Plant A-ROSA den Abgang aus Bad Saarow?

Plant A-ROSA den Abgang aus Bad Saarow?
Trauriger Anblick: Seit Wochen sprießt das Unkraut in den Bunkern des Bad Saarower Faldo Course, den A-ROSA weiterhin geschlossen hält. Foto: TSP GOLF

Die Zukunft des A-ROSA Golfresorts am Scharmützelsee ist ungewiss. Noch immer ist das Fünf-Sterne-Hotel geschlossen, ebenso das Clubhaus und der Faldo Course, in dessen Bunkern kniehoch das Unkraut steht. Vieles deutet darauf hin, dass A-ROSA Bad Saarow verlassen möchte.

Der Anblick tut weh: Auf dem Faldo Course, wo nach Wunsch der Eigentümer der Ryder Cup 2022 hätte stattfinden sollen, sprießt in den Sandbunkern das Unkraut in die Höhe. Golf darf hier noch immer nicht gespielt werden. A-ROSA hält den Vorzeigeplatz seines Golfresorts geschlossen – als einzigen in ganz Deutschland. Die Pflege ist zurückgefahren. Auf dem benachbarten Arnold Palmer-Platz und dem Stan Eby-Platz darf inzwischen wieder gespielt werden, aber die Atmosphäre auf der Anlage am Scharmützelsee ist gespenstisch. Das Fünf-Sterne-Hotel, das Herzstück des Resorts, sowie das Clubhaus samt Restaurant sind noch immer dicht. Viele Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. „Wir werden das Hotel und den Faldo Course erst wieder öffnen, wenn es wirtschaftlich Sinn ergibt“, erklärt A-ROSA-Sprecherin Michaela Störr. Die derzeitige Nachfrage sei nicht groß genug.

Wettbewerber zu 94 Prozent ausgelastet

Erstaunlich, zumal vergleichbare Golfresorts wie WINSTONgolf oder Bad Griesbach seit dem Ende der Zwangsschließung eilig wieder ihren Betrieb aufgenommen haben und nun einen starken Zustrom erfahren. Daniel Stenzel vom Golfresort Weimarer Land sagt: „Wir haben eine Auslastung von 94 Prozent bis in den Oktober hinein.“ Das thüringische Golfresort mit seinen zwei 18-Loch-Plätzen, dem Vier-Sterne-Hotel und Spa spricht dieselbe Zielgruppe an wie das A-ROSA Scharmützelsee. Der stellvertretende Hoteldirektor möchte die Entscheidungen der Konkurrenz nicht bewerten, verhehlt aber auch nicht, dass er sie nicht nachvollziehen kann. „Jetzt ist Erntezeit“, sagt Stenzel. Aufgrund der großen Nachfrage habe Weimarer Land zuletzt sogar die Preise angehoben. Fleesensee registrierte im Juni dreimal so viele Greenfee-Spieler wie im Vorjahresmonat.

Nicht genügend Nachfrage? So begründet A-ROSA die andauernde Schließung seines Fünf-Sterne-Hotels in Bad Saarow. Foto: TSP GOLF

„A-ROSA schiebt die Corona-Krise vor, um schlechtes Management zu vertuschen und die Schließung des Hotels zu rechtfertigen“, ist Klaus-Peter Hillebrand überzeugt. Der Präsident des auf der Anlage beheimateten Sporting Club Berlin, bestätigt Tagesspiegel-Informationen, wonach A-ROSA schon vor Beginn der Corona-Krise darauf gedrängt haben soll, den Golfbetrieb am Scharmützelsee abzugeben. Gespräche mit der Firma Sommerfeld, die vor Jahren bereits das Greenkeeping übernommen hat, blieben jedoch bis heute ohne Ergebnis. Laut Hillebrand, der in Berlin eine Kanzlei als Rechtsanwalt und Steuerberater betreibt, hat die Hotelkette es nie fertiggebracht, Bad Saarow am Markt als das erstklassige Golfresort zu etablieren, das es zweifellos ist: „A-ROSA kann Hotels und Kreuzfahrten, aber definitiv kein Golf.“

Elf Wochen war nicht einmal Wasser zu bekommen

Nicht nur die fast 700 Clubmitglieder in Bad Saarow seien entgeistert, was aus ihrem golferischen Zuhause geworden ist, gleiches gelte für Gäste, berichtet Klaus-Jürgen Meier, Clubmitglied und Organisator der BB-Masters 2014, 2015 und 2016. Wer das A-ROSA buchen wolle, werde von einem Anrufbeantworter an das benachbarte Budget-Hotel a-ja verwiesen. Nach der Wiedereröffnung des Arnold Palmer-Platzes am 7. Mai blieb das Clubhaus geschlossen. Bis heute. Die Azubis des Resorts regeln den Golfbetrieb, während das Golfmanagement in Kurzarbeit gehalten wird. Auf der gesamten Anlage war ganze elf Wochen nicht einmal eine Flasche Wasser zu bekommen, ganz abgesehen von einem Drink nach der Runde. Das änderte sich erst, als A-ROSA am 24. Juli stolz eine Pop-up-Bar am ersten Abschlag des (geschlossenen) Faldo Course eröffnete – mit Liegestühlen auf der Teebox.

Da war die Welt noch in Ordnung: Nick Faldo war 2019 im A-ROSA Scharmützelsee zu Besuch, um zehn Jahre Faldo Series in Bad Saarow zu feiern. Foto: Mike Wolff

„Es ist traurig, den Platz in diesem Zustand zu sehen“, sagt Matthew Faldo, Sohn von Englands Golflegende und Platzdesigner Sir Nick Faldo. Matthew Faldo kennt das Golfresort sehr gut. Im vergangenen Jahr kamen er und Vater Nick Faldo zu Besuch, um zehn Jahre Faldo Series in Bad Saarow zu feiern. Ein Event, das A-ROSA in diesem Jahr absagte. Ausgerechnet der Platz, der einmal zur Bühne für den Ryder Cup werden sollte, sei nun der einzige von 30 Faldo Courses in aller Welt, der aktuell geschlossen ist, wundert sich Faldo.

A-ROSA-Sprecherin: „Bewerten die Lage jede Woche neu“

Wann A-ROSA sein Hotel und den Faldo Course wieder öffnet, ist ungewiss. „Jede Woche bewerten wir die Lage neu und treffen dann eine Entscheidung“, erklärt Sprecherin Michaela Störr. Mitglieder des Golf Club Bad Saarow, die für ein Spielrecht auf dem Faldo Course und die Nutzung des Hotel-Spa-Bereichs bezahlt haben, wurden bisher nicht entschädigt. „Zu Verträgen mit unseren Golfmitgliedern äußern wir uns nicht“, lässt Störr wissen. Horst Rahe, geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Seerederei, zu der A-ROSA gehört, hat seine Affinität zum Standort Bad Saarow immer betont. Nun mag selbst er nicht über die Situation am Scharmützelsee reden.

Das Bad Saarower Clubhaus ist weiterhin geschlossen, das Golfmanagement in Kurzarbeit. Foto: A-ROSA

„Eine Strategie ist nicht zu erkennen“, sagt SCB-Präsident Hillebrand. Die Folgen für das Golfresort seien verheerend, da es seine Stammkunden verliere und seinen Ruf verspiele. „Restaurant, Duschen und Spa hin oder her, das Schlimmste ist die Kommunikation von A-ROSA“, ärgert sich Hillebrand. Mitglieder würden nicht informiert, hingehalten oder als Querulanten hingestellt, wenn sie die Zustände bemängelten. „Ich habe Andreas Winkler, dem Regionaldirektor und Chef des Resorts, meine unentgeltliche Hilfe als Anwalt angeboten, als es im April darum ging, beim Landratsamt von Oder-Spree eine Wiedereröffnung der Golfanlage zu erwirken“, erzählt Hillebrand. Winkler habe ihm nicht einmal geantwortet. Es entstand der Eindruck, als habe A-ROSA kein Interesse daran, den Resortbetrieb wieder aufzunehmen. Letztlich konnten die Mitglieder in Bad Saarow erst zwei Wochen später Golf spielen als beispielsweise die des Golf- und Country Club Seddiner See.

Eigentümer können auf Pachtvertrag pochen

Über den A-ROSA-Exit aus dem Golfbereich am Scharmützelsee oder womöglich einen gänzlichen Abschied aus Bad Saarow entscheiden am Ende die Besitzer des Resorts, die Familie Haselsteiner. Wie es heißt, wollten sich die Österreicher bisher nicht auf zwei verschiedene Pächter von Hotel und Golfanlage einlassen. Sie können auf den Vertrag pochen, den sie mit A-ROSA geschlossen haben. Ob es zu einem Sinneswandel kommt, wenn A-ROSA das Hotel, das Clubhaus und den Faldo Course noch länger geschlossen hält, ist ungewiss.

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