Timo Vahlenkamp: Berlins golfender Sportsoldat

Timo Vahlenkamp: Berlins golfender Sportsoldat
Timo Vahlenkamp: Sportsoldat und Nationalspieler vom Berliner Golfclub Stolper Heide. Foto: Mike Wolff

Im Berliner Golfclub Stolper Heide bereitet sich der 20-Jährige auf den Wechsel ins Profilager vor. Vahlenkamp ist in Form und gehört zum Nationalteam, das um den EM-Titel spielt.

Wer als Golfer niedrig schießen will, wie es im Slang heißt, der muss vor allem genau zielen. Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide kann beides. Einmal im Jahr reist der Sportsoldat nach Warendorf bei Münster, macht dort an der Sportschule der Bundeswehr die obligatorische Sanitätsausbildung und übt am Maschinengewehr.

Seine größten Treffer hat der 20-Jährige aber mit seinen Golfschlägern gelandet. Im Golfpark Schloss Wilkendorf wurde Vahlenkamp 2015 Deutscher Meister der Altersklasse U16, zwei Jahre später holte er auch den Titel in der Altersklasse U18. Mit dem Nationalteam wurde der gebürtige Westfale 2016 sowohl Vize-Europameister als auch Zweiter bei der inoffiziellen Team-Weltmeisterschaft in Japan.

„Als kleiner Junge habe ich Martin Kaymer bei der damals noch existierenden Schüco Open über den Platz begleitet“, erzählt Vahlenkamp. Damals sei der Traum geboren, eines Tages selbst als Tourspieler sein Geld zu verdienen. Das besondere Talent dazu zeigte sich früh: Mit sechs Jahren schlug er seine ersten Golfbälle im Golf Club Teutoburger Wald, mit neun Jahren gehörte er bereits zum Landeskader von Nordrhein-Westfalen.

„Ich war damals ein kleiner Träumer“, findet Vahlenkamp im Rückblick. Im Laufe der Jahre sei er immer ehrgeiziger und zielstrebiger geworden. Mit Trainer Ralf Berhorst habe er im Heimatclub einen großen Förderer gehabt, der schon Clubkamerad Julian Kunzenbacher beim Sprung auf die Challenge-Tour half.

Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide
Timo Vahlenkamp: Sportsoldat und Nationalspieler vom Berliner Golfclub Stolper Heide. Foto: Mike Wolff

Timo Vahlenkamp entschied sich allerdings für einen Wechsel: Um seinem Ziel von der Tour näherzukommen, ist Vahlenkamp Anfang 2017 von Halle in Westfalen nach Stolpe gezogen – wo mit dem Berliner Golfclub Stolper Heide inzwischen der Club mit den meisten Nationalspielern liegt. Seitdem arbeitet er in der Trainingsgruppe von Gregor Tilch mit idealen Sparringspartnern und einer Wohnung direkt am Golfplatz hauptberuflich an seinem Golfspiel und an möglichst guten Turnierergebnissen. „Mein Plan ist es, 2020 ins Profilager zu wechseln“, sagt Vahlenkamp. Bei entsprechendem Erfolg könne es aber auch schneller gehen.

Das Jahr 2018 hat schon einmal sehr gut begonnen für den Sportsoldaten. Bei der Deutschen Lochspielmeisterschaft Ende April wurde Vahlenkamp Dritter. Im Zweitliga-Team von Stolper Heide gehört er in dieser Saison zu den konstantesten Spielern und liefert regelmäßig Unter-Par-Runden ab. Vahlenkamp und das Stolper Team siegten bei der diesjährigen Mannschaftsmeisterschaft des Golfverbands Berlin-Brandenburg und schlugen den langjährigen Abonnementmeister vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee – womöglich eine Wachablösung.

Der größte Erfolg gelang ihm indes bei der diesjährigen Amateur Championship im schottischen Aberdeen, einem der hochkarätigsten und prestigereichsten Amateur-Turniere der Welt. Als bester Deutscher erreichte Vahlenkamp den neunten Platz. Wobei sich der Nationalspieler in seinem Achtelfinale nach einem deutlichen Rückstand von vier Löchern wieder auf „all square“ zurückkämpfte und sich erst am ersten Extraloch geschlagen geben musste.

Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide
Timo Vahlenkamp: Sportsoldat und Nationalspieler vom Berliner Golfclub Stolper Heide. Foto: Mike Wolff

Vahlenkamps große Stärke ist die Ruhe, die er auch unter Druck bewahrt, wie sein Trainer Gregor Tilch betont. Der junge Spieler selbst sagt: „Es muss schon eine Menge passieren, damit ich mich aufrege.“ Wenn er unter Druck gerate, könne er alles ausblenden, sich regelrecht in einen Tunnel versetzen und seine Konzentration allein auf sein eigenes Golfspiel lenken. Technisch habe er seine Stärken vor allem im kurzen Spiel, also bei allen Schlägen rund ums Grün. „Im vergangenen Winter habe ich intensiv an meinem langen Spiel gearbeitet und sechs bis sieben Kilogramm zugenommen“, sagt Vahlenkamp. Muskelmasse, versteht sich.

Seine Schlägerkopfgeschwindigkeit habe er von 107 auf 110 Meilen pro Stunde gesteigert. Aber selbst wenn Vahlenkamp noch immer nicht der Weiteste mit seinen Drives ist, profitiert er davon, dass seine Bälle oft auf dem Fairway landen. „Ich verliere nur sehr wenige Bälle“, berichtet er. Vahlenkamp schießt nicht nur tief, er schießt auch gerade.

Es wäre schon eine Überraschung, wenn er nicht zum Aufgebot der Nationalmannschaft gehörte, das vom 10. bis 14. zur Mannschafts-Europameisterschaft auf dem Faldo Course Berlin in Bad Saarow antritt. Das deutsche Team gehört gewiss nicht zu den Favoriten, könnte aber einen Heimvorteil haben auf dem anspruchsvollen Platz am Scharmützelsee – gerade mit Spielern aus der Hauptstadtregion. „Ich möchte auf jeden Fall dabei sein“, sagt Vahlenkamp. Die offizielle Nominierung des Kaders ist für Anfang Juli angekündigt.