Manley Vernon: Mehr Erfahrung hat keiner

Manley Vernon: Mehr Erfahrung hat keiner
"I can still kick asses", sagt der 76-jährige Manley Vernon über seine unverminderte Spielstärke. Foto: Mike Wolff

Vor 60 Jahren hat Manley Vernon seine Ausbildung zum Golflehrer begonnen, heute ist er 76 und unterrichtet noch immer voller Begeisterung. „Ich sterbe sofort, wenn ich nichts mehr mache“, sagt der Golfpro aus Wilkendorf, den einst die Liebe von Jamaika nach Berlin zog.

„Ich hatte als junger Mann immer das Ziel, auf der US PGA Tour zu spielen, aber für jemanden, der so weiß ist wie ich, war das damals noch nicht möglich“, sagt Manley Vernon und lächelt. Der gebürtige Jamaikaner hat mit gerade mal 16 Jahren seine Ausbildung zum Golflehrer begonnen, in späteren Jahren bei vielen Einladungsturnieren in den USA, Kanada und auf der karibischen Tour gespielt.

Aus Liebe zu einer Berlinerin kam er 1981 nach Deutschland. Mit der Hoffnung, im Berlin Golf Club in Wannsee als Golflehrer arbeiten zu können. Aber so einfach war das nicht. „Die Amis wollten erst keinen Pro, die Soldaten haben einfach so ihre Bälle gekloppt“, erinnert sich Vernon. Für drei Jahre kam er zunächst im British Golf Club Gatow unter, bis er nach Bekanntschaft mit Clubmanager Bob Wise 1985 letztlich doch in Wannsee landete. „Da gab es für mich eine Menge zu tun“, sagt er. Genauso wie am Steglitzer Kreisel, wo Vernon auf einer Indoor-Driving-Range im vierten Stock an manchen Tagen 14 Stunden Unterricht gab.

Streng, ehrlich und ein großes Herz: Manley Vernon hat Talenten wie Falko Hanisch und Lydia Volkmer das Golfspielen beigebracht. Foto: Mike Wolff

In die ersten Pläne für eine Golfanlage in Wilkendorf sei er Anfang der Neunzigerjahre eingebunden gewesen, berichtet Vernon. Es dauerte allerdings noch ein paar Jahre, bis er dann 1998 als Golflehrer nach Altlandsberg kam. Heute, 22 Jahre später, gilt Vernon als Urgestein des Clubs, als strenger, ehrlicher Lehrer mit einem großen Herz. „Manley war mein erster Golflehrer und er hat es geschafft, dass ich voller Motivation den ganzen Winter durch Bälle geschlagen haben“, sagt Jan Förster, der als Trainer 2018 mit dem Herrenteam des Frankfurter Golf Clubs Deutscher Vizemannschaftsmeister wurde. „Er hat eine Gabe dafür, seinen Schülern gute Bilder im Kopf zu vermitteln.“

Ein Vertreter der alten Schule

Über seine Philosophie als Golflehrer sagt Manley Vernon: „Different strokes for different folks.“ Es gebe nicht den einen einzig wahren Schwung. Zu seinen Schülern sei er ehrlich, manchen vielleicht zu ehrlich. „Wenn etwas nicht gut ist, dann sage ich auch nicht, dass es gut ist“, erklärt Vernon. Eine alte Schule, die bei manchen gut ankomme, andere derweil erstaune. „Manche sagen, ich sei ein harter Trainer.“ Man könnte sagen: Der Erfolg gibt ihm Recht. Neben Jan Förster hat Vernon auch Falko Hanisch und Lydia Volkmer trainiert, die zu den besten Amateurgolfern in Deutschland zählen.

Sein eigenes Spiel pflegt Manley Vernon bis heute – anders als viele Golflehrer, die irgendwann die Schläger in die Ecke stellen. Wenn er zwischen zwei Unterrichtsstunden eine größere Pause habe, dann nehme er sich ein Cart, fahre auf den Platz und spiele. „I can still kick asses“, lässt Vernon in seiner Muttersprache wissen. Vornehm ausgedrückt: Auch mit seinen 76 Jahren könne er noch ein Ergebnis von unter Par ins Clubhaus bringen.

12 Holes-in-one habe er in seinem Leben geschlagen, sagt Manley Vernon. Foto: Mike Wolff

„Ich fühle mich noch fit“, antwortet er auf die Frage, warum er noch immer arbeite. Golf sei seine große Leidenschaft, die Menschen im Golfpark Schloss Wilkendorf seine Familie. Er könne nicht einfach rumsitzen. „Ich sterbe sofort, wenn ich nichts mehr mache“, ist Vernon überzeugt. Manche seiner Schüler unterrichte er seit 30 Jahren. Wie etwa Holger Rausch aus Seddin, der in der Regel mehrmals im Jahr für Trainerstunden zu ihm komme. Großen Spaß habe er auch immer noch an Pro-Reisen, mal nach Spanien, mal in die Türkei, mit Gruppen von acht bis zehn Golferinnen und Golfern.

Früher wie ein Verrückter trainiert

Ob er seine Heimat, die Karibik vermisse? „Früher bin ich jedes Jahr zur Jamaican Open geflogen und anschließend noch ein paar Wochen dort geblieben“, erzählt Vernon. „Nach dem Turnier war mir meist aber eher langweilig.“ 12 Holes-in-one habe er in seinem Leben geschlagen, das aus ihm auch einen Cricketspieler hätte machen können – so sehr liebe er diesen Sport. Aber die einträgliche Arbeit als Caddy führte ihn mit 14 Jahren zum Golf. „Als Jugendlicher habe ich wie ein Verrückter trainiert, bin morgens um 5 Uhr aufgestanden.“

Wer eine Trainerstunde bei Manley Vernon bucht, weil er seinen Driver nicht trifft, den lässt der Trainer erst einmal saubere Wedges schlagen. „Das ist deutlich einfacher, aber die Fehler beim Drive sind bei den Schlägen mit dem Wedge schon zu erkennen und anzugehen“, ist Vernon sicher.

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