Brandenburger Hightech erobert die Golfwelt

Brandenburger Hightech erobert die Golfwelt
Michael Lins, Master-Professional in Prenden, schwört auf das neueste Videoanalyse-System von Scope Systems aus Wildau. Die hohe Bildqualität hält er für “einzigartig auf der Welt”. Foto: Wolfgang Weber

Videoanalyse-Systeme sind aus dem professionellen Golftraining nicht wegzudenken. Eine der führenden Firmen in diesem Bereich ist im Berliner Speckgürtel zuhause: Scope Systems aus Wildau. Deren neuestes Modell ist seit kurzem in der Golfschule von Michael Lins in Prenden im Einsatz.

Eigentlich ist Michael Lins ein sehr nüchterner Analytiker und cooler Golflehrer. Doch wenn der Master-Professional der PGA of Germany in seiner Golfschule im Golfclub Prenden seine neueste Errungenschaft vorstellt, kommt er schnell ins Schwärmen: „Die Auflösung ist einfach der Wahnsinn“, sagt er. „Früher konnte man auf den Videobildern kaum den Golfball erkennen, jetzt sieht man das Logo darauf und praktisch jedes Dimple – das Ganze in HD-Qualität und in Farbe.“

Golftraining mit dem neuesten Scope-System „Scout Analyzer Dual Cam HD“, betont Michael Lins, sei „10- bis 20-mal effektiver als ohne: Ich kann dem Schüler das Video quasi in Echtzeit präsentieren, in Slow-Motion oder als Standbild. Der Schüler sieht sofort seine Fehler. Und auch ich als Golflehrer sehe in Sekundenschnelle Dinge, für die ich auf der Range eine Viertelstunde und viele Schwünge des Schülers bräuchte, um sie zu erkennen.“ Nach wenigen Wochen, in denen Michael Lins als erster Golf-Pro in Berlin-Brandenburg die neueste Version des Scope-Videoanalyse-Systems bei der Arbeit mit seinen Golfschülern nutzt, ist er sich sicher: „Hiermit kann ich einem Anfänger, der noch nie einen Golfschläger in der Hand hatte, das Golfspiel in acht Stunden so beibringen, dass er sofort die Platzreife machen kann.“

Schneller zur Platzreife, raschere Lernerfolge als je zuvor: Diplom-Golflehrer Michael Lins verwendet beim Unterricht in seiner Golfschule in Prenden als Erster in Berlin-Brandenburg das neueste Scope-System. Foto: Wolfgang Weber

Um das hochgelobte Produkt, das der Diplomsportwissenschaftler und Diplom-Golflehrer für „auf der Welt einzigartig“ hält, beim Hersteller original anzuschauen und auf Herz und Nieren zu testen, musste der Prendener Pro weder nach Großbritannien noch nach Skandinavien oder gar in die USA reisen, wo diverse Konkurrenz-Systeme ihren Ursprung haben. Die von vielen der bekanntesten und sportlich erfolgreichsten deutschen Golfclubs  favorisierten professionellen Videoanalyse-Systeme für die Sportindustrie sind nicht nur „Made in Germany“, sondern „Made in Brandenburg“.

Scope Systems hat sich einen exzellenten Ruf erarbeitet

Wildau bei Königs Wusterhausen, wenige Kilometer vom Autobahnkreuz Schönefeld und vom künftigen Hauptstadtflughafen BER entfernt. In der Freiheitstraße, gleich neben dem hypermodernen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, erstrecken sich mehrere aufwendig renovierte alte Fabrikgebäude aus der Gründerzeit. Wo einst die Firma Maffei-Schwartzkopff-Werke GmbH (MSW) ab 1910 elektrische Lokomotiven und ab 1924 Diesellokomotiven produzierte, beherbergt heute das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Wildau die Büros, Werkstätten und Laboratorien von knapp drei Dutzend Startup-Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

Früher wurden hier Lokomotiven gebaut, heute unter andere professionelle Videoanalyse-Systeme für Leichtathleten und Golfer – Olav Splanemann, Inhaber der Scope Systems GmbH, vor dem TGZ in Wildau bei Königs Wusterhausen. Foto: Wolfgang Weber

In einem der über vier Meter hohen Räume werden von einer Abschlagmatte aus immer wieder Golfbälle in ein grünes Fangnetz geschlagen, aufgezeichnet von diversen modernsten Hightech-Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln und innerhalb von anderthalb Sekunden wiedergegeben auf mehreren hochauflösenden, großen Flatscreen-Monitoren. Die exzellent ausgeleuchtete Indoor-Driving-Range ist der Präsentationsraum der Firma Scope Systems GmbH, die sich in den letzten Jahren in mehreren Sportdisziplinen im In- und Ausland einen exzellenten Ruf und bemerkenswerte Marktanteile erarbeitet hat.

„Unser größter Partner im Leichtathletik-Bereich ist Bayer Leverkusen“, verrät Firmenchef Olav Splanemann. Insbesondere die Stabhochspringer möchten das Videoanalyse-System aus Wildau nicht mehr missen; fünf Kameras – eine davon senkrecht über der Sprungmatte an der Hallendecke montiert – filmen die komplizierten Bewegungsabläufe bei jedem Trainingssprung aus unterschiedlichen Perspektiven. Angedacht, sagt Splanemann, sei der Einsatz auch bei anderen Disziplinen wie Hochsprung und Weitsprung.

„Bundesliga-Spitzenclubs sind unsere Kunden“

Das Haupteinsatzgebiet der Hightech-Systeme aus Wildau jedoch ist und bleibt der Golfsport. Gern erinnert sich der Unternehmer an einen Bundesliga-Spieltag in Wannsee, bei dem die einheimischen Cracks sich mit den besten Golfern aus Hubbelrath, Frankfurt, Hösel und vom Marienburger GC maßen – „alle diese Spitzenclubs sind unsere Kunden; viele Golfschulen, aber auch selbständige Professionals, nutzen mehrere Systeme parallel.“ Insgesamt, schätzt Splanemann, „haben wir bisher 400 bis 450 Systeme im deutschen Markt“.

Olav Splanemann von Scope Systems. Foto: Wolfgang Weber

Seit 2016 ist Olav Splanemann Inhaber der Firma Scope Systems GmbH, die er zuvor ein Jahr lang als freier Vertriebler repräsentierte. Der gebürtige Tempelhofer ist eigentlich Ingenieur für Nachrichtentechnik und Mobilfunk-Fachmann, arbeitete früher in Frankfurt und Düsseldorf. Während seiner Zeit am Rhein kam er mit dem Golfsport in Berührung, machte 2008 in Hummelbachsaue bei Neuss seine Platzreife, lernte diverse Firmen aus der Golfszene kennen, wie den Reiseveranstalter Time4Golf, die später Kooperationspartner von Scope Systems wurden.

Auch immer mehr Kunden im europäischen Ausland, beispielsweise der Schweiz, Österreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei, begeistern sich für die Scope Videoanalyse-Systeme aus Wildau. Dabei hilft, dass die Brandenburger Firma auch Online-Schulungen und Fernwartungen anbietet. Olav Splanemann: „Letztes Jahr trat bei einem auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa 2 genutzten Scope System ein Problem auf; da konnten wir im Handumdrehen per Fernwartung helfen, ebenso bei einem Kunden in Südkorea.“

Corona-Einbußen weitgehend kompensiert

Wer allerdings nicht um die halbe Welt reisen muss, sollte sich die technischen Wunderwerke lieber vor Ort anschauen. Der Wildauer Unternehmer: „Unsere Bitte an unsere Kunden: Kommt zu uns in den Demo-Raum, macht Probeschwünge, schlagt Bälle ins Netz, schaut Euch alle Systeme an, ob portabel oder fest installiert.“ Die portablen Systeme sind insbesondere bei Golf-Professionals beliebt, die in mehreren Golfclubs unterrichten.

Gestochen scharf, in HD und in Farbe: Die professionellen Videoanalyse-Systeme halten den Golfschwung aus unterschiedlichen Perspektiven fest. Fehler werden so in Sekundenschnelle erkannt. Foto: Wolfgang Weber

Neue Geschäftskontakte in mehreren Ländern ergaben sich für Splanemann im Januar beim Besuch der Golfmesse in Orlando. Ein Corona-bedingter geschäftlicher Einbruch im April und Mai, sagt er, konnte durch neue Aufträge in den Sommermonaten weitgehend kompensiert werden. „Wir versuchen, unsere Software noch besser zu machen, wollen noch mehr Features anbieten.“ So wird zunehmend im Golfbereich auch mit Druckmessplatten gearbeitet, die minutiös die Gewichtsverlagerung während des Schwungs messen.

„Mit all diesen technischen Hilfen“, betont Olav Splanemann, „hat der Golf-Professional die Möglichkeit, seine Kunden wesentlich schneller glücklich zu machen – sie kommen schneller zur Platzreife, haben einen sehr viel rascheren Lernerfolg“. Genau darauf kommt es auch für Golflehrer Michael Lins in Prenden an, der sein state-of-the-art-Videoanalyse-System nicht mehr missen möchte. „Früher“, sagt er schmunzelnd, „musste ich mit dem einen oder anderen Schüler minutenlang diskutieren, weil er seine Fehler nicht einsah. Jetzt gibt‘s solche Diskussionen nicht mehr, denn Videobilder sagen mehr als tausend Worte – insbesondere, wenn sie so gestochen scharf sind.“

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