Philipp Mejow: Kraft tanken abseits des Platzes

Philipp Mejow: Kraft tanken abseits des Platzes
"Ich sauge die Momente abseits des Platzes auf wie ein Schwamm", sagt Tourspieler Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Foto: Mike Wolff

Berlins erfolgreichster Tourspieler Philipp Mejow berichtet für Tagesspiegel GOLF über seinen Alltag auf Challenge Tour und European Tour. In seiner zweiten Kolumne schreibt der 30-Jährige über die große Bedeutung von Eindrücken, die er abseits der Golfplätze weltweit sammelt.

In meinen ersten Jahren auf der Tour habe ich mich auch abseits vom Golfplatz sehr stark auf das Turnier der Woche fokussiert. Jegliche Freizeitaktivitäten gaben mir das Gefühl, unkonzentriert zu sein. An den Strand zu gehen, in den Bergen zu wandern, Märkte und Attraktionen zu besuchen oder einfach nur abends statt im Hotel zu bleiben in die schönsten Ecken der Gegend zu fahren – all das schien mir unprofessionell.

Mit den Jahren habe ich für mich herausgefunden, dass diese Unternehmungen weniger negative Ablenkung als vielmehr eine positive Auszeit vom Turnieralltag für mich darstellen. Es es sind genau diese Momente, die mir am besten in Erinnerung bleiben. Ich habe in den vergangenen Jahren unzählige Turniere gespielt, an die ich mich kaum noch erinnern kann. Die spannenden Erlebnisse abseits des Platzes aber haben sich in meinem Gehirn fest eingebrannt. Es klappt natürlich nicht jede Woche, dass ich eine ganz spannende neue Erfahrung mache, aber das hängt in erster Linie von dem Ort ab, den ich gerade bereise.

Wildtiere und unglaublich Landschaft

Meine bisherigen Highlights waren zum Beispiel die Safari, die ich zusammen mit meiner Frau Anfang 2018 in Kenia vor dem ersten Turniertag gemacht habe. Neben allen Wildtieren und der unglaublichen Landschaft hat mich vor allem die Gastfreundschaft und die Mentalität der Kenianer begeistert. Erst vor kurzem habe ich in Kasachstan ein Turnier gespielt, und das Land hat mich total positiv überrascht. Ich habe dort versucht, so viel wie möglich von der jungen und sehr coolen Stadt Almaty zu sehen, und war auch mit ein paar Spielerkollegen in den Bergen, wo wir den „Big Almaty Lake“ besichtigt haben und eine sehr beeindruckende Natur bewundern konnten. Ich erinnere mich auch an viele tolle Momente in Marokko: Enge Gassen, bunten Märkte, facettenreiche Natur.

Nie vergessen werde ich die Steilküsten von Nordirland. Bei jener Reise entschied ich mich am Tag der Ankunft anstelle von ein paar ruhigen Stunden im Hotel noch die Nordküste abzufahren. Das war eine der besten Ideen, die ich je hatte. Die positiven Bilder gaben mir viel Energie und Gelassenheit für die darauf folgende Turnierwoche.

Auszeit auch mal vor der Finalrunde

Ich weiß inzwischen, dass ich ein Mensch bin, der solche Momente aufsaugt wie ein Schwamm. Ich bin neugierig und genieße es, die Welt zu sehen. Und da man als Tourspieler öfter mal einen ganzen Monat am Stück konzentriert Höchstleistungen bringen muss, ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, sich immer wieder Momente zu schaffen, in denen man komplett entspannen kann und sich auch mal total auf etwas einlässt, was eben nichts mit dem Beruf zu tun hat. Übrigens ist für mich egal, ob ich mir die Auszeit vom Turnierstress am Anfang der Woche – also vor der erste Runde – oder sogar vor der entscheidenden Finalrunde nehme.

Mir geben diese Momente immer sehr viel neue Energie. Sie liefern oft auch spannende Geschichten, die ich dann zu Hause der Familie und den Freunden erzählen kann. Aber es geht natürlich nicht soweit, dass ich meinen Turnierplan nach dem Freizeitwert der Spielorte gestalte. Das richtige Verhältnis zwischen Turnieren und Auszeiten oder die Wichtigkeit des Turnieres für die Rangliste geben für mich den Ausschlag, bei welchem Event ich mich anmelde und welches ich auslasse.

Wenn dann ein neues Land im Turnierkalender auftaucht, freue ich mich umso mehr. Da Turniergolf auch für mich nicht das Wichtigste auf der Welt ist, bereichern Erfahrungen abseits des Golfplatzes meinen Alltag und mein Leben entscheidend. Ich lerne immer wieder andere Dinge kennen, kann an diesen wachsen und freue mich riesig, diese dann im Anschluss mit meiner Familie und den Menschen um mich herum zu teilen.

Kolumne „Mejow on Tour“ (Folge 1): Freundschaften auf der Tour