Putter: Der wichtigste Golfschläger im Bag

Putter: Der wichtigste Golfschläger im Bag
Die Auswahl an Puttern ist heute riesengroß: Klassisch, Mallet-Putter, verschiedene Inserts, Griffstärken und Schaftlängen. Foto: Hohmann Golf

Der Putter kommt häufiger als alle anderen Golfschläger zum Einsatz und hat damit einen enormen Einfluss auf den Score. Vielleicht stehen sich deshalb bei der Auswahl Emotion und Vernunft so unversöhnlich gegenüber.

Nüchtern betrachtet ist er der einfachste Golfschlag: der kurze Putt. Doch ein Meter oder anderthalb vor dem Loch ist die Erwartung größer, konkreter als aus allen anderen Lagen. Der Ball muss rein. Das macht die Sache kompliziert. „Die mentale Komponente ist beim Putten viel relevanter als bei Schlägen mit dem Eisen oder dem Driver“, sagt Materialfachmann Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg.

Mallet-Putter Scotty Cameron Phantom. Foto: Hohmann Golf

In schwierigen Situationen vertraue jeder am liebsten auf Bewährtes. „Im Zweifelsfall ist das auch mal ein steinaltes Puttermodell, mit dem man vor 15 Jahren den ersten Birdieputt gelocht hat“, sagt Hohmann. Zwar habe sich seitdem viel getan; die Putter seien deutlich fehlerverzeihender und damit objektiv besser geworden. Doch rund ums Loch, wo Emotionen regieren, hat es die Vernunft schwer. „Viele Golferinnen und Golfer, die auf die neuesten Driver vertrauen, klammern den Fortschritt beim Putter aus“, sagt der Fitting-Experte.

Dabei steht fest: Putten ist dank technischer Weiterentwicklung deutlich einfacher geworden. Bei den sogenannten Malletputtern befindet sich das Gewicht im Schlägerkopf möglichst weit hinter der Schlagfläche, deren Inserts heute jeden knüppelharten Distance-Ball wie einen butterweichen Tourball erscheinen lassen. Sie bringen mehr Gefühl ins Spiel. Lange Linien auf den Schlägerköpfen erleichtern das Ausrichten, dickere Griffe verringern kleine Fehlbewegungen im Schwung und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit.

Malletputter liefern mehr Treffer

„Der Sweetspot der guten Malletputter ist größer als bei den klassischen, schlanken Puttermodellen, die gerne Bladeputter genannt werden, obwohl sie mit einem Blade nichts zu tun haben“, betont Denis Hohmann. „Wenn man einen Malletputter und einen klassischen Putter in eine Maschine einspannt, die auch kleine Fehler einstreut, dann wird der Malletputter sicher mehr Treffer liefern.“ Soweit die Theorie.

Klassische Putterform von Hersteller Odyssey. Foto: Hohmann Golf

Wer sich über Jahre an einen klassischen Putter gewöhnt habe, ist Hohmanns Beobachtung, den stört mitunter schon der Anblick eines Malletputters. Tiger Woods, nachweislich einer der geschicktesten Putter der Welt, experimentierte eine Weile mit dem Malletputter „Method“ von seinem Ausrüster Nike – kehrte aber schnell zurück zu seinem siegerprobten, klassischen Scotty Cameron. „Manchmal muss man erst wechseln, um den Wert des Bisherigen zu erkennen, oder um sicherzustellen, dass etwas anderes nicht besser funktioniert“, findet Hohmann, der selbst auf einen Scotty Cameron Newport setzt. „Der ist nicht wegzudenken aus meiner Ausrüstung.“

Taylor Made hat mit seinem Modell Spider Tourspielern wie dem ehemaligen Weltranglistenersten Jason Day den Kopf verdreht – und mit ihm vielen Amateuren. Zu den großen drei Puttermarken zählen allerdings neben Scotty Cameron noch PING und Odyssey. „Reine Putterhersteller wie Scotty Cameron und Odyssey wirken natürlich besonders authentisch und vertrauenserweckend“, sagt Denis Hohmann.

Emotionales Missverhältnis zwischen Driver und Putter

Materialexperte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Foto: Mike Wolff

Auf die beiden deutschen Marken Kramski und Caledonia, die ebenfalls auf Putter spezialisiert sind, entfalle dennoch nur einer kleiner Teil der Nachfrage. Im Fall von Caledonia aus dem Norden Baden-Württembergs, auf die zum Beispiel der Berliner Tourspieler Philipp Mejow setzt, sieht Hohmann den Grund bei den hohen Preisen. „Die Putter sind extrem hochwertig, aber Kunden geben lieber 600 Euro für einen Driver aus, während ihnen schon 200 Euro für einen Putter wie ein Schweinegeld vorkommen.“ Ein emotionales Missverhältnis, da der Driver pro Runde höchstens 14 Mal zum Einsatz kommt, der Putter im Schnitt aber 36 Mal – Tendenz öfter.

Wer das passende Modell für sich gefunden hat, lässt es idealerweise auf sich anpassen. „Wir übernehmen das Fitting von Schaftlänge, Griff, Gewichten und Liewinkel in unserer hauseigenen Werkstatt“, sagt Denis Hohmann. Dann stehen die Chancen gut, den Stresstest einen Meter vor dem Loch zu bestehen.

Zur Person: Denis Hohmann (38) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:
Schlägerköpfe: Gegossen oder geschmiedet?
Entfernungsmesser: Golflaser und Golf-GPS im Pro und Contra
Auf der Runde: Tragen, Ziehen oder Schieben?
Hybrids: Die Mär von der Allzweckwaffe
Gradwanderung: Die passenden Wedges
Stahl oder Graphit? Was beim Schaft zählt
Wie finde ich den richtigen Golfball?
Clubfitting ist keine Frage des Handicaps