Single-Handicap-Taufe: Geweihte Golfer

Single-Handicap-Taufe: Geweihte Golfer
Willkommen in der Gemeinde der Einstelligen: Single-Handicap-Taufe im Golfresort Berlin Pankow mit Clubmanager Paul Wagmüller (rechts). Foto: YouTube

Golf hat das Zeug zur Ersatzreligion. Der erste satt getroffene Ball entflammt in vielen den festen Glauben, dass es richtig ist weiterzumachen. Wer Single-Handicaper wird, erhält in manchen Golfclubs in Berlin und Brandenburg sogar eine Taufe – nicht immer in türkisem Wasser.

Das Taufbecken des Golf Resorts Berlin Pankow liegt an Loch 12. Wer bei einem Turnier auf Berlins zentralster Golfanlage zum ersten Mal ein einstelliges Handicap erreicht, geht hier Baden. „Wir pflegen den Brauch seit vielen Jahren“, sagt Clubmanager Paul Wagmüller. Im Anschluss an die Siegerehrung werde der oder die Glückliche mit dem Golfcart zum Wasserhindernis kutschiert, das manche Mitglieder eher als Moorloch beschreiben. Wagmüller hat als Taufpate schon oft mit angepackt und die neue 9,X auf „eins, zwei, drei“ in voller Golfmontur in die Brühe befördert.

Das Ritual, das in manchen Golfclubs nicht einmal bekannt ist, gehört in Pankow fast schon zur Vereinssatzung. „Ich mag diesen Brauch“, sagt der Clubmanager. Woher dieser komme und wie er den Weg nach Berlin geschafft habe, könne er nicht sagen. Pro Jahr gebe es in Pankow im Schnitt zwei Taufen, allerdings nur in den Monaten Mai bis August, wenn das Wasser nicht zu kalt sei. Auch dann gebe es jedoch Neu-Einstellige, die kneifen. „Wir haben für diesen Fall auch eine Light-Version der Taufe mit Wasserflaschen auf der Clubhausterrasse“, so Wagmüller. Seine Beobachtung: Je jünger und je männlicher, desto größer die Bereitschaft, die große Taufe zu empfangen.

Ganz großer Bahnhof

Susann Pelka, die vor zwei Jahren getauft wurde, ist insofern fast eine Exotin. „Mir kam ganz recht, dass ich mein Single-Handicap nicht in meinem Heimatclub in Pankow erreicht habe, sondern beim Brunstorf Masters in der Nähe von Hamburg“, gesteht die 43-Jährige. „Die haben dort einen sehr schönen sauberen Teich, den man von der Clubhausterrasse sehen kann.“ Zwar stehe sie nicht gerne im Mittelpunkt, beteuert Pelka. „Aber ich bin mit dem Wissen großgeworden, dass man Baden geht, wenn man einstellig wird.“ Sie habe sich am zweiten von vier Turniertagen von -10,0 auf -9,8 heruntergespielt – ausgerechnet am Tag der Player’s Night – und habe für ihre Taufe somit „den ganz großen Bahnhof bekommen“.

Auch auf der GolfRange Berlin-Großbeeren haben schon viele die magische Grenze von -10,0 geknackt und anschließend höchste Weihen empfangen. „Wir werfen niemanden einfach rein, sondern fragen höflich, ob Interesse an einer Taufe besteht“, erklärt Manager Sven Geißler. Ganz eilig habe es vor Jahren mal ein junger Mann gehabt. „Der wollte nicht bis zur Siegerehrung warten und ist gleich nach dem Ende seiner Runde stolz in den Teich an Bahn 8 gesprungen“, berichtet Geißler. „Bei der Siegerehrung hat er dann erfahren, dass ihm ein Nettopunkt zum Single-Handicap fehlte; schuld war CBA, das es damals noch gab.“ Der junge Mann sei kurzzeitig vom Glauben abgefallen, wenige Wochen später aber Single-Handicaper geworden.

Im Golfresort Semlin am See, der Golfanlage mit den meisten Wasserhindernissen in der Hauptstadtregion, sind Taufen unüblich. Gleiches gilt für den Berliner Golf Club Gatow. „Wir verwehren es niemandem, wenn es ihn unbedingt beflügelt“, sagt Jugendkoordinator Simon Jacombs. Nur sei die Gatower Teichfolie recht rutschig, so dass man ohne Hilfe nicht so leicht wieder aus dem Wasser herauskomme. Zudem gebe es durchaus Golfer, die den Schritt zur Einstelligkeit erst im Alter zwischen 50 und 60 Jahren machten – und weniger Abenteuerreiz verspürten als der aufstrebende Nachwuchs.

Schutzengel bei der Taufe

„Meine Taufe war perfekt“, sagt Susann Pelka im Rückblick. Auch wenn es einen kurzen Schreckmoment gab. Die beiden Werfer hatten sich mit dem Verweis ins Spiel gebracht, nur Single-Handicaper dürften die Taufe vornehmen. Offensichtlich kein Ausweis großer Wurfkunst: Einer der Herren ließ so spät los, dass die Berlinerin ziemlich nah am Ufer im Wasser landete. „Zum Glück hatte ich einen Schutzengel und es ist nichts passiert“, sagt Pelka. Sie sei dann einmal durch den See geschwommen und draußen mit Handtüchern empfangen worden. Der Abend sei so mild gewesen, dass ihre Sachen schnell getrocknet seien.

„Wir schicken die Leute nach der Taufe so wie sie sind mit der BVG nach Hause“, sagt Paul Wagmüller und lacht über seinen kleinen Scherz. Ernst werde es dagegen mit dem Taufbecken: „Wir brauchen mal wieder Regen, sonst haben wir bald keine Wasserhindernisse mehr, in denen wir taufen können.“

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