Gegen Chemie sind viele Gräser gewachsen

Gegen Chemie sind viele Gräser gewachsen
Reine Monokultur und Drei-Millimeter Tiefschnitt machen den Rasen anfällig für Krankheiten. Foto: Mike Wolff

Greenkeeper müssen erfinderischer werden, da sie auf dem Golfplatz immer weniger chemische Hilfsmittel verwenden dürfen. Weniger Monokultur auf dem Grün, mehr Grassorten, lautet die Lösung von Fleesensees Head-Greenkeeper Stephen Monk, der bereits mit der Umstellung begonnen hat.

Die letzten zwei Sommer waren für die Greenkeeper nicht in ganz Deutschland eine große Herausforderung – aber wohl nirgends so sehr wie in Berlin und Brandenburg. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es so wenig Regen wie selten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Doch für die Platzarbeiter auf den Golfanlagen ist das nicht das einzige Problem. Immer strengere Umweltauflagen, restriktivere Nutzung von Pestiziden, Fungiziden und anderer chemischer Mittel erschweren zusehends ihre Arbeit auf den Golfplätzen.

Stephen Monk ist Head-Greenkeeper im Golf & Country Club Fleesensee. Foto: Mike Wolff

Was viele nicht wissen: Die Regeln, die für Golfanlagen gelten, sind wesentlich strenger als für Hobbygärtner im heimischen Garten oder für die Landwirtschaft. Wo die Bauern noch auf eine Vielzahl von Produkten zurückgreifen können, dürfen auf Fairways und Grün von Jahr zu Jahr weniger Mittel eingesetzt werden. Um die Plätze weiterhin in einer hohen Qualität zu präparieren, müssen die Greenkeeper immer erfinderischer werden. Vor allem auf den Grüns. Denn hier ist der Kampf mit Krankheiten wie Pilzen oder mit Umweltveränderungen am größten. Zugleich ist der akkurate Zustand der Grüns beim Golf am wichtigsten, da er den Score am meisten beeinflussen kann.

Zurück zu den Wurzeln

Stephen Monk, Head-Greenkeeper in Golf Fleesensee, hat für sich einen gangbaren Weg gefunden: „Wir müssen weg von der Monokultur auf den Grüns, die in den neunziger Jahren verstärkt eingesetzt wurde und stattdessen eine Diversität von Rasensorten nutzen“, sagt der Walliser, der seit 2014 in Mecklenburg tätig ist. „Wie in einem Mischwald profitieren dann die Gräser voneinander und können so Krankheiten und auch Winterschäden stärker abwehren.“

Nach dem Aerifizieren, wenn die kleinen Löcher im Grün mit Sand gefüllt werden, lässt Monk nun Samen von bis zu fünf Grassorten einarbeiten. Laut Monk ist es wichtig, immer wieder frische Erde und vor allem Sauerstoff zu den Wurzeln zu befördern, um verrottende organische Stoffe im Boden zu beseitigen. Buchstäblich gehe es zurück zu den Wurzeln, da Rasen in vorchemischen Zeiten in Großbritannien nur so gepflegt worden sei.

Umstellung in Fleesensee bald abgeschlossen

Auf die Golfer kommen in Zukunft unweigerlich Veränderungen zu. Stephen Monk wirbt für Verständnis: „Wir wollen mit der Natur arbeiten, aber Gras kürzer als drei Millimeter kann nicht ohne Chemie wachsen und gesund bleiben.“ Das Ergebnis werde sein, dass die Graslänge von mindestens vier Millimetern auf den Grüns zwangsläufig die Puttgeschwindigkeit verlangsamt. Im Gegenzug ermöglichten die Mischgräser aber eine ebenere Oberfläche. Es entwickele sich laut Monk ein Grün mit unterschiedlichen Farben – optisch zunächst ungewohnt. In der Übergangsphase hätten die Gräser auch noch verschiedene Stärken und Längen. Doch ohne Pilze und andere Schadstellen rolle der Golfball schon bald mindestens genauso treu wie zuvor.

Allerdings müssen die Spielflächen bei geringerem Einsatz von Chemie häufiger aerifiziert und gesandet werden. Geduld und Verständnis müssen Golferinnen und Golfer also in Zukunft auch nach der Umstellung haben. „Es ist eine große Herausforderung für uns Greenkeeper, aber es ist faszinierend zu sehen, wie wir trotz der Einschränkungen einen sehr gut bespielbaren Platz hinbekommen“, sagt der Head-Greenkeeper lächelnd auf seiner frühmorgendlichen Runde auf dem Schloss Torgelow Platz. In Fleesensee werde die Umstellung auf eine größere Zahl an Gräsern zu Beginn der neuen Saison abgeschlossen sein. Wer Golf auch liebt, weil es ein Sport in der Natur und mit der Natur ist, dem dürfte das Weniger an Chemie auch ein Lächeln entlocken.

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