Philipp Mejow schreibt über sein Tourleben

Philipp Mejow schreibt über sein Tourleben

Berlins erfolgreichster Tourspieler Philipp Mejow berichtet für Tagesspiegel Golf ab sofort regelmäßig über seinen Alltag auf Challenge Tour und European Tour. In seiner ersten Kolumne schreibt der gebürtige Berliner über Freundschaften auf der Tour.

Freundschaft ist die wahrscheinlich wichtigste Nebensache der Welt. Aber ist das auf der Tour überhaupt möglich? Sind wir Tourspieler nicht eigentlich nur Konkurrenten? Schon. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass es absolut möglich ist, Freundschaften auf der Tour zu schließen und auch über den Golfsport hinaus bestehen zu lassen. Das Leben auf der Tour ist ohnehin oft ein sehr einsames, bei dem man etwa die Hälfte des Jahres meist im Ausland unterwegs ist und nicht die Möglichkeit hat, viel Zeit mit der Familie und den Freunden zu Hause zu verbringen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, andere Spieler auf der Tour zu haben, mit denen man sich austauschen kann, auf die man sich verlassen kann und die auch ein Ohr für einen haben, wenn es einem mal nicht so gut geht. Außerdem ist es schön, unterwegs mit anderen einfach Spaß zu haben, gemeinsam fremde Länder und Kulturen zu entdecken und einfach mal wegzukommen von unserem täglichen Schema: Flughafen, Golfplatz und Hotel.

Auf der Proberunde um einen Kaffee zocken

Es gibt auf der Tour natürlich Gruppen, die sich bilden. Meistens sind die Spieler einer Nation immer zusammen, die Schweden, die Engländer, die Franzosen, die Deutschen und so weiter. Aber auch nationenübergreifend gibt es viele Freundschaften. Ich habe einige andere Spieler, mit denen ich mich sehr gut verstehe und mit denen ich gemeinsam zu Abend esse, die Proberunden spiele oder auch einfach mal die Stadt oder die umliegende Natur erkunde. Sowohl im Training, als auch auf den Proberunden zocken wir dann gerne um einen Kaffee, um das Spiel interessanter zu machen und um auch im Training öfter mal etwas Druck zu verspüren.

Ich habe auch ein paar wirklich enge Freunde, mit denen ich auch über Privates spreche, für die ich in jeder Lebenslage da bin und auf die ich mich immer verlassen kann. Und das, obwohl ich natürlich jede Woche ein Kontrahent für die anderen Spieler bin. Aber es herrscht trotzdem eine sehr familiäre Atmosphäre auf der Tour. Das heißt: Ich gönne vielen Spielern den Erfolg, und genauso freuen sich auch andere Profis für mich, wenn ich ein erfolgreiches Turnier gespielt habe.

Mitfiebern mit Freunden gehört dazu

Ich weiß noch genau, wie ich Ende letzten Jahres mit meinem besten Freund auf der Tour, Marcel Schneider, am 18. Grün bei der Final Stage der Qualifying School in Spanien stand. Nachdem ich dort den Cut und somit die volle Challenge Tour Karte gemacht habe, ging es für Marcel sogar um noch mehr. Er hatte seine Runde schon beendet, und es war entscheidend, wie die letzten Spieler des Tages Loch 18 spielen würden, damit er die European Tour Karte bekommt – oder eben nicht.

Es war für mich gefühlt genau so spannend wie für Marcel und ich bin mir sicher, auch er hätte für mich genauso mitgefiebert. Das zeigt, dass Golf einerseits ein Einzelsport ist, aber dass man trotzdem zusammen kämpft und auch gemeinsam Erfolge und Niederlagen erlebt. Natürlich gibt es auch Spielerpersönlichkeiten, die komplett ihr eigenes Ding machen. Aber die meisten sind offen dafür, gemeinsam über die Platzstrategie zu sprechen oder anderen Mal beim Schwung oder mentalen Themen zu helfen.

Das Doppelzimmer spart Kosten

Darüber hinaus bringen die für jeden von uns Tourpros unvermeidlichen Kosten natürlich auch Spieler zusammen. Wenn ich bei etwa 25 Turnierwochen im Jahr immer ein Einzelzimmer beziehe, sind meine Reisekosten deutlich höher, als wenn ich mir die meisten Wochen das Zimmer mit anderen Spielern teile. Klar, gibt es im Laufe der langen Saison, wie wir sie spielen, auch immer mal Tage, an denen man einfach Zeit für sich braucht und sich einfach mit room service und einer guten TV Serie oder einem Buch zurückzieht. Auch Zeit, um mit der Familie zu Hause zu telefonieren oder wirklich mal ganz in Ruhe zu reflektieren, was gerade alles passiert und ob man auf einem guten Weg ist, plane ich mir immer ganz fest ein. Ansonsten genieße ich es sehr, gemeinsam mit den anderen beim Abendessen über alle möglichen Themen zu sprechen und auch einfach mal ausgelassen den Kopf weg vom Golf zu bekommen.

Über die Turniere hinaus die „Tour-Freundschaften“ zu pflegen, ist für mich von Berlin aus nicht ganz leicht, da es keinen anderen Tour Spieler aus meiner Region gibt. Aber wenn man mal in der Nähe ist, verabredet man sich auch gerne privat.

Zeit zu verbringen mit Spielern aus anderen Ländern und anderen Kulturen, finde ich immer sehr spannend. Gerade solche Gespräche können einem ganz andere Blickwinkel auf so viele Themen geben und somit das Leben einfach nur bereichern. Freundschaft auf der Tour? Ein klares Ja von mir! Ich meine sogar, dass es wahnsinnig wichtig ist, gute soziale Kontakte auf der Tour zu haben, um gute wie auch schlechte Zeiten mit anderen teilen zu können und diesen tollen Beruf gemeinsam zu bestreiten.