwa die Erweiterung der bislang nur für Allradfahrzeuge zu empfehlenden, schmalen und rumpeligen Fahrpiste zwischen Groß Kienitz und dem Nachbardorf Glasow, in Kombination mit dem schon vor etlichen Jahren geplanten Ausbau einer Südbahn-Umfahrung unmittelbar am Flughafen-Zaun entlang. Mit einer solchen direkten Straßenanbindung wären die Golfanlagen vom BER-Terminal aus in nicht einmal 15 Minuten zu erreichen. Da wird eine 9-Loch-Runde für Transit-Passagiere und -Crews zur realisierbaren Überlegung.

Lang und fordernd ist der Robert Baker Platz in Gross Kienitz – hier die Bahn 18. Nur wenige hundert Meter nordöstlich, gleich hinterm Wald, beginnt die Südbahn des BER. Foto: Wolfgang Weber

Dass im Zuge des nun offenbar wirklich unmittelbar bevorstehenden Flughafen-Starts auch die 2012 auf Eis gelegten Pläne für ein großes Airport-Golfresort-Hotel mit rund 450 Betten wieder fröhliche Urständ feiern, kann kaum verwundern. Zwar ist die ehrgeizige irische Investorengruppe, die seinerzeit in Groß Kienitz viel vorhatte, nach den langen Jahren des Wartens inzwischen vom Winde verweht.

Hotel und Boarding House neben Bahn 10?

Aktuell hingegen, so bestätigt Max Fränkle, habe eine in Hamburg ansässige deutsche Investorengruppe starkes Interesse angemeldet, auf einem Feld am „Kienitzer Berg“, neben der Bahn 10 des Robert-Baker-Platzes, ein Hotel und ein Boarding House zu errichten – eines von vielen Vorzeichen des sich schon ankündigenden Bau- und Entwicklungsbooms im südlichen Berliner Speckgürtel, wo der BER in den kommenden Jahren direkt und indirekt für mehrere zehntausend neue Arbeitsplätze zu sorgen verspricht.

Im Clubhaus, gleich rechts vom Eingang, hängt eine großformatige Luftaufnahme der kompletten Golfanlagen von Gross Kienitz mit dem BER-Gelände im Hintergrund. Schematisch in das Foto eingearbeitet wurde ein extrem weitläufiger zusätzlicher Kurs mit Links-Charakter, den der berühmte englische Golfplatz-Designer Martin Hawtree mit irischer Unterstützung in die Felder neben dem Dorf und dem Baker-Platz zaubern wollte; ein Platz, der den Ryder Cup nach Berlin hätte locken sollen.

Wird das “R-Wort” noch mal zum Thema in Gross Kienitz und Berlin? Der berühmte englische Golfplatz-Designer Martin Hawtree (hier mit Clubpräsident Max Fränkle), der vor Jahren südlich der Hauptstadt einen Ryder-Cup-Platz bauen wollte, wurde jedenfalls kürzlich wieder einmal in Gross Kienitz gesichtet. Foto: Anke Nitsche

Wie man weiß, zerplatzte der Traum im Gefolge der Airport-Tristesse wie eine Seifenblase, wurden kurzfristig die Scheinwerfer auf Bad Saarow gerichtet, ehe finanzielle Gründe den Ausschlag für Rom als Ryder Cup-Austragungsort gaben. Schnee von gestern. Fakt aber ist, dass sich Martin Hawtree, ein bekennender Gross Kienitz-Fan, und einige andere einflussreiche Größen des internationalen Golf-Business kürzlich unterm Radar der Öffentlichkeit den alten Plan im Clubhaus-Entree live angeschaut und sich einen aktuellen Eindruck von der Situation südlich von Berlin und seines künftigen neuen Großflughafens verschafft haben. Was bei dem Treffen genau besprochen wurde und ob dabei auch das „R-Wort“ fiel, will Max Fränkle (noch) nicht verraten.

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