Paul Archbold: Der Spielertrainer

Paul Archbold: Der Spielertrainer
Seddins Director of Golf Paul Archbold. Foto: Mike Wolff

Eine Verletzung hindert Seddins Director of Golf Paul Archbold an der Titelverteidigung bei der diesjährigen PGA Teachers Championchip in WINSTONgolf. „Altwerden ist nichts für Weicheier“, sagt der gebürtige Australier, der für Golf immer noch brennt wie in Kindertagen. Ein Porträt.

„Ich habe heute beim Golfspielen dieselbe Leidenschaft wie mit elf Jahren und ich empfinde es als großes Glück, etwas gefunden zu haben, das mein Leben so erfüllt“, sagt der 52-Jährige. Als Kind habe er in Perth fast jede Minute seiner Freizeit auf dem Golfplatz verbracht, der praktischerweise gleich gegenüber von seinem Elternhaus lag. „Australier sind sportverrückt“, erklärt Archbold. Viele verschiedene Sportarten habe er ausprobiert, sich neben Golf ins Wellenreiten verliebt. „Aber man muss für Golf brennen, um Erfolg zu haben“, ist Archbold überzeugt. Und als hätte er das damals schon genau gewusst, entschied er sich mit zwölf Jahren dazu, alles auf die Karte Golf zu setzen. „Das habe ich bis heute nicht bereut.“

Archbold gelang im vergangenen Jahr das Kunststück, neben der deutschen PGA Teachers Championship der Senioren auch noch den Wettbewerb in der offenen Altersklasse zu gewinnen. Bei der Senior Open Championship im traditionsreichen Royal Lytham & St Annes Golf Club wurde Archbold im vergangenen Jahr geteilter 46. – schlaggleich mit Ryder-Cup-Captain Paul McGinley. In diesem Jahr macht dem Director of Golf des Golf- und Country Club Seddiner See allerdings eine Schulterverletzung eine dritte Teilnahme in Folge an der Senior Open unmöglich. Auch die Titelverteidigung bei der deutschen Golflehrermeisterschaft, die vom 6. bis 8. Oktober in WINSTONgolf bei Schwerin stattfindet, muss ausfallen.

„Ich unterrichte genauso leidenschaftlich wie ich selbst Golf spiele“, sagt Paul Archbold. Foto: Mike Wolff

Archbolds wird sich zurückkämpfen; drei bis sechs Fitnesseinheiten pro Woche sind für ihn als „Spielertrainer“ Normalität. Zu verlockend waren die Erfahrungen in St Andrews und Lytham St Annes in den vergangenen zwei Jahren. „Am Abend vor der Senior Open auf dem Old Course war ich unheimlich aufgeregt“, erinnert sich Archbold. Ein Freund aus Australien habe ihm geschrieben, er sei zu alt, um nervös zu sein. Für Beruhigung lange schon zuverlässig Caddie Andreas Steinig, der seinen Golflehrer zu den wichtigen Wettbewerben begleitet. „Andy war 2018 mitten im Aufstieg auf den Mont Blanc, als er erfahren hat, dass ich in St Andrews spielen darf“, schildert Archbold. Ein Dienstagmorgen sei das gewesen. Am selben Dienstag, um Mitternacht sei Steinig in St Andrews eingetroffen. Sie erreichten bei ihrer ersten gemeinsamen Senior Open den 32. Platz – vor Spielern wie John Daly und Sandy Lyle.

Seniorentour ist kein Thema mehr

Die Verlockung, auf der Staysure Tour, Europas Seniorentour, zu spielen, hat der dreifache Vater Archbold inzwischen beiseite geschoben. „Meine Familie bedeutet mir unheimlich viel, und ich unterrichte genauso leidenschaftlich wie ich selbst Golf spiele“, betont er. Als Tourspieler bliebe ihm für beides deutlich weniger Zeit. In der Corona-Krise, als die Schulen geschlossen waren, habe er es regelrecht genossen, seine Söhne zu unterrichten.

Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet Paul Archbold im Golf- und Country Club Seddiner See. Foto: Mike Wolff

Tour-Erfahrung hat Archbold in seinem Leben durchaus gesammelt. „Ich habe in Australien acht Jahre lang auf den Durchbruch gehofft, aber es hat nicht sollen sein“, erzählt er. Nach einer Reihe von Turnieren, bei denen er jeweils gut abgeschnitten und dennoch unterm Strich draufgezahlt habe, fasste er schließlich den Entschluss, etwas anderes zu machen und folgte einem Freund nach Deutschland. Über seine erste Station in Castrop-Rauxel kam er als Golflehrer letztlich in die Hauptstadtregion, nach Mahlow, Gatow, Tremmen und Stolper Heide. Als Stolpes heutiger Akademieleiter und Co-Bundestrainer Gregor Tilch selbst noch auf der Tour spielte, habe er ihn eine Zeit lang trainiert, berichtet Archbold. Seit zehn Jahren arbeitet er nun am Seddiner See und hat vor knapp zwei Jahren mit seinen Kollegen Peter Owens und Joel Goodson (Berliner Golf Club Gatow) die Indoor-Golflounge Pro Golf Berlin eröffnet.

Comeback für einen unerfüllten Traum

1000 Bälle, 500 Chips und 36 Löcher – das tägliche Pensum von einst spult Paul Archbold heute nicht mehr ab. Er liebe es, sagt er, sich an freien Tagen eine Teetime zu buchen oder morgens vor der ersten Unterrichtsstunde neun Löcher zu spielen. Wenn seine Verletzung ausgeheilt ist, wird das wieder möglich sein. Dann wird Archbold wieder angreifen. Denn einen Traum hat er sich noch nicht erfüllt: eine Teilnahme an der US Senior Open.

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