Berlins größter Golfhändler wird 25

Berlins größter Golfhändler wird 25
Im Zweifelsfall einen Schlägersatz oder ein Bag zu viel als zu wenig: Denis und Jürgen Hohmann (rechts) von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Foto: Mike Wolff

Ein Interview mit Jürgen Hohmann (70) und seinem Sohn Denis (36) von Berlins größtem Golfhändler Hohmann Golf zu Fitting nach Gefühl, dem Berliner Markt und einem Driver für 1699 D-Mark.

Herr Hohmann, Sie hatten früher eine florierende Firma, die war spezialisiert auf den Einbau von Autoradios, Autotelefonen, Schiebedächern sowie auf Reifen und Felgen. Wie kamen Sie darauf, vor 25 Jahren auch noch einen Golfladen zu eröffnen?

Jürgen Hohmann: Die Autos waren ein guter Markt. Es gab schließlich mal eine Zeit, in der Autos noch nicht serienmäßig ein Radio oder Telefon besaßen. Aber Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger zeichnete sich ab, dass unser Geschäft aussterben würde. Die Geräte wurden immer kleiner und ließen sich beim Autokauf vom Hersteller gleich mitbestellen. Ich wusste damals, ich muss irgendwas Anderes machen. Am besten etwas im Bereich Freizeit.

Warum Golf?

Jürgen Hohmann: Ich war zwar Tennisspieler, aber Golf hat mich persönlich noch mehr gereizt. Für Berlin und mehr noch für Brandenburg war das nach der Wende eine völlig neue Sportart. Es gab bis dahin ja nur die Wenigen, die in Wannsee oder Gatow spielten. Ein Freund aus dem Tennisverein hatte mich zum Golfen mit raus nach Kallin genommen. Ich fand es großartig. Denis war damals elf Jahre alt und auch dabei.
Denis Hohmann: Mir hat es am Anfang keinen großen Spaß gemacht. Wenn meine Eltern auf dem Golfplatz waren, habe ich eher am Clubhaus Tischtennis gespielt.

Das muss sich irgendwann geändert haben.

Jürgen Hohmann: Ich weiß noch genau, wann. 1994 haben wir unseren ersten Golfurlaub in Tunesien gemacht. Denis ist eher widerwillig mit auf die Runde gegangen. Als er auf der 18 dann einen Ball aus 30 Metern eingechipt hat, wurden seine Augen plötzlich immer größer und größer.
Denis Hohmann: War das so? Ich erinnere mich nicht.
Jürgen Hohmann: Ich mich aber. Da hat es bei dir klick gemacht.

Jürgen Hohmann Golf Berlin 25 Jahre Interview
„Bei uns geht es familiär zu“: Jürgen Hohmann. Foto: Mike Wolff

Wie sah es damals in Ihrem Golfladen aus?

Jürgen Hohmann: Die Anfänge waren eher provisorisch. Ich habe in meinem alten Werkstattbetrieb am S-Bahnhof Charlottenburg eine Ecke freigeräumt. Die ersten Schläger kamen von Wilson, Bälle von Titleist. Zu Beginn hatten wir nicht mal Golfschuhe im Angebot. Zum Glück bekamen wir ziemlich schnell welche von Footjoy. Und mit der Zeit kam natürliche eine Menge Material zusammen.

Da wurde es dann bestimmt eng in der Ecke.

Jürgen Hohmann: Ja, zu eng. Oben drüber lag glücklicherweise meine alte Junggesellenwohnung mit 100 Quadratmetern. Die haben wir geräumt, einen Durchbruch gemacht zu einem Lagerraum, preiswerten Filzboden verlegt und dann hatten wir plötzlich ein Golfgeschäft auf zwei Etagen und mit 280 Quadratmetern.
Denis Hohmann: Das fand ich ziemlich interessant. Obwohl ich damals als Kind in den Radiohallen auch das ein oder andere gebastelt hatte. Aber als Golf begann, eine größere Rolle für mich zu spielen, war das natürlich toll mit dem ganzen Equipment.

Scope oder Trackman gab es ja damals noch nicht. Wie lief das Fitting?

Jürgen Hohmann: Die Messgeräte kamen erst später. Wir hatten eine Abschlagbox mit Netz. In den ersten fünf Jahren gab es nichts anderes als das Gefühl im Bauch.
Denis Hohmann: Na ja, eine Messlatte und ein Lie-Board hatten wir schon immer.

Wie sah es mit Konkurrenz aus?

Jürgen Hohmann: Im KaDeWe gab es eine kleine Golfabteilung. Außerdem startete Golf House in der Berliner Uhlandstraße etwa zeitgleich mit uns. Aber auch über Pro-Shops lief damals einiges. In vielen Clubs gaben die Pros Unterricht und ihre Frauen machten den Verkauf. Wenn der Pro dann sagte, geh zu meiner Frau, die gibt dir die richtigen Schläger, dann war das Geschäft so gut wie gemacht. Wir haben in den 25 Jahren selbst auch einige Pro-Shops betrieben wie etwa in Wannsee oder tun das noch immer wie in Seddin.

Seit vielen Jahren ist Hohmann Golf nun in der Franklinstraße zuhause, in einem roten Backsteinbau voller Charme, mit Café-Terrasse direkt an der Spree. Haben Sie sich einen Traum erfüllt?

Jürgen Hohmann: Als wir uns die Räumlichkeiten vor zehn Jahren angesehen haben, waren unsere ersten Gedanken: Wow, ist das Gebäude schön. Und: Das ist ja viel zu groß. Wir haben es dann trotzdem gewagt. Und Bumm, war der Laden rappelvoll mit Material. Wir haben hier mindestens 200 Golfbags und 300 Putter stehen. Diese Menge hat uns auch großgemacht. Ich war oft in Asien und kenne auch Amerika ganz gut. Um so einen Laden wie unseren zu finden, mit der Größe, dem Charme, den Übungsanlagen, dem Café und der Lage, dafür muss man lange durch die Welt reisen.
Denis Hohmann: Das gibt es so im Zusammenhang mit Golf wahrscheinlich kein zweites Mal.

Denis Hohmann Golf Berlin 25 Jahre Interview
„Wir hatten schon immer eine eher sportliche Klientel“: Denis Hohmann. Foto: Mike Wolff

Welche Golfer kommen zu Ihnen in den Laden?

Denis Hohmann: Wir hatten immer schon eine eher sportliche Klientel. Bei uns steht im Zweifelsfall eher ein Schlägersatz oder ein Bag zu viel als zu wenig. Wettbewerber Golf House war dagegen immer schon etwas textillastiger und schicker.
Jürgen Hohmann: Wir sind ein privat geführtes Unternehmen, hier gibt es einen Kaffee, hier wird auch mal eine Wurst gegrillt. Bei uns geht es familiär zu. Wir pflegen vielleicht auch eine einfachere Sprache und einen ungezwungeneren Umgang als andere.

Das Material ist in den vergangenen 25 Jahren deutlich besser geworden. Gibt es auch Dinge, die heute schlechter sind?

Jürgen Hohmann: Es gab schon damals eine Vielzahl guter Schläger, das darf man nicht vergessen. Allerdings könnte man als Händler den Preisverfall bedauern. Ich denke an den ersten Callaway S2H2 mit Graphitschaft. Der Eisensatz mit neun Schlägern kostete damals 4200 D-Mark. Wenn Sie den Preis auf Euro halbieren und heute verlangen würden, bekämen die Leute Schnappatmung. Die erste Big Bertha kostete 1200 D-Mark, die Biggest Big Bertha später sogar 1699 D-Mark. Ein richtiges Wort zum Sonntag. Aber die Leute haben das bezahlt.

Was kommt in den nächsten 25 Jahren auf Golfhändler wie Sie zu?

Jürgen Hohmann: Das Internet wird sicher weiter an Bedeutung gewinnen. Aber das Netz ist ganz gewiss keine Einbahnstraße. Menschen werden in Zukunft vielleicht sogar ein noch größeres Bedürfnis haben, persönlich beraten zu werden, Produkte ausprobieren zu können, und wenn sie ihnen gefallen, sofort mit nach Hause nehmen zu können. Und wenn Online-Kunden plötzlich für die Rücksendung ihrer Bestellung sieben Euro zahlen sollen – was durchaus passieren kann –, dann gewinnt der stationäre Handel noch mehr an Attraktivität.