Sven Strüver: Fleesensees Toursieger

Sven Strüver: Fleesensees Toursieger
Sven Strüver, Leiter der Golfschule von Golf Fleesensee. Foto: Elke A. Jung-Wolff

Er hat Turniere auf der European Tour gewonnen, Majors gespielt und sogar mal einen Monat bei Bernhard Langer gewohnt. Als Leiter der Golfschule in Fleesensee teilt Sven Strüver seine Erfahrungen seit drei Jahren mit Amateuren und den Golfpros der Zukunft.

Was Akribie betrifft, hätte Sven Strüver keinen besseren Lehrer haben können. „Ich erinnere mich an eine Einspielrunde der Dutch Open mit Bernhard Langer“, erzählt er. „Nach zwölf Löchern habe ich damals auf die Uhr geschaut und konnte es kaum glauben, dass wir bis dahin schon viereinhalb Stunden gebraucht hatten.“ Er habe Langer alles gleichgemacht, sich vieles an dessen minutiöser Vorbereitung abgeschaut – einer Herangehensweise, die ihn fast an Schach erinnert habe. „Hinterher war ich völlig fertig“, sagt Strüver und lacht.

Später feierte er an gleicher Stelle einen seiner drei Turniersiege auf der European Tour. In Hilversum, bei der Sun Microsystems Dutch Open 1997, war das. Im Jahr davor hatte Strüver bereits die South African PGA Championship gewonnen. Im Jahr danach folgte ein Sieg auf einem der schönsten Golfplätze der Tour – beim European Masters in Crans Montana. Sechsmal qualifizierte sich Strüver für die Open Championship, Europas einziges Major, je einmal für die US Open in Pinehurst und die US PGA Championship in Medinah – zufällig die Orte, an denen Martin Kaymer später die größten Erfolge seiner Karriere feierte.

Strüver ist für zehn Golflehrer-Azubis verantwortlich

Mittlerweile gibt der 53-jährige Strüver seine Erfahrungen an Amateure und Golflehrer-Azubis weiter. 2017 hat er die Leitung der Golfschule von Golf Fleesensee von Oliver Heuler übernommen, nach zuvor einem halben Jahr Probezeit, die er sich selbst ausbedungen hatte. „Ich wollte sehen, ob ich das kann und ob die Leute mit mir können“, sagt Strüver. Immerhin ist der Akademieleiter für zehn Auszubildende verantwortlich. Groß waren außerdem die Fußstapfen von Vorgänger Heuler, der sich einen Ruf als Trainerguru erarbeitet hat und bis heute Schüler von weither nach Fleesensee zieht.

Aber Strüver bringt eine ganz eigene Aura mit – die eines mehrfachen European-Tour-Siegers. Wenn der nicht weiß, wovon er spricht, wer dann? Zudem liegt beim gebürtigen Bremer das Unterrichten in der Familie: Sein Vater und sein Onkel waren beide Golflehrer. „Ich bin gewissermaßen zwischen Pitchinggrün und Bunker aufgewachsen, denn der Golfplatz in Hittfeld bei Hamburg, wo ich großgeworden bin, lag nur 20 Meter von meinem Kinderzimmer entfernt“, erzählt Strüver. Vieles habe er als Kind ausprobiert, darunter Golf, Fußball und Handball. „Handball habe ich aufgegeben, weil ich zu oft umgenietet wurde.“ Beim Fußball habe er es sogar in ein regionales Auswahlteam geschafft. „Am Ende habe ich mich für Golf entschieden, weil ich mit der Zeit immer besser wurde und irgendwann so gut wie jedes Wochenende mit einem Pokal nach Hause kam“, erinnert sich Strüver.

Als Amateur Neunter der German Open

Mit 16 habe der DGV ihn als Nationalspieler das erste Mal in die USA geschickt. „Ich wollte immer mein eigener Herr sein, habe Flüge und Hotels selbst gebucht, wovon ich später als Professional sehr profitiert habe“, weiß Strüver zu schätzen. 1989, noch als Amateur, wurde er bei der German Open im Frankfurter Golf Club sensationell geteilter Neunter – mit 62 Schlägen in Runde zwei. Sponsoren wie Volvo, Hugo Boss und Mizuno hätten damals gewollt, dass er den Sprung auf die Tour wage. Sein Vater und sein Onkel, die er um ihre Meinung bat, rieten ihm nicht ab. 1990, bei seinen ersten drei Turnieren als Pro gewann Strüver in Deutschland zweimal – darunter die German PGA Championship – und wurde einmal Dritter. „Ich dachte, ich bin der Größte“, gesteht er im Rückblick.

Strüver: „Ich war ein totaler Dickschädel, nie satt“

Was dann folgte, brachte Strüver zurück auf den Boden, Wochen und Monate, in denen nichts mehr zusammenlief. Wie ein Brett vor dem Kopf habe sich das angefühlt. Erst 1992 lief es besser. 1993 gewann er auf der Challenge Tour die C*American Express Trophy, drei Jahre später dann erstmals auf der European Tour. „Ich wollte immer gewinnen, ich war ein totaler Dickschädel, nie satt und habe mir beim Training die Finger wundgeschlagen, aber ich hatte Spaß“, sagt Strüver.

Sven Strüver hat sich in jungen Jahren vieles von Bernhard Langer abgeschaut. Foto: Elke A. Jung-Wolff

Nicht nur wegen der eindrücklichen Einspielrunde in Hilversum habe er Bernhard Langer viel zu verdanken. „Ich habe mal vier Wochen bei ihm in den USA gewohnt und trainiert“, berichtet Strüver. Disziplin, Konzentration und strategisches Geschick habe er sich von Langer ebenso abgeschaut wie den Umgang mit Medien und mit Niederlagen. Mehrfach schlug er seinen Winterwohnsitz in Florida auf, unweit von Langer, arbeitete mit einem Trainer in Orlando. Die Ausbildung zum Golflehrer machte Strüver ab 2010 bei Graham Clarke im Golf-Club Escheburg vor den Toren Hamburgs. Im selben Jahr spielte er auch noch 16 Turniere.

Zwischenzeitlich war Strüver auch Golfmanager in Fleesensee

Was er geworden wäre, wenn es mit Golf nicht geklappt hätte? „Ich wollte Maschinenbau studieren, aber damals stand ich natürlich vor der Entscheidung: entweder das eine oder das andere“, so Strüver. Neben seiner Arbeit als Golflehrer und Leiter der Golfschule hatte Strüver in Golf Fleesensee zwischenzeitlich auch die Aufgabe des Golfmanagers übernommen, als die Position vakant war. Eine Herausforderung, die ihn reizte, die er inzwischen aber wieder abgegeben hat an seinen Nachfolger Tom Nord.

„Ich bin von dem Produkt, das wir hier in Fleesensee für Golfer bieten, total überzeugt“, schwärmt Strüver. Beste Trainingsmöglichkeiten, Ruhe und drei Plätze, die sich sehr voneinander unterscheiden – das erinnere ihn an das Golfeldorado USA. Wenn es um die Weiterentwicklung des Golfresorts geht, dann werde er involviert. Mit Akribie und Erfolg kennt sich Strüver schließlich aus.

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