Philipp Mejow: „Wozu perfekte Bedingungen?“

Philipp Mejow: „Wozu perfekte Bedingungen?“

Auf nach Afrika: Bei der Kenia Open der European Tour startet Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in die Saison. Wie sich Berlins erfolgreichster Tourspieler den Winter über darauf vorbereitet hat, schreibt er in seiner neuen Tour-Kolumne für Tagesspiegel GOLF.

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Flieger auf dem Weg nach Kenia, zu meinem ersten Turnier der Saison (vom 14. bis 17. März, hier geht es zum Leaderboard). Das ist ein guter Zeitpunkt für mich, die vergangenen Monate der Winterpause einmal Revue passieren zu lassen. Für mich persönlich ist es als Profigolfer sehr wichtig, nach einer langen Saison wie der vergangenen den Kopf erst einmal komplett weg zu bekommen vom Golf. In meinem Fall hieß das, die Schläger vor Weihnachten in den Keller zu stellen und mich anderen Hobbies zu widmen. Vor allem Freunde und Familie haben in dieser Zeit bei mir oberste Priorität, da ich für sie während der Saison deutlich weniger Zeit finde.

Fast den kompletten Januar war ich mit meiner Frau, meinem Trainer und Freunden zum ersten Mal in Südafrika. Dort konnte ich Urlaub und Golftraining kombinieren. Viel Natur, Surfen und gutes Essen standen auf dem Plan, aber auch einige Golfrunden auf traumhaften Plätzen. Die wirkliche Saisonvorbereitung begann allerdings eigentlich erst im Anschluss an Südafrika.

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Ordentliche erste Runde bei der Kenia Open: Mit einer 71er-Runde (Par) liegt Philipp Mejow in der Mitte des Feldes. Foto: European Tour

In Berlin habe ich täglich einige Stunden an jedem nur erdenklichen Teil des Spiels gefeilt und im Anschluss an der körperlichen Fitness gearbeitet. Oft höre ich von anderen Spielern auf der Tour, dass sie im Winter perfekte Bedingungen brauchen, um sich auf die Saison vorzubereiten. Natürlich ist es nett, den gesamten Winter mit ProV1 Bällen auf der Driving-Range bei 30 Grad und ohne Wind zu trainieren. Doch was bringen einem diese perfekten Bedingungen, wenn sie gerade auf der European Challenge Tour, auf der ich die letzten Jahre gespielt habe, nur sehr selten so auftreten.

Auf der Tour ist es oft regnerisch, windig und kalt

Oft ist es regnerisch, windig, kalt und die Plätze sind so unterschiedlich, dass man jegliche Art von Golf draufhaben muss, um konstant zu performen. Aus diesem Grund liebe ich es sogar, bei nicht optimalen Bedingungen im Januar, Februar und März auf den Platz zu gehen und Wege zu finden, trotzdem einen guten Score zu spielen.

In der heutigen Trackman-Zeit hat sich das Training doch komplett verändert. Mit Hilfe des Radar-Messgeräts kann ich auch bei starkem Gegenwind auf der Driving-Range stehen und der Trackman zeigt mir nach jedem Schlag genau an, wie weit mein Ball ohne Wind geflogen wäre. Dank dieser Technik wird das Wintertraining sehr viel strukturierter und man kann auch alleine auf der Driving-Range viel Zeit wirklich sinnvoll investieren.

Kickboxen hilft mir beim Golfschwung

Neben dem Golftraining ist Fitness ein sehr wichtiger Teil meiner Saisonvorbereitung. Zusammen mit meinem Athletiktrainer kümmere ich mich um allgemeine Kraft, golfspezifische Fitness, Balance und Speedtraining, um auf dem Platz eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit zu erreichen. In diesem Winter habe ich nach jeder Fitnesseinheit noch etwa 20 Minuten Kickboxen trainiert. Das macht mir unheimlich viel Spaß, und da man beim Kickboxen viel Kraft, Geschwindigkeit und Stabilität aus der Hüfte holt, ist das eine super Ergänzung zum Golf.

Letztlich bin ich überzeugt, dass eine Vorbereitung unter scheinbar nicht optimalen Bedingungen im winterlichen Berlin kein Grund sein sollte, nicht an seinem Spiel zu arbeiten. Im Gegenteil: Wenn es im Training schwieriger ist als im Turnier, steht dem Erfolg nichts im Weg!

Kolumne „Mejow on Tour“ (Folge 2): Kraft tanken abseits des Platzes
Kolumne „Mejow on Tour“ (Folge 1)
: Freundschaften auf der Tour