Zita Arndt: „Drei Schläge in die Magengrube“

Zita Arndt: „Drei Schläge in die Magengrube“
Zita Arndt war mit dem Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee Deutscher Mannschaftsmeister 2015. Foto: DGV

Wannsees Zita Arndt hatte sich für ihre letzte DGL-Saison viel vorgenommen. Nun darf sie als Pro nicht beim Mannschaftspokal des Deutschen Golf Verbandes – dem Final-Four-Ersatz – mitspielen. Ein Interview mit der 21-Jährigen über ihre Liebe zur DGL und ihr Leid über den kalten Entzug.

Frau Arndt, Sie hatten schon nach dem Final Four 2019 wehmütig auf 2020 geblickt, weil Sie wussten: Das wird Ihre letzte Saison in der Deutschen Golf Liga. Nun wurde die DGL-Saison wegen der Corona-Pandemie abgesagt und statt des Final Fours ein Mannschaftspokal für alle Erstligisten vom 9. bis 11. Oktober in Hardenberg anberaumt. Aber Pros sind – anders als in der DGL – dort nicht zugelassen. Wie groß ist Ihre Enttäuschung?

Zita Arndt: Für mich waren diese Nachrichten wie drei aufeinander folgende Schläge in die Magengrube. Wir haben das Final Four im vergangenen Jahr mit dem Team Wannsee als Vierte beendet, sprich, mit der goldenen Ananas. Danach habe ich geweint. Nicht aus Frust oder Enttäuschung über das Ergebnis, sondern weil ich wusste, dass ich nur noch eine einzige DGL-Saison vor mir habe. Denn als fertig ausgebildete Golflehrerin darf ich nach den jetzigen Statuten nicht mehr starten. Ich hatte mir also sehr viel vorgenommen für dieses Jahr. Dass beim Final-Four-Ersatz nun nicht einmal Pros in Ausbildung dabei sein dürfen, habe ich noch gar nicht richtig verarbeiten können. Zum Glück hatte ich noch nicht meine sentimentale Phase. Wer weiß, wie viel mir dieser Wettbewerb bedeutet, weiß, wie bitter das für mich ist.

„DGL ist wie Weihnachten“

Warum hängen Sie so sehr an der DGL?

Arndt: Für mich ist die DGL wie Weihnachten. Es ist wie ein großes Familientreffen, man verbringt eine schöne Zeit miteinander und manchmal gibt es Geschenke. Das Final Four war für mich immer ein Wochenende voller Emotionen. Ich bin eine absolute Teamspielerin und unendlich dankbar für die sechs Saisons, die ich in der DGL spielen durfte.

Welche ist Ihre schönste Erinnerung?

Arndt: Da gibt es gleich drei. 2015 sind wir Deutscher Meister geworden, haben uns aber erst am letzten Spieltag überhaupt für das Final Four qualifiziert. Anastasia Mickan und ich mussten dafür auf der 18 unbedingt Par spielen. Der Ball lag acht Meter vom Loch entfernt zum Birdie. Unser Trainer Mario Hansch wollte mir einen Rat geben, wahrscheinlich die sichere Variante. Ich habe ihm geantwortet: Mario, den mache ich direkt rein. Und so war es. Im Halbfinale des Final Four kam es dann wieder auf einen Putt an. Im Duell mit St. Leon-Rot musste ich aus 2,5 Metern lochen, während meine Gegnerin nur noch zwei Meter bis zum Loch hatte. Ich habe den Ball versenkt, sie den Putt verschoben. Nach einem kurzen Moment der Stille und des Respekts vor dem Gegner hatte ich taube Ohren, so laut haben meine Mitspielerinnen geschrien vor Freude.

Absolute Team-Spielerin: Zita Arndt (ganz rechts) und das Damen-Team des Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee beim Final Four 2018. Foto: Arne Bensiek

Und Nummer drei?

Arndt: Das war im vergangenen Jahr, ebenfalls im Halbfinale, als wir gegen den Frankfurter Golf Club antreten mussten. Ich schätze mich als eher locker ein, aber so nervös wie auf den letzten beiden Löchern im Match gegen Katharina Keilich war ich noch nie. Da ich meine Ausbildung zur Golflehrerin im Frankfurter Golf Club mache, bin ich zu dem Zeitpunkt gewissermaßen die Co-Trainerin des Frankfurter Teams gewesen. Für meinen Club Wannsee zu spielen, gegen meinen Arbeitgeber, unter den Augen des Frankfurter Vorstandes, war für mich hochemotional. Ich kann das gar nicht in Worte fassen. Das Match konnte ich teilen, aber Frankfurt hat uns besiegt.

Im Oktober sind Sie mit Ihrer Ausbildung fertig. Was machen Sie dann?

Arndt: Genau weiß ich das noch nicht. Aber ich werde in meine Heimat Berlin zurückkehren. Ich bin Berlinerin durch und durch. Ich frage mich, ob ich mit meinen 21 Jahren jetzt schon da bin, wo ich hin will, oder ob ich nicht doch noch etwas anderes machen soll.

„Von mir aus jedes Wochenende DGL“

Was sind Sie für eine Golflehrerin?

Arndt: Ich glaube, ich kann gut motivieren, und ich kann gut auf den individuellen Charakter meiner Schüler eingehen. Einen Mathematiker unterrichtet man eben ganz anders als einen Ausdruckstänzer. Ich würde es fast schon als Freundschaft bezeichnen, was ich in der Arbeit zu meinen Schülerinnen und Schülern aufbaue. Ganz besonders hat es mir die Arbeit mit den Bambinis und den Kindern angetan. Dabei kann ich das einsetzen, was ich selbst ab dem Alter von drei Jahren in Wannsee erfahren habe.

In welchen Wettbewerben wird man Sie zukünftig sehen?

Arndt: Ich hoffe insgeheim, dass die DGL ihre Statuten vielleicht doch noch ändert und in Zukunft neben den Tourpros auch ausgebildete Golflehrer zulässt. Ann-Kathrin Lindner aus St. Leon-Rot macht sich dafür stark, Martin Keskari aus dem Frankfurter Golf Club würde sicher auch gerne weiter DGL spielen. Das würde die Attraktivität der Liga sicher noch einmal erhöhen.

Wie würden Sie die DGL sonst noch ändern, wenn Sie könnten?

Arndt: (lacht) Mehr Spieltage. Von mir aus könnten wir jedes Wochenende spielen.

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