Wannsees Golferinnen sind Deutscher Meister

Wannsees Golferinnen sind Deutscher Meister
Hoch das Ding: Wannsees Alina Bingel, Julia Neumann, Emily Krause, Daniel Mertl, Catharina Lohoff, Luka Kienbaum und Miriam Hiller mit dem DGV-Mannschaftspokal. Foto: DGV/stebl

Die Bundesliga-Damen des Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee haben im niedersächsischen Hardenberg den Mannschaftspokal des Deutschen Golf Verbands (DGV) gewonnen. Beim Ersatz-Turnier für die ausgefallene DGL-Saison wurden Wannsees Herren Letzter, Gatows Damen nahmen nicht teil.

Für die Wannsee-Damen bedeutete der Sieg ein Stück Genugtuung, nachdem sie das Final Four der Deutschen Golf Liga (DGL) 2019 auf dem undankbaren vierten Platz abgeschlossen hatten. Luka Kienbaum, Julia Neumann, Catharina Lohoff, Emily Krause und Alina Bingel hatten nach drei Turnierrunden im Golf Club Hardenberg sechs Schläge Vorsprung vor dem Hamburger Golf-Club und holten sich damit den Deutschen Meistertitel. Wegen der Corona-Pandemie war die diesjährige Bundesliga-Saison abgesagt worden. Der DGV veranstaltete stattdessen einen Mannschaftspokal für die jeweils zehn Damen- und Herren-Team der Ersten Liga.

Als der Sieg feststand: Wannsees Junioren-Nationalspielerin Emily Krause, Catharina Lohoff und Luka Kienbaum (von links) auf dem Weg zu Trainer Daniel Mertl. Foto: DGV/stebl

„Wir sind Deutscher Mannschaftsmeister“, befand Daniel Mertl, der gemeinsam mit Mario Hansch Wannsees Bundesliga-Damen trainiert. „Es gab zwar keine DGL-Saison, aber aus meiner Sicht ist dieser Mannschaftspokal ein ehrlicher Titel, den wir uns auf einem anspruchsvollen Golfplatz gegen starke Konkurrenz erkämpft haben.“ Für die Wannsee-Damen war es nach 2003, 2006, 2010 und 2015 der fünfte Deutsche Mannschaftsmeistertitel. Wie andere Spitzenteams auch mussten die Berlinerinnen auf ihre College-Spielerinnen verzichten. Alexandra Försterling, Johanna Wollenhaupt und Tara Bettle sind bereits in die USA zurückgekehrt. Auch Zita Arndt durfte nicht spielen, da der DGV beim Mannschaftspokal – anders als in der DGL üblich – Pros einen Start verwehrte.

Gewissenhafte Vorbereitung

Wie ernst die Wannsee-Equipe den Ersatz-Wettbewerb nahm, zeigte die Vorbereitung: Schon am vergangenen Sonntag waren das Damen- und das Herren-Team zu einem Trainingstag ins dreieinhalb Autostunden entfernte Hardenberg gefahren, um den anspruchsvollen Niedersachsen-Course kennenzulernen. Mittwoch und Donnerstag spielten sie jeweils eine Proberunde, bevor der Wettbewerb am Freitag begann.

Freude über einen gelochten Zehn-Meter-Putt: Luka Kienbaum erwischte in Hardenberg ein besonders starkes Wochenende. Foto: DGV/stebl

Nach drei Zählspielrunden mit jeweils drei von vier gewerteten Ergebnissen pro Team beendeten die Wannsee-Damen das Turnier mit acht Schlägen über Par an der Spitze des Leaderboards. Der Hamburger Golf-Club (+14) wurde Zweiter, der Frankfurter Golf Club (+14) im Stechen Dritter. Der Mannschaftsmeister 2019 aus St. Leon-Rot (+16) kam auf den vierten Rang. Stärkste Spielerin im Wannsee-Team war Luka Kienbaum, die ihre drei Runden in Summe mit einem Schlag über Par absolvierte. „Ich bin wahnsinnig stolz auf unser Team“, freute sich die Psychologie-Studentin. Im vergangenen Jahr habe sie wegen ihrer langwierigen Handverletzung nicht so spielen können wie gewünscht. „Jetzt zurückzukommen und ganz vorne mitzuspielen, bedeutet mir enorm viel“, sagte Kienbaum.

Gatower Damen verzichteten auf Teilnahme

„Der Platz war nicht leicht zu spielen, weil der Ball kaum gerollt ist, außerdem gab es viel Wind“, schilderte Julia Neumann die anspruchsvollen Bedingungen beim Saison-Finale. „Aber der Platz ist wunderschön und wäre auch ein toller Austragungsort für ein Final Four im nächsten Jahr.“ Neumanns früherer Club, der Berliner Golf Club Gatow, trat als einziges Erstliga-Team in Hardenberg nicht an. Der Club begründete seine Entscheidung mit der undurchsichtigen Corona-Lage und dem Schutz seiner Spielerinnen. Aus Sicherheitsgründen hatte der DGV die Mannschaftsgröße im Vergleich zur DGL reduziert und in Hardenberg auch keine Zuschauer auf die Anlage gelassen.

Wannsees Team hinter den Teams: Sportdirektorin Miriam Hiller und Geschäftsführer Yasin Turhal. Foto: DGV/stebl

Bei den Herren siegten die Aufsteiger vom Hamburg Golf-Club mit 13 Schlägen über Par vor dem Golf-Club St. Leon-Rot (+19) und dem Golf-Club Herzogenaurach (+20) um den amtierenden Einzel-Europameister Matthias Schmid. Das Team aus Wannsee wurde mit 53 Schlägen über Par hinter dem Golf-Club Hubbelrath (+32) Letzter. Wobei das Team von Trainer Christian Kurras vor allem einen schlechten zweiten Turniertag (+31) erwischte und mit zehn Schlägen über Par am Sonntag ein deutlich verbessertes Bild abgab. „Ich glaube nicht, dass wir die Herren trösten müssen“, sagte Damen-Trainer Daniel Mertl. „Das hätte uns genauso passieren können.“ Bei einem Zählspiel-Wettbewerb über drei Tage mit einem so starken Teilnehmerfeld sei alles möglich.

DGL-Saison 2021 ist ungewiss

Ob es im kommenden Jahr eine reguläre DGL-Saison geben wird, vermag der Deutsche Golf Verband noch nicht abzuschätzen. „Ich bin zuversichtlich, dass es Wettbewerbe geben kann, wenn sie wie der Mannschaftspokal ohne Zuschauer stattfinden“, mutmaßte Daniel Mertel. Der DGV habe in Hardenberg einen sehr guten Job gemacht. Den wolle er mit seinem Damen-Team den Winter über nun auch machen: „Wir trainieren weiter, verzichten auf große Trainingsgruppen und hoffen, dass Corona uns nicht einschränkt.“

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