Philipp Mejow: Tourspieler ohne Tour

Philipp Mejow: Tourspieler ohne Tour
Der Berliner Tourspieler Philipp Mejow. Foto: Mike Wolff

Der Tourbetrieb in Europa pausiert wegen der Corona-Pandemie. Statt durch die Welt zu reisen, musste sich Phillip Mejow daran gewöhnen, zuhause zu sein. Warum er das positiv sieht und wem er in der Not geholfen hat, schreibt der Berliner in seiner neuen Tour-Kolumne für Tagesspiegel GOLF.

Die vergangenen Wochen und Monate waren schon sehr speziell. Geprägt von Ungewissheit, Ungeduld und Missmut, aber auch von Hoffnung, Vorfreude und einem Leben im Moment. So richtig bewusst wurde mir die Corona-Pandemie erst Mitte März während meiner Heimreise nach mehreren Turnieren in Marokko. Gebucht über Spanien wurde mein Flug kurzfristig gecancelt und ich musste direkt am Flughafen in Casablanca den tatsächlich letzten Sitzplatz nach Frankfurt ergattern, um dann von dort weiter nach Berlin zu fliegen. Am nächsten Tag gab es einen kompletten Shutdown in Marokko und ich wäre vorläufig nicht mehr nach Hause gekommen. Glück im Unglück würde ich sagen.

In den darauf folgenden Tagen habe ich immer mehr das Ausmaß dieser Pandemie erkannt und es gab auf der Tour auch die ersten Turnierabsagen für die kommenden Wochen. Anfangs war es schon eine sehr ungewohnte Situation, nicht mehr trainieren und spielen zu dürfen, nicht mehr reisen zu dürfen und nicht zu wissen, wann es weiter geht. Da ich aber generell ein sehr positiver Mensch bin, habe ich die Situation genommen, wie sie ist und das Beste daraus gemacht. Mit einer Puttmatte zuhause, einem erhöhten Fokus auf Fitness und Ernährung und mit täglicher Arbeit an der Mobilität und Flexibilität.

Ein Anruf vom Caddy aus Kenia

Was für mich aber komplett positiv aus der Situation heraussticht, ist die Möglichkeit, tagtäglich bei meiner Frau und meinem kleinen Sohn zu sein. Gerade seine riesigen Entwicklungssprünge in den ersten Monaten hätte ich ohne die Golf-Zwangspause nicht live miterleben dürfen. Somit bin ich in der glücklichen Lage, die Zeit zu Hause komplett genießen zu können.

Erst vor ein paar Tagen habe ich mitbekommen, dass es auch ganz anders aussehen kann. Als ich 2016 das erste Mal ein Turnier in Kenia spielte, hatte ich einen ganz tollen lokalen Caddy. Peter war zwar schon über 70 Jahre alt, jedoch sehr fit, und er kannte den Platz wie seine eigene Westentasche. Abgesehen davon war er ein ganz toller Mensch mit einer großen Familie, die er von seinem Job als Caddy ernähren muss. Nun bekam ich vor ein paar Tagen eine Nachricht von ihm, dass sein Golfclub und Arbeitsplatz im März geschlossen wurde und er nicht weiß, wie er und seine Familie weiter überleben sollen.

Keinen einzigen Tag auslassen, um besser zu werden

Da wurde mir erst wirklich bewusst, wie global dieses Problem ist und wie gut es den meisten hier in Deutschland doch geht. Letztlich bin ich sehr froh, dass mein alter kenianischer Bekannter meine Nummer noch nicht gelöscht hatte und ich ihm etwas helfen konnte. Für mich persönlich bewirkt die aktuelle Zeit, dass ich mich mehr auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben besinne. Ich denke das geht den meisten so.

Aber nun zurück zum Golf. Jetzt wo bei uns die Golfplätze so allmählich wieder öffnen beginnt das Training wieder. Aber wofür? Diese Frage steht im Raum, und keiner weiß so genau wann wieder die ersten Turniere gespielt werden können. Mein Plan ist es, jeden Tag besser zu werden und keinen einzigen auszulassen, um mir jetzt den möglichen Vorteil zu erarbeiten, bis es dann wieder los geht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund und positiv bleiben und den wundervollen Golfsport genießen können – auch wenn man mal mit weniger Bällen nach Hause kommt, als man gestartet ist.

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