Stahl oder Graphit? Was beim Schaft zählt

Stahl oder Graphit? Was beim Schaft zählt
Stahl oder Graphit? Je nach Spielertyp hat das Material entscheidende Vor- und Nachteile. Foto: Mike Wolff

Golfschäfte aus Stahl oder aus Graphit – das ist keine Frage des Preises mehr. Beide Materialien haben je nach Spielertyp Vor- und Nachteile.

Fast alle Hersteller von Golfschlägern bieten ihre Eisensätze heute standardmäßig mit mindestens zwei Schäften zur Auswahl an: Stahl oder Graphit. Auf den ersten Blick glänzt das eine silbrig schlicht, das andere wird inzwischen gerne für allerlei ästhetische Spielereien genutzt – vom Trival bis zum Totenkopf. Der entscheidende Unterschied besteht aber in den Spieleigenschaften der beiden Materialien. Graphit ist leichter und biegsamer. Der Eindruck, der sofort und zurecht entsteht, ist: Dieser Schläger ist leichter zu beschleunigen und somit im Schwung einfacher mit Energie aufzuladen.

„Graphitschäfte bestehen aus dünnen Kohlenstoffmatten, die aufgerollt und dann gebacken werden“, erklärt Material-Experte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Durchschnittlich wiege ein Graphitschaft etwa 40 Gramm, ein Stahlschaft rund das Doppelte. Aufgrund ihres höheren Gewichts seien Schläger mit Stahlschäften tendenziell schwerer zu spielen. Sie ermöglichten größere Schlagweiten, bräuchten dafür aber auch eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit.

„90 Prozent der Golfanfänger starten inzwischen mit Graphitschäften, weil sie den Ball damit besser in die Luft bekommen und das Graphit bei Fehlschlägen unangenehme Vibration besser schluckt“, ist Hohmanns Beobachtung. „Aus meiner Sicht sind Stahlschäfte erst für Golfer mit einstelligem Handicap von Belang“, findet Hohmann. Stärkere Spieler würden Stahl für das Mehr an Rückmeldung bevorzugen.

„Beim Fitting sehe ich sehr schnell, ob Stahl oder Graphit die bessere Wahl ist“, sagt Material-Experte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Foto: Mike Wolff

„Beim Fitting sehe ich sehr schnell an den Werten, ob ein Stahl- oder ein Graphitschaft die bessere Wahl für einen Spieler ist.“ Die Schlägerkopfgeschwindigkeit, der Abflugwinkel und die Spinrate des Balles seien bei der Auswahl die entscheidenden Komponenten. Über den sogenannten Kickpoint eines Schaftes lasse sich letztlich steuern, ob der Ball höher oder flacher starte – je nach Wunsch des Spielers. „Der Schaft muss sich natürlich auch gut anfühlen“, sagt Hohmann.

Preislich unterscheiden sich Stahl und Graphit im Durchschnitt nicht mehr. Das war zumindest am Anfang ganz anders: Die ersten Graphitschäfte, die Ende der 80er Jahre vom Hersteller Mizuno auf den Markt kamen, kosteten ein Vermögen und richteten sich entsprechend an einen exklusiven Käuferkreis. Zunächst wurde das neue Material allein bei Drivern und Fairwayhölzern eingesetzt. Graphit – so die damalige Verkaufe – ist der Stoff, der nie dagewesene Power freisetzt.

Exklusive Modelle gibt es auch heute noch: Japans Schlägermanufaktur Honma ist bekannt für Schäfte, die sich trotz der Dehnung im Schwung kaum bis gar nicht deformieren lassen. „Dadurch geht weniger Energie verloren, der Krafttransfer gelingt besser und das Schlagergebnis ist genauer“, erklärt Denis Hohmann. Die Qualität habe natürlich ihren Preis – rund 200 Euro pro Einzeleisen müsse man dafür schon investieren.

In puncto Langlebigkeit nehmen sich Stahl und Graphit nichts. Zwar ist Graphit generell witterungsbeständiger als Stahl, weil es nicht rostet. Dafür kann die Reibung des Golfbags dem Stahlschaft weniger anhaben als dem Graphitschaft. „Bis der Graphitschaft durch das ständige Scheuern aber wirklich in seiner Statik angegriffen wird, muss schon viel passieren“, betont Hohmann. Meist handle es sich nur um die obere Lackschicht des Schaftes, die langsam abgetragen wird – für die Spieleigenschaften unbedenklich.

Zur Person: Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.

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