Südafrikas Botschafter: Golffieber im Herzen

Südafrikas Botschafter: Golffieber im Herzen
Stone Sizani war als Kind Caddie, später politischer Häftling und ist heute Botschafter Südafrikas in Deutschland – und leidenschaftlicher Golfer. Foto: Mike Wolff

Als Kind trug er für andere die Golftasche über den Platz und verdiente sich etwas Taschengeld. Heute ist Stone Sizani Südafrikas Botschafter in Berlin und spielt selbst Golf. Seine Euphorie, sein Leiden und seine Liebe für das Spiel sind bemerkenswert – und ansteckend.

Es ist ein frischer Herbsttag, an dem wir mit Stone Sizani im Golf- und Country Club Seddiner See verabredet sind. Südafrikas Botschafter trotzt den kühlen Windböen in einer überraschend luftigen beigen Weste, die er über seinem Polohemd trägt. Die Wärme seiner Heimat, in der die Temperaturen selbst an Wintertagen die 20 Grad nicht groß unterschreiten – Sizani hat sie offenbar gespeichert. Seit bald dreieinhalb Jahren vertritt der Diplomat sein Land in Berlin, und seine Golfschläger hat er mit nach Deutschland gebracht.

Heute spielen die alten Freiheitskämpfer Golf

„Ich habe als Kind oft auf dem Golfplatz als Caddie ausgeholfen und mit dem Tragen der Golftaschen ein bisschen Geld verdient“, erzählt der 65-Jährige. Damals, während der Apartheid, sei es für ihn undenkbar gewesen, selbst den Golfschläger zu schwingen. „Heute spielen die alten Kämpfer des ANC alle Golf“, sagt Sizani.

Stone Sizani fiebert auf dem Golfplatz mit, bis der Ball zur Ruhe kommt. Foto: Mike Wolff

Auch er gehöre zum African National Congress, der Protestbewegung um Nelson Mandela, die seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 alle Präsidenten stellte. Wie Südafrikas Nationalheld Mandela war auch Sizani als politischer Gefangener auf Robben Island – wenn auch deutlich kürzer als „Madiba“. „Ich war von 1976 bis 1981 inhaftiert, hatte die Gefängnisnummer 9/76“, berichtet der Botschafter. Später arbeitete er als Laborassistent, als Direktor für einen Treuhandfonds, Politikberater und war acht Jahre lang Mitglied des Parlaments. „Eine Ewigkeit“, nennt Sizani das. „Ich könnte keinen Job länger als zehn Jahre machen.“

Bei so viel Feuer reicht eine dünne Weste

Wer glaubt, der Vorname Stone habe in Sizani Eigenschaften wie Trägheit und Härte geweckt, wird diese auf der Golfrunde vergeblich suchen. Es ist das schiere Gegenteil, das der Botschafter an diesem Tag auf dem Seddiner Nordplatz ausstrahlt. Sein Körper biegt und windet sich noch, wenn der Ball längst die Schlagfläche verlassen hat. Sizanis Bangen und Mitfiebern endet erst, wenn auch der Ball zur Ruhe gekommen ist. Bei so viel Feuer reicht eine dünne Weste. So viele Emotionen sind ansteckend. Sizanis Temperament ist mehr Gary Player als Ernie Els – die er auch genau in dieser Reihenfolge verehrt. Der Botschafter Südafrikas, das stellt er eindrucksvoll unter Beweis, ist auch ein guter Botschafter für das altehrwürdige Spiel.

„Meine Technik ist sehr unkonventionell“, sagt Stone Sizani über seinen Schwung. Foto: Mike Wolff

„Meine Technik ist sehr unkonventionell“, entschuldigt Sizani seinen Schwung. Er habe ihn sich selbst beibringen müssen. Nach einer schweren Rippenverletzung funktioniere der Schwung nach Lehrbuch bei ihm nur mit großen Schmerzen. Also habe er für sich einen ganz persönlichen Schwung gesucht, der ihm nicht wehtue. Für ein Par ist er immer gut, das zeigt er auf dem Seddiner Nordplatz. Vielleicht ist Sizani unter den Botschaftern in der Hauptstadt nicht der beste Golfer, aber sicher einer der leidenschaftlichsten. Und er vertritt eine der attraktivsten Golfdestinationen der Welt.

Botschafter messen sich untereinander im Golf

Dr. h.c. Mania Feilcke-Dierck, die Präsidentin des Ambassadors Club mit Stone Sizani beim Ambassadors Golf Cup 2019 im Märkischen Golfclub Potsdam. Foto:
Agentur Baganz

Im Berliner Golf Club Gatow habe er schon gespielt, im Golf- und Land-Club Wannsee und vor nicht allzu langer Zeit im Märkischen Golfclub Potsdam beim Golfturnier des Ambassadors Club, dem Zusammenschluss aller in Deutschland akkreditierten Botschafterinnen und Botschafter aus aller Welt. Der 2002 von Dr. h.c. Mania Feilcke-Dierck gegründete Club bietet einen Rahmen zum Austausch im Interesse und zur Förderung der Völkerverständigung und steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Medien und Kultur, Prof. Dr. Monika Grütters MdB.

Die Botschafter kommen aber nicht nur regelmäßig zu Gesprächen mit hochrangigen deutschen und europäischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen – sie messen sich hin und wieder auch auf dem Golfplatz. „Die Botschafterin von Monaco ist die beste Golferin unter uns“, sagt Sizani.

„Bei uns geht niemand am Halfwayhaus vorbei“

In Südafrika sei Golf heute ein Mittelklassesport, rangiere bei der Popularität aber ein gutes Stück hinter Rugby, Cricket und Fußball. „Das liegt wie in vielen Ländern am nicht so leichten Zugang zu diesem Sport“, betont der Botschafter. Am meisten habe ihn selbst in seiner Heimat das Resort Fancourt beeindruckt mit seinen drei außergewöhnlichen Golfplätzen. „Ich wusste bisher nicht, dass das Golfresort einem Deutschen gehört“, sagt Sizani. Die Rede ist von SAP-Mitgründer und Mäzen Hasso Plattner, der in Potsdam lebt. Dass Golfplätze wie Fancourt Touristen aus aller Welt anlocken, auch viele Deutsche, mache ihn stolz. „Aber einen entscheidenden Unterschied gibt es zwischen Golf in Deutschland und Südafrika“, erzählt Sizani. „Bei uns geht niemand am Halfwayhaus vorbei, das ist Pflicht, sonst richtet man ein Chaos an.“

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