„Ich habe geträumt, selbst für Europa zu spielen“

„Ich habe geträumt, selbst für Europa zu spielen“
Europas Team für den Ryder Cup 2018: Henrik Stenson, Tommy Fleetwood, Paul Casey, Tyrell Hatton, Thorbjorn Olesen, Francesco Molinari, Alex Noren und Justin Rose (hintere Reihe von links) sowie Jon Rahm, Rory McIlroy, Kapitän Thomas Bjørn, Sergio Garcia und Ian Poulter (vorder Reihe von links). Foto: Eric Feferberg/AFP

Kann Europa den Ryder Cup in Paris zurückerobern? Wie stark sind die Teams der Kapitäne Thomas Bjørn und Jim Furyk? Einschätzungen von Golflehrern aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die auf den am Freitag startetenden Kontinentalvergleich mit den USA hinfiebern.

Gregor Tilch (39) leitet die Golfakademie im Berliner Golfclub Stolper Heide und trainiert mehrere deutsche Nationalspieler. 2012 wurde er von der PGA of Germany zum Jugendtrainer des Jahres gewählt.

Herr Tilch, wie schätzen Sie das Kräfteverhältnis zwischen den Teams aus Europa und den USA bei diesem Ryder Cup ein?

Gregor Tilch vom Berliner Golf Club Stolper Heide
Gregor Tilch vom Berliner Golf Club Stolper Heide. Foto: Mike Wolff

Gregor Tilch: Ich denke, dass die amerikanische Mannschaft minimal stärker aufgestellt ist als die europäische. Was die Leistungsträger angeht, sehe ich beide Teams noch auf Augenhöhe: Justin Rose, John Rahm und Rory McIlroy sind nicht schlechter als Dustin Johnson, Jordan Spieth oder Justin Thomas. Aber weiter hinten im Kader haben die Amerikaner einen Tick mehr Qualität. Außerdem fürchte ich, dass Europa in Paris keinen wirklichen Heimvorteil haben wird. Erstens gibt es keinen Franzosen im Team, und zweitens kommt die neu entfachte Tigermania den USA zugute. Viele Fans, auch Europäer, werden in Paris für Tiger Woods jubeln. Ich tippe auf ein Unentschieden, was bedeuten würde, dass die Amerikaner den Ryder Cup behalten.

Welche Spieler könnten diesmal die Schlüsselfiguren des Ryder Cups werden?

Bei den Amerikanern halte ich Brooks Koepka für einen Schlüsselspieler. Er zeigt keinerlei Nerven, ist über den Umweg der Challenge Tour und der European Tour auf der US-PGA-Tour gelandet und ist deshalb auch Linksplätze wie Le Golf National in Paris gewohnt. Wenn er im Vierer mit Dustin Johnson spielt, würde mich das nicht überraschen. Bei den Europäern wird Justin Rose sehr wichtig sein. Als Olympiasieger, Gewinner des FedEx-Cups, Nummer eins der Welt und erfahrener Ryder-Cup-Spieler kann er zu etwas Großem auflaufen. Aber auch Francesco Molinari halte ich für sehr wertvoll.

Wie hätten Ihre vier Captain’s Picks für das europäische Team ausgesehen?

Angesichts von fünf Neulingen hat Europas Kapitän Thomas Bjørn mit seinen Picks eindeutig Erfahrung in das Team bringen wollen. Ich bin mit der Auswahl zufrieden. Ian Poulter und Sergio Garcia leben förmlich für den Ryder Cup. Auch bei Henrik Stenson und Paul Casey weiß man, was man erwarten kann. Rafael Cabrera-Bello und Thomas Pieters waren sicher ganz nah dran.

Wem drücken Sie die Daumen?

Europa, ganz klar.

Ihre schönste Erinnerung an den Ryder Cup?

Die Aufholjagd von Medinah 2012, die Martin Kaymer mit seinem letzten Putt besiegelt hat. Aber auch Valderrama 1997 habe ich in guter Erinnerung, wo Bernhard Langer mit seinem Sieg im Einzel den Ryder Cup für Europa gesichert hat.

„Als Langer die Amerikaner versohlt hat“

Sven Stürmer vom GCC Fleesensee. Foto: PROMO

Sven Strüver (51) ist dreifacher Sieger auf der European Tour und inzwischen Leiter der Golfschule im Golf und Country Club Fleesensee.

Kräfteverhältnis

Sven Strüver: Beide Teams sind in etwa gleichstark. Wenn überhaupt, dann haben die USA einen Hauch die Nase vorn.

Schlüsselspieler

Bei den USA Patrick Reed und Tiger Woods. Reed bauscht sich in Teamevent immer sehr auf und wird sicher wieder gut spielen. Tiger Woods hat beim Ryder Cup noch nicht den Punkteschnitt, den man von ihm erwarten würde. Für Europa sind es Sergio Garcia und Ian Poulter.

Captain’s Picks

Die hätte ich genauso gemacht.

Bevorzugtes Team

Ich wünsche Europa den Sieg.

Schönste Erinnerung

Als Kapitän Bernhard Langer mit seinem Team die Amerikaner 2004 in Oakland Hills mit 18,5 zu 9,5 versohlt hat. Und natürlich das Comeback von Medinah 2012.

„Die USA sind klarer Favorit“

Joel Goodson Gatow Golf
Joel „Billy“ Goodson vom Berliner Golf Club Gatow. Foto: Mike Wolff

Joel Goodson betreibt bereits seit 20 Jahren die Golf Academy im Berliner Golf Club Gatow und trainiert die Bundesliga-Damen. Zuvor war der gebürtige Engländer als Tourspieler aktiv.

Kräfteverhältnis

Joel Goodson: Obwohl die Europäer einen Heimvorteil haben, sind die USA für mich klarer Favorit. Ich gehe aber davon aus, dass es am Ende sehr knapp ausgehen wird.

Schlüsselspieler

Bei den Amerikanern sind die junger Spieler mittlerweile die Leistungsträger. Aber mit einem Tiger Woods in Topform haben sie eine Führungsfigur der Extraklasse.

Captain’s Picks

Mit Paul Casey und Ian Poulter bin ich einverstanden. Statt Garcia und Stenson hätte ich aber Rafael Cabrera-Bello und Matt Wallace gewählt.

Bevorzugtes Team

Europa natürlich.

Schönste Erinnerung

Als Sam Torrance in 1985 in The Belfry sein Eisen 2 bis auf sechs Meter an die Fahne geschlagen hat und nach vielen Jahren den Ryder Cup wieder nach Europa geholt hat.

„Europa hat mehr Herz und gewinnt“

Paul Archbold vom GCC Seddiner See. Foto: PROMO

Paul Archbold leitet die Golfschule im Golf- und Country Club Seddiner See. Bei der British Senior Open erreichte Archbold in diesem Jahr den 32. Platz.

Kräfteverhältnis

Paul Archbold: Die USA sind wie so oft der Favorit. Und für Europa ist es sicher kein Vorteil, dass fünf Spieler zum ersten Mal beim Ryder Cup dabei sind. Trotzdem tippe ich auf einen Sieg Europas, weil die Mannschaft mehr Herz hat.

Schlüsselspieler

Eindeutig Justin Rose, der sich seit mehr als einem Jahr in absoluter Topform befindet.

Captain’s Picks

Das einzige Fragezeichen ist für mich Sergio Garcia, weil er seit seinem Sieg beim Masters nicht mehr zu seiner Form findet. Mit den anderen Picks von Thomas Bjørn bin ich sehr zufrieden.

Bevorzugtes Team

Keine Frage, Europa. Auch wenn ich in Australien aufgewachsen bin. Denn ich bin in England geboren und habe einen britischen Pass. Zu meiner besten Zeit als Spieler habe ich davon geträumt, selbst für Europa im Ryder Cup antreten zu dürfen.

Schönste Erinnerung

Was sich 2012 in Medinah am Finaltag in den Einzeln auf den letzten neun Löchern abgespielt hat, gehört zu den spektakulärsten Comebacks der Sportgeschichte.

„Klasse für den Zusammenhalt in Europa“

Head-Professional Robert Wegener vom Berliner Golf & Country Club Motzener See. Foto: BB-Masters

Robert Wegener ist Head-Professional im Berliner Golf & Country Club Motzener See.

Kräfteverhältnis

Robert Wegener: Die USA haben aus meiner Sicht die besseren Einzelspieler leicht favorisiert. Aber für die Europäer spricht der Teamspirit und die Art des Platzes. Die Amerikaner spielen eher selten auf Linksplätzen.

Schlüsselspieler

Die gibt es aus meiner Sicht nicht – eher Schlüsselspiele. Das sind für mich vor allem die Vierer. Natürlich sind die Erfahrung und die gute Form von Tiger Woods ein Vorteil für die USA.

Captain’s Picks

Ich hätte aus Formgründen statt Sergio Garcia eher seinen Landsmann Rafael Cabrera-Bello mitgenommen. Aber Garcia kann die Massen mitziehen, ist ein emotionaler Spieler und ultraerfahren. Ansonsten finde ich die Picks gut, weil sie die notwendige Erfahrung ins Team holen.

Bevorzugtes Team

Ich bin ganz klar für Europa. In der aktuellen politischen Situation setzt dieses klasse Event ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt.

Schönste Erinnerung

Der Putt von Martin Kaymer zum Sieg 2012 in Medinah. Ich bin wirklich ein großer Fan dieses emotionalen Events.