Platzrekord: Gross Kienitz‘ Robert Baker Platz

Platzrekord: Gross Kienitz‘ Robert Baker Platz
Saubere Leistung: Acht Birdies und kein Bogey spielte Steffen von Karstadt für seinen neuen Platzrekord auf Gross Kienitz' Robert Baker Platz. Foto: Privat

„Ich hatte das Gefühl, nichts mehr falsch machen zu können“, sagt Steffen von Karstedt über die beste Golfrunde seines Lebens. Mit 64 Schlägen hat der Berliner einen neuen Platzrekord auf dem Robert Baker Platz in Gross Kienitz aufgestellt – dabei hat bei ihm eigentlich Hockey Priorität.

Der 27-Jährige spielt bei den Zehlendorfer Wespen in der Zweiten Bundesliga Feldhockey. „Das ist ein etwas physischerer Sport“, erklärt von Karstedt, warum sein Fokus lange Zeit eher dort lag. „2015 habe ich meine Golfschläger quasi an den Nagel gehängt.“ Nur zwei, drei Mal habe er in den vergangenen fünf Jahren dem Bundesliga-Team des Golf- und Land-Club Berlin Wannsee ausgeholfen, selten trainiert – und doch ein Plushandicap. Weil wegen der Corona-Pandemie bis Juni kein Hockeytraining möglich gewesen sei, habe er zuletzt wieder mehr Golf gespielt.

„Wenn ich Golfschläger in der Hand habe, dann am liebsten auf dem Platz, meist bei Turnieren“, sagt er. Und dass er mit dieser Herangehensweise durchaus Erfolg haben kann, das hat von Karstedt jüngst auf dem Robert Baker Platz der Golfanlagen Gross Kienitz mit einem neuen Platzrekord von 64 Schlägen bewiesen. Damit unterbot er den bisherigen Rekord seines Clubkameraden Timo Gangl um sage und schreibe drei Schläge. Acht Birdies und zehn Pars zieren die „saubere“ Scorekarte, die der Logistik-Berater beim BHP Cup am 20. September ablieferte, einem Turnier der Hockey-Community. Wobei die Front-Nine mit einem einzigen Birdie noch relativ erwartbar abliefen.

Steffen von Karstadt gehört zum Bundesliga-Kader der Wannsee-Herren. Foto: Ariane Fränkle

„Ich bin jemand, der wenig Birdies und wenig Bogeys spielt, viele Pars, eher solide“, sagt von Karstedt. Fünf Birdies in Folge, wie sie ihm von Bahn 11 an gelangen, das habe er zuvor noch nie zustande gebracht. „Ich hatte plötzlich das Gefühl, nichts mehr falsch machen zu können“, erinnert sich der Berliner. Was ihm besonders gut gelungen sei, waren die Schläge zum Grün, mit denen er den Ball in vielen Fällen drei Meter oder sogar noch näher ans Loch heranspielte. „Aus dieser Entfernung ist dann wirklich jeder Putt gefallen“, sagt von Karstedt, der Putten eigentlich nicht zu seinen Stärken zählt. Aber wie es sich an einem solchen Ausnahmetag eben zuträgt, lochte er an Bahn 12 dann sogar einen Putt aus neun Metern Entfernung.

Kein Rekord ohne Glück

Ohne Glück kommen Rekorde im Golf selten aus: „Ich habe nur wenige Fairways getroffen, aber die Bälle lagen meistens ganz gut“, gesteht von Karstedt. „Einmal hat mein Ball einen Baum getroffen, aber glücklicherweise ist er von dort aus wieder auf die Bahn gesprungen.“ Nach 15 Bahnen sei bei ihm Nervosität aufgekommen, denn da sei ihm langsam bewusst geworden, dass dies die beste Golfrunde werden könnte, die er jemals gespielt hat. Und das war bis dato eine 66er-Runde gewesen – just am Tag zuvor auf seinem Heimatplatz in Wannsee.

„Nach der Runde war ich vor allem erleichtert“, sagt von Karstedt. Eine sehr niedrige Runde spielen zu können, habe er als weiteren Schritt hin zu einem sehr guten Spieler empfunden. „Das gibt mir eine Menge Motivation, aber damit steigen auch meine Ansprüche.“ Für seine Rekordrunde und – natürlich – den Turniersieg habe er eine Flasche Champagner bekommen, einen Einkaufsgutschein, ein Dutzend Golfbälle und symbolisch einen Hockeyball.

Die Formkurve zeigt nach oben

In den kommenden Wochen wird für Steffen von Karstedt allerdings weiter der Golfball im Vordergrund stehen. Er gehört zu Wannsees Herren-Kader, der vom 9. bis 11. Oktober in Hardenberg beim Mannschaftspokal des Deutschen Golf Verbandes antritt – dem Ersatz des Final Fours, bei dem in diesem Jahr alle Erstliga-Teams antreten werden. „Wir haben die Chance, mit drei guten Tagen etwas Großes zu erreichen“, ist von Karstedt überzeugt. Dass er seinem Club dabei eine Hilfe sein kann, hat er mit seinem Platzrekord in Gross Kienitz angedeutet. Seine Formkurve zeigt eindeutig nach oben.

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