Platzrekord: Golfclub Mahlow

Platzrekord: Golfclub Mahlow
Vom Ausnahmetalent zum beliebten Golflehrer: Richard Verpeleti (23) mit dem Artikel aus einer ungarischen Golfzeitschrift, die ihn 2004 – nach einem Turniersieg als Siebenjähriger bei Budapest – als „kleinen Tiger Woods“ feierte. Foto: Wolfgang Weber

„Die beste jemals gespielte Runde eines Nicht-Mitglieds im Golfclub Mahlow war 5 über“, sagt „Richi“ Verpeleti. Dass die Neun-Loch-Anlage keine leichte Wiese ist, beweist auch der Platzrekord von 3 unter Par, den der junge Golflehrer Verpeleti höchstpersönlich hält.

Manchmal ist Golf echt ungerecht und einfach nur zum Haareraufen. Und Richard – genannt „Richi“ – Verpeleti kann mehr als nur ein Lied davon singen. Selbst an „die beste Runde meines Lebens“, so der 23-Jährige, erinnert er sich mit gemischten Gefühlen, einem Mix aus Stolz und Groll.

Vor acht Jahren war’s, bei einem Faldo Series-Turnier auf dem schweren und gefürchteten Nick Faldo Course in Bad Saarow. Richi spielte eine sensationelle 68er-Runde, vier unter Par – obwohl auf den zweiten Neun sein Putter den Geist aufgab: „An der 10 und 11 wackelte der Putterkopf plötzlich, auf dem 12. Grün fiel er ab. Die restlichen Löcher habe ich mit der Kante vom Sand-Wedge geputtet, und ich schaffte kein Birdie mehr.“ Welches Ergebnis der damals 15-Jährige ohne diese Materialpanne eingefahren hätte, kann man nur ahnen…

Richi Verpeletis Platzrekord-Scorekarte vom 29. August 2015. Seither hat niemand mehr an dieser Bestmarke „gekratzt“. Foto: Wolfgang Weber

Auch wenn er sich daran erinnert, wie sein Platzrekord auf dem heimischen Golfplatz in Mahlow zustande kam, kann das fröhliche Grinsen des schlanken, rothaarigen jungen Golflehrers eine kleine Portion Sarkasmus nicht übertünchen. Die im Clubhaus unter Glas verewigte Scorekarte stammt vom Clubmeisterschafts-Turnier am 29. August 2015, und sie erzählt von einem kleinen golferischen Drama an der 7.

Ein Ahornbaum sorgt für ein Doppelbogey

Die 7 ist mit 269 Metern die längste und schwierigste Bahn des insgesamt nur 1774 Meter langen 9-Löcher-Kurses, der sich mit einer gerade mal zehn Hektar großen Fläche bescheiden muss, regelrecht eingezwängt zwischen einer Waldsiedlung, der Autobahn-ähnlichen B 96 und der mehrgleisigen, vielbefahrenen Bahnlinie Berlin-Leipzig. Der zweite Schlag kam zu flach, landete in dem Ahorn-Baum, der, mitten auf dem Fairway platziert, das Grün wehrhaft verteidigt, und ward nicht mehr gesehen. Resultat: Doppelbogey. Dank sechs Birdies und einem Eagle reichte es für Richi dennoch zu einer 59er-Runde (3 unter) und einem der inzwischen älteren und langlebigeren Platzrekorde auf den Berlin-Brandenburger Golfanlagen.

Ausnahmetalent: Als Richi Verpeleti mit sieben Jahren ein Golfturnier nahe Budapest gewann, widmete ihm eine ungarische Golfzeitung einen mehrseitigen Artikel mit dem Titel “Der kleine Tiger Woods”. Foto: Wolfgang Weber

Dabei stünde in Mahlow eigentlich sogar eine 58 zu Buche, gespielt ebenfalls von Richi Verpeleti bei einem Vorbereitungsturnier eine Woche vor der offiziellen Bestmarke. Doch diese Runde hatte Richi ganz untypisch mit einem katastrophalen Triple-Bogey begonnen. Sein Zähler notierte statt der 6 einen Strich auf der Scorekarte; trotz einer grandiosen Restrunde mit vielen Birdies und zwei Eagles konnte dieser Platzrekord nicht gewertet werden. „Ich war erst himmelhoch-jauchzend und dann am Boden zerstört“, erinnert sich Richi, der zugleich bekennt: „Ich habe in all den Jahren seither nie mehr am Platzrekord gekratzt.“

5 über Par ist die bisherige Bestmarke von Nicht-Mahlowern

Andere Golfer erst recht nicht. Ein Freund von Richi schaffte es im vergangenen Jahr einmal, eine Runde mit 1 unter zu beenden – ein Ergebnis, von dem Einser-Handicapper anderer Golfclubs, die etwa zu Mannschaftsturnieren nach Mahlow kommen, bislang nur träumen können: „Die beste jemals gespielte Runde eines Nicht-Mitglieds hier in Mahlow war 5 über“, konstatiert Richard Verpeleti, und eine gewisse Genugtuung in der Stimme ist nicht zu überhören. Ihm und den gut 350 Mahlower Clubmitgliedern ist sehr wohl bewusst, dass nicht wenige selbsternannte Longhitter-Halbprofis aus anderen Clubs zuweilen etwas abschätzig auf den kurzen und engen Kurs in Mahlow blicken und gelegentlich infrage stellen, ob das denn „überhaupt ein richtiger Golfplatz“ sei.

Deutsch-ungarisches Family Business: Agnes Verpeleti und Sven Schlegel betreiben den GC Mahlow, der sich seit 14 Jahren im Familienbesitz befindet (hier beim „Agnes & Richi Golfturnier“, ganz in Ungarns Nationalfarben Rot-Weiß-Grün). Sohn Richard ist seit Jahresbeginn Golflehrer. Foto: Wolfgang Weber

Dabei zeigen Mahlower Gastspieler bei Turnieren auf „großen“ Plätzen nicht selten mit vorderen Rängen, dass sie auf dem heimischen Platz präzises Spiel gelernt haben. Woran Richi Verpeleti in jüngster Zeit zunehmend Anteil hat: Der Sohn von Platzbetreiberin Agnes Verpeleti ist nach dreijähriger Ausbildung bei Robert Wegener im Berliner Golf & Country Club Motzener See seit Jahresbeginn Golflehrer im heimischen Familienbetrieb. Richi, der schon als Fünfjähriger in Gross Kienitz von Gregor Tilch als Ausnahmetalent entdeckt und in Mahlow vom Australier David Wilson – Richi: „er war mein Golfvater“ – gefördert wurde, der nach einem großen Turniersieg mit sieben Jahren in Ungarn, der Heimat seiner Mutter, von einer dortigen Golfzeitschrift als „der kleine Tiger Woods“ gefeiert wurde und später für die Bundesliga-Teams von Wannsee und Stolper Heide spielte, ist angekommen.

„Ich wollte eigentlich Internationales Business Management studieren“, berichtet er freimütig, „aber als ich dann mal als Urlaubsvertretung hier das Mannschaftstraining übernahm und spürte, wie begeistert alle waren, da wusste ich: Golflehrer ist der richtige Beruf für mich!“ Golf kann eben manchmal sehr gerecht sein – und ganz und gar nicht zum Haareraufen!

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