Suat Bicer: Mit 72 Jahren Motzener Clubmeister

Suat Bicer: Mit 72 Jahren Motzener Clubmeister
Mit 72 Jahren gewann Suat Bicer im Herbst die Clubmeisterschaft in seinem Heimatclub in Motzen. Foto: BGCC Motzener See

Er ist der wohl älteste amtierende Clubmeister der offenen Altersklasse in Deutschland: Suat Bicer holte im vergangenen Herbst mit 72 Jahren den Titel im Berliner Golf & Country Club Motzener See. Das Spiel hat er sich als Kind selbst beigebracht. Schon mit neun Jahren gab er Erwachsenen Unterricht.

Mit Runden von 77, 73 und 77 gewann Suat Bicer die Clubmeisterschaft des Berliner Golf & Country Club Motzener See mit vier Schlägen Vorsprung. „Meine beiden Gegner im Finalflight dachten wahrscheinlich, dass bei einem 72-Jährigen auf der zweiten Runde am Sonntag die Luft raus sein wird“, erinnert sich Bicer. Das Gegenteil sei der Fall gewesen. „Mit jeder Bahn kam ich besser ins Spiel, dabei haben wir von weiß gespielt.“ Seine Drives seien zwar stets 20 Meter kürzer gewesen als die der Konkurrenz, aber das habe er durch sein sicheres Eisenspiel kompensieren können. Standesgemäß besiegelte er seinen bereits sechsten Sieg bei der Motzener Clubmeisterschaft in der offenen Altersklasse mit einem Birdie.

„Ich weiß nicht, ob ich Deutschlands ältester Clubmeister bin, aber in Berlin-Brandenburg fällt mir keiner ein, der älter ist als ich“, sagt Bicer. Seit der Umstellung auf das neue World Handicap System hat der mittlerweile 73-Jährige eine Stammvorgabe von +2,9 (vorher -3,2). Ein beeindruckender Wert, den mit drei bis fünf Runden Golf pro Woche versucht zu konservieren. Sechs Hole-in-ones hat er nach eigener Zählung bereits geschlagen. Bei seinem schönsten, an Motzens Bahn A3, habe sogar Motzens Vizepräsident Olaf Wernecke Pate gestanden.

Grund zum Feiern: Suat Bicer und Dana Jochems sind die amtierende Clubmeister und Clubmeisterin in Motzen. Foto: BGCC Motzener See

Angefangen hat Bicer schon früh. „Ich bin gewissermaßen auf dem Golfplatz aufgewachsen“, erzählt er. Im türkischen Izmir, wo er geboren sei, gebe es einen bereits 1905 gegründeten Golfclub. Dort habe er mit sechs Jahren seine erste Schwünge gemacht. Mit alten Schlägern, ohne Golflehrer. „Ich habe mir die Technik einfach bei anderen abgeschaut, mein großer Bruder und mein Schwager waren sehr gute Golfer“, berichtet Bicer. Mit neun oder zehn Jahren habe er dann sogar Unterricht gegeben. Seine Schülerinnen seien die Ehefrauen von in der Türkei stationierten amerikanischen NATO-Soldaten gewesen. „Meine Kommandos waren immer dieselben: Left arm straight, right shoulder down, keep your eyes on the ball.” Maximen, an die er sich selbst bis heute noch halte.

1969 war für fast 30 Jahre Schluss mit Golf

Als Jugendlicher habe er ein Handicap von -4 gehabt, Golf dann aber für Jahrzehnte aus den Augen verloren. 1969 zog er für sein Maschinenbaustudium in die Hauptstadt Ankara, 1971 dann nach Deutschland, beides ohne Golfschläger. Bicer wollte als gut ausgebildeter Ingenieur mit ein bisschen Berufserfahrung in Europa ursprünglich zurück in die Türkei. „Ich dachte mir, dort bin ich dann sicher ein gemachter Mann“, sagt er und lacht heute. Es kam anders und er landete nach einer kurzen Station in einer Braunschweiger Fordwerkstatt schon 1972 als technischer Angestellter bei Daimler in Berlin-Marienfelde.

Ein Bild aus frühen Tagen: Suat Bicer beim Golf in Izmir. Foto: Privat

Die Wiedergeburt seiner Golfkünste verdankt Bicer indes seiner Frau Nermin. „Wir waren zusammen in Tegel mit dem Auto unterwegs, 1995 war das, da sah meine Frau im Vorbeifahren, dass da Golf gespielt wird“, weiß Bicer noch heute. Sie habe ihn ermuntert, an Tegels einstiger Driving-Range Halt zu machen und mal zu schauen, ob er die Golfbälle noch in die Luft bekomme. Im hochgerempelten Hemd habe er dagestanden und nach einem kleinen Eimer Bälle seine große Liebe zum Golfspielen wiederentdeckt.

„Suat Bicer ist beeidruckend“, schwärmt Motzens Clubmanagerin Kerstin Keil über ihren amtierenden Clubmeister. Seitdem er 1997 in den Club eingetreten sei, habe er insgesamt 23 Clubmeisterschaften gewonnen, sei mehrfach Berliner Meister bei den Senioren gewesen. Suat Bicer sagt, er führe keine genaue Statistik, wisse aber, dass ihm noch der Landesmeistertitel der AK65 fehle. „Aus Respekt vor Wannsees Jost Neumann habe ich mich bisher mit Teilnahmen zurückgehalten“, verrät Bicer. „Er ist mein Vorbild, ich bewundere und respektiere ihn dafür, dass er mit 86 Jahren noch hervorragendes Turniergolf spielt und gewinnt.“ Das sei auch sein persönliches Ziel.

Suat Bicer trifft in seinem Heimatclub nicht weniger auf Bewunderung. „Ich liebe unseren Golfplatz, der für mich einer der schönsten in Deutschland ist und auf dem ich meine besten Runde gespielt habe“, so Bicer. Bis heute hält er den Platzrekord der Amateure auf Motzen Old Course – eine 66. Es ist damit zu rechnen, dass der frühe Autodidakt Suat Bicer auch in Zukunft noch von sich Reden macht.

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