Polen: Weltklasse-Golf in Westpommern

Polen: Weltklasse-Golf in Westpommern
Juwel aus Meisterhand: Modry Las, Loch 2. Foto: Wolfgang Weber

Spätestens seit Corona wissen Golfurlauber: Es muss nicht immer Mallorca sein. Das polnische Westpommern mit Stettin als Bezirkshauptstadt – gerade mal zwei Autostunden von Berlin entfernt – lockt mit vier sehr schönen Golfanlagen. Die zwei nächstgelegenen, Modry Las und Binowo, stellen wir vor.

Wie er Golfplatz-Besitzer geworden ist? Arthur Gromadzki, Inhaber des Modry Las Golf Resort, legt die Stirn in Falten und überlegt, lächelt und sagt dann: „Wie vieles im Leben war das eigentlich reiner Zufall.“ Ganz und gar kein Zufall war es, dass der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs rasch als leitender Angestellter einer amerikanischen Investmentfirma in der Schweiz erfolgreiche Finanzfachmann aus Polen Anfang der 90er Jahre begann, ganz in der Nähe seiner kleinen Heimatstadt Choszczno, dem einstigen Arnswalde, Landparzellen aufzukaufen. „Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Das Einzige, von dem Du sicher sein kannst, dass es immer seinen Wert behält, ist Land.‘ Daran habe ich mich erinnert, als damals viele landwirtschaftliche Staatsbetriebe pleite gingen und anfingen, Land zu verkaufen“, berichtet er.

Arthur Gromadzki, Besitzer des Modry Las Golf Resort, mit seinem Sohn Alex. Foto: Wolfgang Weber

Land, das Arthur Gromadzki bestens kannte. Sein Vater, ein Doktor der Chemie und lange Jahre Bürgermeister von Choszczno, war Jäger gewesen und hatte den kleinen Arthur öfter mit auf Pirschjagd genommen in den leicht hügeligen, wasserreichen Feldern, Weide- und Waldgebieten südöstlich der kleinen, gerade mal 15.000 Einwohner zählenden Kreisstadt des Powiats Choszczenski. „Ich habe insgesamt an die 130 Hektar gekauft, zunächst ohne einen Plan zu haben, was ich damit konkret anfangen könnte“ – zumal Choszczno förmlich „in the middle of nowhere“ liegt, knapp 80 Kilometer südöstlich von Stettin, fernab aller Ballungsräume.

Malerische Landschaft am Radun-See

Die Idee mit dem Golfresort hatte dann ein Freund und Nachbar im schweizerischen Genf, wo Arthur Gromadzki seit Jahrzehnten seinen Hauptwohnsitz hat. „Er hat mich bedrängt und bekniet, ihm ‚mein Land‘ zu zeigen. Nach zwei Jahren hab’ ich ihn dann mal mitgenommen; es war November, kalt und regnerisch, und ich sagte ihm: ‚Der richtige Tag, um Dir Deine verrückte Idee aus dem Kopf zu schlagen.‘ Doch das Gegenteil war der Fall – ‚einfach fantastisch’ fand er das Gelände“ über dem Ostufer des schmalen, sich kilometerlang durch die malerische Landschaft schlängelnden Radun-Sees.

Ein Golfexperte aus Florida wurde eingeflogen, der eine professionelle Machbarkeits-studie erstellte. Auch er fand die Gegend ideal, hatte aber starke Zweifel, ob sich das Projekt in dieser dünn besiedelten Gegend ökonomisch je rechnen würde. Arthur Gromadzki: „Damals, Mitte der 90er, war Polen noch ein anderes Universum, halb kommunistisch, ökonomisch über Jahrzehnte völlig vernachlässigt.“ Golf war für die allermeisten Polen noch ein Fremdwort aus einer anderen Welt. Und auch der neue Großgrundbesitzer war absoluter Golf-Laie, konnte bis dahin kaum einen Driver von einem Fairwayholz unterscheiden.

Der Schwarze Ritter bekam glänzende Augen

„Vitamin B“ brachte Arthur Gromadzki schließlich in Kontakt mit dem Unternehmen Black Knight International von Golflegende Gary Player; und als der Altmeister und begnadete Golfplatz-Architekt beim Anblick des Geländes bei Choszczno ebenfalls glänzende Augen bekam, war die Entscheidung gefallen: Am Ufer des Radun-Sees würde ein Gary Player Design Course entstehen, der erste in Mitteleuropa.

Bestens verteidigtes Grün: Modry Las‘ Signature Hole 15. Foto: Wolfgang Weber

„Es hat sehr lange gedauert“, bekennt Arthur Gromadzki. Er hatte es nicht eilig, Qualität und Perfektion ging ihm über Geschwindigkeit: Erst 2009 wurde der Golfplatz feierlich eröffnet; und erst weitere elf Jahre später, im Spätsommer 2020, wurde das imposante Clubhaus im modernen, luxuriösen Landhausstil fertig. Doch wenn das alte Sprichwort „was lange währt, wird endlich gut“ je bei einem ehrgeizigen Golfprojekt zutraf, dann in Modry Las.

Gary Player hat die natürlichen Gegebenheiten der abgeschiedenen Wald- und Seenlandschaft, weit ab von jeglicher Hektik und Lärmquelle, perfekt genutzt. Der von den gelben Abschlägen 5866 Meter lange Platz (CR 71,2, Slope 129) bietet alles, was das Golferherz begehrt: breite, wellige Fairways, herrliche Ausblicke auf den See und die umgebenden Eichen-, Kiefern- und Birkenwälder, spektakuläre Wasserhindernisse sowie große, gut verteidigte und sanft ondulierte Grüns. Wenn man unter den 18 Schönheiten dieses Platzes einige besonders hervorheben soll, dann sicherlich die landschaftlich geradezu malerischen Par 5-Bahnen 2, 7, 16 und 18.

Auf steiler Leiter in den Monsterbunker

Signature Hole ist freilich die 15, ein von gelb gerade mal 142 Meter kurzes Par 3. Hier hilft nur eine hohe, präzise “Bogenlampe“; denn das unmittelbar an einem kleinen See gelegene erhöhte, halb mit einer Mauer eingefasste Grün wird zusätzlich durch einen wahren Monsterbunker verteidigt, den man im Fall des Falles nur mittels einer steilen Leiter betreten kann. Mindestens ebenso oft wie das Sand Wedge wird hier allerdings die Handy-Kamera gezückt ­– Hobby-Fotografen können in Modry Las leicht in einen Fotorausch kommen.

Seit kurzem fertig: Das imposante Clubhaus von Modry Las hoch über dem Radun-See. Foto: Wolfgang Weber

Es wundert nicht, dass Arthur Gromadzkis Golfresort in den vergangenen Jahren – trotz wachsender Konkurrenz – bei polishgolf.pl, aber auch bei den World Golf Awards mehrfach zum besten Golfplatz Polens gekürt wurde, und das, obwohl das großartige Clubhaus da noch in Planung beziehungsweise im Bau war. Zusätzlich darf sich die Anlage bei Choszczno, zu der mit dem Kurzplatz Orli Las auch ein ebenso attraktiver wie anspruchsvoller „9-hole championship course en miniature“ gehört, mit dem schönen Beinamen „The PGA National Poland“ schmücken. Völlig zurecht gilt das Meisterstück Gary Players in Westpommern als einer der Top-100-Plätze in Europa.

Wenn es an Modry Las etwas zu kritisieren gilt, dann die an den Teeboxen fehlenden Hinweistafeln mit Infos zu den jeweiligen Bahnen. Wer von der Golf-Rezeption kein „Birdie-Book“ mit auf die Runde genommen hat, ist aufgeschmissen. Aber das ist weniger Arthur Gromadzki oder seinem englischen Resort-Manager Chris Duffy anzulasten als Platz-Architekt Gary Player selbst. Der „Schwarze Ritter“ hat in dieser Hinsicht schlicht einen kleinen Spleen: seine Philosophie, weitgehend naturbelassene Golfplätze zu kreieren und jegliche unnötigen Eingriffe in die Landschaft zu vermeiden, schießt manchmal etwas über das Ziel hinaus.

Modry Las gilt als die beste der mittlerweile über zwei Dutzend Golfanlagen in Polen. Foto: Wolfgang Weber

Zumal die platzkundigen Club-Mitglieder – es sind gerade mal knapp 200 – auf der Anlage meist deutlich in der Minderheit sind. „Wir sind ein typisches Ausflugs-Resort“, sagt Arthur Gromadzki, „knapp die Hälfte unserer Greenfee-Spieler sind Polen, die ausländischen Gäste kommen zu einem Drittel aus Skandinavien und zu zwei Dritteln aus Deutschland – und da vor allem aus Berlin!“ Und etliche der Berliner Gäste sind schon Stammkunden geworden.

Juwel aus Meisterhand

Als wir nach den ersten neun Löchern eine kleine Pause auf der großen Clubhausterrasse einlegen, mit herrlichem Panoramablick auf die Bahnen 10 und 18, die Übungsanlagen der resorteigenen Golf Academy und auf die im Sonnenlicht schimmernde Wasserfläche des Radun-Sees, ist dort gerade die komplette Jungsenioren-Mannschaft des Golfclub Kallin in heiterer Runde versammelt, leicht erkennbar an den Team-Shirts mit dem dreieckigen bunten Club-Logo. „Ein paar von uns sind zum ersten Mal hier in Modry Las“, verrät einer der Wochenendausflügler aus dem Havelland, „ich selbst war allerdings schon dreimal hier und einige von uns sogar noch öfter“.

Solch starke Anziehungskraft liegt sicherlich nicht allein, aber auch an den günstigen Preisen: Die 18-Loch-Runde auf dem „Juwel aus Meisterhand“ kostet freitags bis sonntags 280 Zloty (rund 61 €), an den übrigen Wochentagen 190 Zloty (42 €); ein Elektro-Buggy schlägt mit 120 Zloty (26 €) zu Buche.

Stakes Finish in Modry Las: Das 18. Grün vor der Clubhausterrasse. Foto: Wolfgang Weber

Seit der kürzlichen Eröffnung des Clubhauses kann das Modry Las Golf Resort auch mit einer Indoor-Trainingsanlage inklusive modernem Golfsimulator, einem gut sortierten Proshop und einem Restaurant mit exzellenter Gastronomie aufwarten. Und es kann jetzt insgesamt rund 50 Übernachtungsplätze anbieten, zu äußerst moderaten Zimmerpreisen (für je zwei Gäste) zwischen 55 und 150 Euro: Im Dachgeschoß des riesigen Clubhauses warten elf luxuriöse Gästezimmer, deren schönstes – wenig überraschend – als „Gary-Player-Suite“ firmiert.

Wer es nach der Golfrunde ganz ruhig und abgeschieden mag, findet wenige hundert Meter vom Clubhaus, im Birkenwald mit Blick auf das Fairway der 16. Bahn, ein langgezogenes, rustikales Holzhaus mit mehreren komfortablen 1-Zimmer-Apartments samt Grillplatz und Gemeinschaftspavillon. Eine weitere Alternative gleich nebenan, ebenfalls mit Fairway-Blick, sind drei stilvolle „Schwedenhäuser“, die mit jeweils zwei Schlafzimmern sowie moderner Gemeinschaftsküche und gemütlichem Salon mit Kamin idealerweise einen kompletten Vierer-Flight beherbergen. Ausstattung? Komplett – inklusive stabilem W-LAN, selbst mitten im Wald. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite von Modry Las.

Binowo – Ein schönes Stück Schweden in Westpommern

60 Kilometer weiter nordwestlich bedarf es keiner „Schwedenhäuser“, um sich gleichsam wie im blau-gelben Drei-Kronen-Land zu fühlen. Im Entrée des gediegenen Clubhauses des Binowo Park Golf Club erinnert eine ganze Fotogalerie daran, dass im September 2000 keine Geringere als Prinzessin Birgitta von Schweden, eine Schwester von König Carl Gustav, die Golfanlage unweit von Stettin feierlich mit eröffnete. Ebenfalls mit von der Partie war seinerzeit Schwedens legendärer Supersportler Sven Tumba, der als Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft einst das Drei-Kronen-Team zum WM-Titel führte, der aber auch als Fußballer Nationalspieler und mehrfacher schwedischer Meister wurde und später als international erfolgreicher Spieler und Platzdesigner den Golfsport im Königreich populär und zum Volkssport machte.

Die hohen Weihen für die Golfanlage in Westpommern durch Prominenz aus dem nordischen Königreich war kein Zufall. Besitzer ist Captain Sven Olof Brax, Gründer und Inhaber von Brax Shipping HB, einer in Göteborg beheimateten maritimen Unternehmensgruppe, einer der größten ihrer Art in Skandinavien. Aber auch auf dem Festland ist Brax gerne aktiv. In Pommern, das nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 zu großen Teilen jahrhundertelang der schwedischen Krone gehörte, bewirtschaftet die Brax-Gruppe rund tausend Hektar Agrarland.

Tief unten das Fairways: Loch 9 auf dem Binowo-Platz. Foto: Wolfgang Weber

Etwa ein Zehntel dieser Ländereien eignete sich aufgrund der Topografie und der Bodenbeschaffenheit nicht sonderlich gut für die moderne, mit großem Maschinenpark betriebene Landwirtschaft. Unmittelbar am Rand des waldreichen Stettiner Landschaftsparks gelegen und kaum 20 Kilometer vom Zentrum der alten Hansestadt entfernt, schrie hingegen genau dieses reich mit Hügeln, Wäldern, Wasserläufen und Teichen gesegnete Gelände geradezu danach, in einen formidablen Golfplatz verwandelt zu werden. Sven Olof Brax jedenfalls, der nicht nur ein cleverer und gewinnorientierter Geschäftsmann ist, sondern auch – wie fast alle Schweden – ein leidenschaftlicher Hobbygolfer, vernahm diesen Hilferuf überdeutlich; und schnell fand er den idealen einheimischen Partner, um die erträumte Golfanlage zu verwirklichen.

In drei Jahren vom Anfänger zum Champion

Slawomir Pinski stammt aus einer in Polen bekannten Sportlerfamilie. Sowohl sein Vater als auch sein Onkel waren polnische Box-Champions. Er selbst begeisterte sich eher für Tennis und Fußball, wurde zudem mit seinem Team von der Seefahrts-Uni immerhin polnischer Universitätsmeister im Basketball.

Slawomir Pinski, Managing Director des Binowo Park Golf Club, vor dem Clubhaus. Foto: Wolfgang Weber

Nach seinem Diplom als Schiffsingenieur fuhr Slawomir sechs Jahre zur See. Irgendwo im Ausland stolperte er zufällig in einen Golfshop – „und ich war auf Anhieb überrascht und fasziniert von der Vielfalt des angebotenen Equipments.“ Zurück in Polen begann er, Golf auf Eurosport zu verfolgen, wurde Fan von Golfgrößen wie Sam Torrance und Ian Woosnam. Im Sommerurlaub 1994 nahm der neu Infizierte auf dem gerade eröffneten 9-Loch-Übungsplatz des Amber Baltic Golf Club auf der Insel Wollin dann erstmals selbst Golfschläger in die Hand – und hatte ein unfassbares Erfolgserlebnis: „Es war niemand da, der mir gezeigt hätte, wie man richtig spielt. Aber ich ging gleich auf eine Runde und hatte von Anfang an den Eindruck, unglaublich talentiert zu sein, denn die Bälle flogen herrlich  schön und hoch. Erst später sagte mir dann jemand, es sei falsch, jedes Mal den Ball auf dem Fairway aufzuheben und immer von einem Tee zu schlagen…“

Allzu viele Anfängerfehler machte Slawomir Pinski, der inzwischen nicht nur sportlich, sondern auch beruflich die Branche gewechselt hatte und in Stettin sesshaft geworden war, allerdings nicht. Er wurde nicht nur ein eifriger Nutzer des Amber Baltic Championship-Kurses, sondern trainierte auch täglich auf der privaten Driving Range im Garten seines Freundes, des norwegischen Geschäftsmannes und Honorarkonsuls in Stettin Jan-Eric K.: „Jeden Nachmittag nutzte ich diese einmalige Gelegenheit, drei bis vier Stunden lang schlug ich über tausend Bälle ins Netz.“ Der Lohn des Trainingsfleißes: Nach gut zwei Jahren hatte er sich runter gespielt auf Handicap 7; nach drei Jahren, 1997, war Slawomir Pinski Team-Captain in Amber Baltic, Turnierveranstalter und polnischer Amateurmeister.

Vom Schiffsingenieur zum Golfmanager

Der Rest ergab sich sozusagen zwangsläufig: Norweger kennt Schweden, der einen multitalentierten und bestens vernetzten Polen braucht, um ein Herzensprojekt zu verwirklichen. In rekordverdächtigen sechs Monaten hat Slawomir Pinski die Bodennutzungsänderung und die Baugenehmigung für den Brax-Golfplatz in der Tasche. Und da er sich vom Studium und der Schiffahrt her bestens auskennt mit Bewässerungs- und Pumpsystemen, mit Materialbeschaffung und Maschinen und zudem ein hervorragender Organisator ist, übernimmt er – unterstützt von einigen schwedischen Experten – auch gleich noch die Logistik und schließlich die gesamte Projektleitung beim Bau der Golfplätze.

Bridge over troubled water – Binowo-Platz, Loch 17. Foto: Wolfgang Weber

1999 geht zunächst ein 9-Loch-Par-3-Übungsplatz für Anfänger an den Start, quasi um die Einstiegsschwelle für Neugolfer möglichst niedrig zu halten. Ein Jahr später folgt dann der 18-Loch-Meisterschaftsplatz. „Unsere Business-Idee war von Beginn an, möglichst viele Neugolfer zu schulen und als Mitglieder zu gewinnen, um nicht nur vom Golftourismus abhängig zu sein“, unterstreicht Slawomir Pinski. Immerhin zählt der Binowo Park Golf Club heute rund 320 Mitglieder.

„In normalen Jahren“, sagt der Managing Director, „haben wir hier eine Menge Greenfee-Spieler aus Skandinavien; die kommen mit den häufig verkehrenden Fähren aus Schweden und Dänemark nach Swinemünde herüber, verbringen ein paar Tage in Stettin und spielen die eine oder andere Runde Golf bei uns und auf den Nachbarplätzen Modry Las, Amber Baltic und Kamien.“ Aber was ist im Jahr 2020 schon normal? Corona-bedingt ist der Tourismus aus Skandinavien nach Westpommern nahezu komplett eingebrochen. Umso mehr freuen sich Slawomir Pinski und sein Team über deutlich mehr Gastspieler aus Deutschland, insbesondere aus Berlin-Brandenburg.

Kein Platz für wasserscheue Golfer

Für die „Flachlandtiroler“ aus der Hauptstadtregion an Spree und Havel trägt der Binowo Park Golfplatz fast schon alpine Züge. Besonders die ersten neun Bahnen bieten ein ständiges, bisweilen arg steiles und sportliches Auf und Ab mit etlichen ziemlich engen Fairways und spät einzusehenden Grüns. Für die Anstrengungen und golferischen Stolperfallen wird man freilich immer wieder mit herrlichen Ausblicken in die weite, waldreiche Landschaft entschädigt. Spektakulär beispielsweise die Szenerie vom Abschlag der Bahn 9: Ein möglichst weiter Abschlag auf das abschüssige Fairway ermöglicht es wagemutigen Longhittern, das von einem langgezogenen Teich und zwei Bunkern stark verteidigte Grün unterhalb des Clubhauses mit einem riskanten zweiten Schlag direkt anzugreifen. Powodzenia – viel Glück!

Hügeliges Auf und Ab mit viel Wasser: Der Platz des Binowo Park Golf Clubs. Foto: Wolfgang Weber

Wer erwartet, auf den zweiten Neun mit etwas geringeren Höhenunterschieden werde das Spiel weniger aufregend, wird schnell eines Besseren belehrt: Die zweite Hälfte des Binowo-Kurses ist nichts für Wasserscheue. Hier kommt auf jeder Bahn Wasser ins Spiel; gleich fünfmal führt der Weg aufs Grün sogar unausweichlich über mindestens einen verwunschenen Teich oder idyllischen Bachlauf. Aber Golfbällen im Bag geht es nicht anders als Fußballspielern auf der Ersatzbank – auch sie möchten gerne mal zum Einsatz kommen…

Best Restaurant in Poland

Nach der Runde wartet im Clubhaus eine Gastronomie vom Allerfeinsten auf die wackeren Golfplatz-Bezwinger: 2018 nahm das Clubhaus-Restaurant des Binowo Park Golf Club an einem landesweiten Restaurant-Wettbewerb teil und schlug zur Überraschung aller die komplette Konkurrenz auch aus den großen Metropolen wie Warschau, Breslau und Danzig. Es darf sich seither „Best Restaurant in Poland“ nennen. Milej Zabawy – guten Appetit!

Allerdings erfüllten sich auch für den umtriebigen Slawomir Pinski nicht alle Wünsche. „Ein Grund, weshalb ich damals in das Binowo-Projekt eingestiegen bin, war, dass ich mehr Golf spielen wollte“, gibt der General Manager mit nahezu schelmischem Lächeln zu. „Und was ist daraus geworden? Seit ich als ‚Mann der Ersten Stunde‘ den Vertrag unterschrieb, habe ich praktisch aufgehört, Golf zu spielen. Dafür habe ich immer neue Aufgaben, immer neue Herausforderungen gefunden. Und ich bin glücklich. Meine Träume sind wahr geworden.“ Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Binowo Park Golf Clubs.

Und noch ein Reisetip speziell für Berliner

Rund 50 Kilometer südlich von Binowo und gut 20 Kilometer westlich von Modry Las liegt die Kleinstadt Barlinek (14.000 Einwohner). In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts reisten die Berliner massenweise in den weithin bekannten Kurort in der Neumark, dessen Stadtwappen bis heute der brandenburgische Rote Adler ziert. An Sommer-Wochenenden fuhren bisweilen sogar mit Ausflüglern vollbesetzte Sonderzüge der Deutschen Reichsbahn in das bei den Hauptstädtern überaus beliebte Städtchen, das damals freilich noch nicht Barlinek hieß. Die brandenburgischen Markgrafen hatten es im Jahr 1278 mit dem Namen „Neu Berlyn“ gegründet und im 14./15. Jahrhundert zum Schutz gegen die nördlichen Konkurrenten, die pommerschen Herzöge, mit einer Stadtmauer umgeben, die zum Teil bis heute existiert. Irgendwann später erhielt Neu-Berlin – die Hundertjährigen unter uns werden sich erinnern – den verniedlichenden Namen „Berlinchen“.

Lohnt einen Ausflug: Der Kurort Barlinek, das frühere Neu-Berlin beziehungsweise Berlinchen. Foto: Wolfgang Weber

Am Ufer des idyllischen Berlinchener Sees (auf polnisch: Jezioro Barlineckie) gelegen, ist die einstige „Perle der Neumark“ immer noch ein anziehender und anheimelnder Touristenort mit zahlreichen erhaltenen historischen Gebäuden, wie der alles überragenden gotischen Marienkirche gleich neben dem sehr schönen, mit Bäumen eingefassten Marktplatz. Berühmtester Sohn der Stadt war der 1868 in Berlinchen geborene Schachspieler, Mathematiker und Philosoph Emanuel Lasker, der 27 Jahre lang – von 1894 bis 1921 – ununterbrochen Schachweltmeister war. Unter Wanderfreunden ist Barlinek bekannt als „Europäische Hauptstadt des Nordic Walking“. In der bezaubernden Wald- und Seenlandschaft der unmittelbaren Umgebung locken 54 Kilometer markierte Wanderwege mit drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Die besten „Wanderwege“ der Region heißen freilich Modry Las und Binowo Park…

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