Berliner Schwergewicht: Nachruf auf Peter Alliss

Berliner Schwergewicht: Nachruf auf Peter Alliss
Peter Alliss wurde 1931 in Berlin-Wannsee geboren, nahm an acht Ryder Cups teil und wurde in seinen 50 Jahren als BBC-Kommentator zu "The Voice of Golf". Foto: Imago

Seine Stimme galt als die berühmteste unter allen Kommentatoren: Der Brite Peter Alliss prägte ein halbes Jahrhundert die Golfberichterstattung der BBC. Geboren wurde er 1931 in Wannsee, nahe der 17. Bahn. Nun ist er mit 89 Jahren verstorben. Nachruf auf ein Schwergewicht.

Peter Alliss ist in seinem Leben oft gefragt worden, ob er jemals in Berlin gewesen sei. Nach einem spontanen „Nein“ und kurzem Zögern musste er dann jedoch einräumen, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Seinen ersten Schrei haben womöglich wetterfeste und etwas verdutzte Golfer an einem Samstag Ende Februar 1931 wahrgenommen, als er in einer bescheidenen Behausung unweit des 17. Abschlages auf dem Wannsee-Golfplatz das Licht der Welt erblickte. Rund 14 Pfund brachte der kleine Wonneproppen auf die Waage, was nicht nur ein Rekord war, sondern bereits ein Omen für die Zukunft. Das Talent wurde dem jungen Mann quasi in die Wiege gelegt.

Peter Alliss‘ Vater Percy Alliss war Pro im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Foto: Sammlung Christoph Meister

Vater Percy hatte im Sommer 1926 die mit ca. 16.000 Reichsmark hochdotierte Stelle als Golflehrer im neu errichteten Golf- und Land-Club Berlin Wannsee angetreten. Da Familie Alliss Berlin bereits im Verlaufe des Jahres 1932 verließ, hatte Klein-Peter natürlich keine eigenen Erinnerungen an Berliner Zeiten. Aus den Erzählungen der Eltern erfuhr er jedoch, dass sein Vater täglich vom ersten Dämmerlicht bis Sonnenuntergang so prominenten Menschen wie Marlene Dietrich, Marion Davies, Richard Tauber oder auch dem Pianisten Fritz Kreisler Unterricht erteilte.

Letzterem redete er die weitere Teilnahme am Unterricht erfolgreich aus, da er die Zerstörung von Kreislers Händen wegen golferischer Talentlosigkeit nicht auf sein Gewissen laden wollte. Stattdessen musste sich Kreisler damit begnügen, Alliss bei der Erteilung des Unterrichts zu bewundern. Alliss senior hatte nicht nur ein sehr ausgeglichenes Wesen, sondern einen entspannten gleichmäßigen Schwung, der nicht nur gut aussah, sondern mitursächlich für allein 5 Siege bei der German Open wurde und für zehn Top-Ten-Platzierungen bei der Open zwischen 1922 und 1939 sorgte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass auch Peters Mutter Dorothy elegantes Scratch-Golf spielte.

Berufsgolfer schon mit 16 Jahren

Ihr Sohn Peter entschied sich für eine Karriere als Berufsgolfer, da war er noch keine siebzehn Jahre alt. Den entscheidenden Impuls bekam er im Sommer 1947, als er und sein älterer Bruder Alec, vom Vater mit 50 Pfund ausgestattet, zu einer dreiwöchigen Turnierreise aufbrachen. Nach einem verpassten Cut in Leeds beendete er die beiden ersten Runden auf dem Old Course von St. Andrews mit 153 Schlägen, was ihm nach zwei weiteren Runden bescheidene 3 Pfund Preisgeld einbringen sollte. Im Mere Golf Club, etwas südlich von Manchester geschah dann bereits das Wunder, dass er nicht nur den zweiten Cut schaffte, sondern als Fünfter nach 4 Runden weitere 54 Pfund und 10 Schillinge einstreichen konnte.

Golf sollte Peters gesamtes Leben bestimmen und führte ihn über Nord- und Südamerika, Asien bis nach Australien. Im Jahr 1958 trug er sich in drei aufeinanderfolgenden Wochen in Spanien, Portugal und Italien jeweils als Matchwinner in die Siegerlisten ein. Zehnmal repräsentierte er seine englische Heimat im Canada Cup aus dem 1966 der World Cup hervorging. War schon sein Vater zwischen 1927 und 1939 ein erfolgreicher Ryder-Cup-Spieler gewesen, trat Alliss junior auch in dieser Beziehung zwischen 1953 und 1969 erfolgreich in des Vaters Fußstapfen.

Zu einem Berlin-Besuch kam es nicht mehr

Nachdem er Mitte der Siebziger Jahre das Turniergolf aufgab, setzte er zu einer weiteren höchst erfolgreichen Karriere für die britische BBC an. Golf Digest urteilte schon vor Jahrzehnten: „The best golf commentator… ever“. „The Voice of Golf“ wie das golferische Schwergewicht respektvoll genannt wurde, kannte sie alle. Die Legenden des Golfsports wie Jack Nicklaus, Arnold Palmer, Gary Player, Ben Hogan, Sam Snead, Bobby Locke und unzählige andere aus dem Wettbewerb auf dem Golfplatz und im wahrsten Wortsinne alle anderen der letzten sechs Jahrzehnte, deren Golfspiel er analysieren und in unnachahmlicher Weise in Inhalt und Tonlage kommentieren durfte. Hinsichtlich der Spielstärke von Tiger Woods stellte er einmal fest, dass dieser „ein Gigant im einem Land von Pygmäen sei in dem es kaum 25 Spieler gäbe die sich mit ihm messen könnten“.

2012 wurde Peter Alliss in die Hall of Fame des Golfsports aufgenommen. In seiner pointenreichen Dankesrede erwähnt er auch, wie er in Wannsee geboren wurde und warum es seinen Vater einst nach Berlin zog.

Seine dem Autor gegenüber im Jahr 2011 geäußerte Hoffnung, eines Tages seiner Geburtsstadt Berlin doch noch einen Besuch abzustatten, erfüllte sich leider nicht mehr.

Am 5. Dezember 2020 hat sich Peter Alliss von seinem dankbaren Publikum endgültig verabschiedet.

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