Victoria Schrödl: Von Gatow nach New Jersey

Victoria Schrödl: Von Gatow nach New Jersey
Victoria Sophie Schrödl im Einsatz für das Bundesliga-Team des Berliner Golf Club Gatow. Foto: Arne Bensiek

Sie ist die Jüngste im Bundesliga-Team des Berliner Golf Club Gatow und dennoch eine feste Größe: Die 18-jährige Victoria Sophie Schrödl hat seit Mai ihr Abitur in der Tasche und startet jetzt in ihr College-Stipendium in New Jersey. Dort tritt sie in große Fußstapfen.

Die Fairleigh Dickinson University in Hackensack liegt keine 20 Kilometer von New York Citys Central Park entfernt. Golfer aus Gatow haben dort einen ausgezeichneten Ruf. Zu verdanken ist das Michèle Holzwarth, Leistungsträgerin und Dauerbrennerin in Gatows Bundesliga-Team, die in allen vier Jahren mit dem College-Team die Conference gewinnen konnte. Sie war es, die als Erste in New Jersey anheuerte. Ihr folgten Florian Schrödl und jetzt auch seine Schwester Victoria Sophie. „Ich habe denen versprochen, sie bekommen mit Vicky einen Rohdiamanten“, sagt Holzwarth.

Victoria Sophie Schrödl wird in den USA versuchen, auch ihren eigenen Erwartungen gerecht zu werden. „Ich möchte mich verbessern, konstanter werden, vor allem im Putten und im kurzen Spiel“, sagt die Berlinerin. Dabei werde ihr das täglich Training mit dem College-Team helfen. Zwar hat Schrödl ihre Abiturprüfungen schon seit Mai hinter sich und konnte sich in den vergangenen Monaten im Berliner Golf Club Gatow auf ihr Golfspiel konzentrieren. „Aber oft ist etwas dazwischengekommen und ich habe weniger trainiert, als ich mir vorgenommen habe“, berichtet sie.

Menschlich viel gelernt von Team und Trainer

Manchmal sei es auch ihr starker Wille, der sich querstelle, gesteht Schrödl: „Mir ist es wichtig, zu trainieren, wann ich will und nicht, wenn andere wollen, dass ich trainiere.“ Aus dem schüchternen Mädchen, dass mit elf Jahren in den Club kam, ist eine selbstbewusste junge Frau geworden. „Von den anderen Spielerinnen im Team und unserem Trainer Joel Goodson habe ich nicht nur golferisch viel gelernt, sondern mich dank ihnen auch menschlich stark verändert“, ist Schrödl dankbar.

Handicap 1 hat Victoria Sophie Schrödl aktuell, aber auch wenn sie es in den USA zu ein Plushandicap bringt, träumt sich nicht davon, mit Golf ihr Geld zu verdienen. Foto: Arne Bensiek

Golf hat sie als Kind von ihren Eltern mit auf den Weg bekommen. „Die spielen beide, aber ich muss sagen, dass ich anfangs überhaupt nicht begeistert war“, erzählt die Studentin, die in Hamburg, Brüssel und zuletzt Berlin aufgewachsen ist. Es dauerte eine Weile, bis der Funke richtig übersprang. Neben ihrem eigenen Training, Turnieren und den Einsätzen in der 1. Deutschen Golf Liga hat Victoria Sophie Schrödl auch ihren C-Trainerschein gemacht und sich um den Nachwuchs gekümmert.

„Golf ist für mich heute eine große Leidenschaft, ein Hobby, das mich erfüllt“, sagt sie und stellt klar: „Ich habe keinerlei Ambitionen, eines Tages auf die Tour zu gehen und mit Golf mein Geld zu verdienen.“ Spaß am Golf sei für sie wichtig. Wo es stattdessen beruflich für sie hingehen könnte, zeigt ihr Studienfach: digitales Marekting.

Gatows Trainer Joel Goodson kommt zu Besuch

„Ich bin gespannt, wie weit das College-Golf sie voranbringt“, sagt Florian Schrödl, der nun gemeinsam mit seiner Schwester in New Jersey studiert. Vor ein paar Tagen sind die beiden in die USA geflogen. Für den großen Bruder, der amtierender Berliner Meister ist, könne die kleine Schwester am College sich auch in der mentalen Komponente des Golfspiels noch weiterentwickeln. „Es gibt die Möglichkeit, mit Psychologen zusammenzuarbeiten, was einem noch mehr Stabilität gibt“, sagt Florian Schrödl.

Gatows Trainer Joel Goodson werde seine Schülerin bald in den USA besuchen kommen, das hat er angekündigt. Ebenso Jessica Bailey, die beste Freundin von Victoria Sophie Schrödl und Leistungsträgerin in Gatow, die ebenfalls auf der anderen Seite des Atlantiks an ihrem Golfspiel feilt – in Daytona Beach.

„Ich stehe mit Jessica in ständigem Kontakt und habe schon geplant, mit ihr einige Trips zu machen“, freut sich Schrödl. Wenn im kommenden Jahr die DGL beginnt, werden beide wieder für Gatow spielen – und bis dahin voraussichtlich einige Fortschritte gemacht haben.

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