Deutsche Golf Liga limitiert ausländische Neuzugänge

Deutsche Golf Liga limitiert ausländische Neuzugänge
Die Deutsche Golf Liga (hier beim diesjährigen Final Four im Kölner Golfclub) geht 2019 in ihr siebtes Jahr – mit neuen Statuten für das Spielrecht von ausländischen Golferinnen und Golfern. Foto: Arne Bensiek

Mehr eigener Nachwuchs, weniger Söldner – das sollen neue Statuten der Deutschen Golf Liga (DGL) sicherstellen. Der Berliner Golf Club Gatow, wohl Adressat der Neuregelung, ist mit seinen Bundesliga-Damen aber vorerst nicht betroffen.

Als das Präsidium des Deutschen Golf Verbands (DGV) vor einigen Wochen beschloss, das Spielrecht für ausländische Golferinnen und Golfer in den Teams der DGL zu limitieren und die Liga-Statuten entsprechend zu ändern, fühlte man sich im Berliner Golf Club Gatow durchaus als Zielscheibe der Neuregelung. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der DGV auch uns dabei im Sinn hatte“, sagt Joel Goodson, Trainer der Gatower Damen-Mannschaft. Mit Lianna und Jessica Bailey sowie Chloe Ryan gehören zwei Engländerinnen und eine Irin zu den Leistungsträgerinnen des Berliner Traditionsclubs. Und es ist kein Geheimnis, dass die Ausnahmegolferinnen für die DGL-Spieltage jeweils eingeflogen werden.

Einigen Konkurrenten in der Liga ist dieses Prozedere offenbar ein Dorn im Auge. Jedenfalls sagt der Kommunikationschef des DGV Jörg Schlockermann: „Die Initiative, die Zahl ausländischer Neulinge in der DGL zu begrenzen, kam aus den Clubs.“ Von der kommenden Saison an darf nun lediglich eine Spielerin oder ein Spieler pro Team einen ausländischen Pass haben. Nicht betroffen davon sind allerdings ausländische Spielerinnen und Spieler, die bereits seit drei Jahren und mehr Clubmitglied sind. „Wenn Spieler oder Spielerinnen aus dem Ausland mit Geld in die DGL gelockt werden, läuft das unserem Konzept für die Liga zuwider“, erklärt Schlockermann. Der Verband sehe in den höchsten nationalen Spielklassen allen voran ein Sprungbrett für den deutschen Nachwuchs – im besten Fall mit der Tour als Ziel.

Regelung trifft Gatow derzeit nicht

Im Fall von Gatow macht eine Änderung der DGL-Statuten vorerst indes kein Unterschied. „Unsere ausländischen Spielerinnen sind schon mindestens drei Jahre im Club“, sagt Damen-Trainer Goodson. „Chloe Ryan seit 2015 und Lianna und Jessica Bailey seit 2016.“ Auch wenn die neuen Beschränkungen das Gatower Team nicht treffen und der Club zur neuen Saison sogar eine weitere Spielerin aus dem Ausland verpflichten könnte, hält der Engländer Goodson die Neuregelung für einen Fehler: „Das schwächt das Niveau in der DGL und macht so die Liga für die deutschen Spitzenamateure weniger interessant.“ Mit jeder Einschränkung büße die DGL Attraktivität ein. „Ich halte die Regelung auch angesichts des globalen politischen Klimas für ein falsches Zeichen.“

Sebastian Rühl, Nationaltrainer der deutschen Mädchen, will die sportlichen Auswirkungen der neuen Regelung dagegen nicht überbewerten: „Die Begrenzung der Anzahl neuer ausländischer Spielerinnen und Spieler wird aus meiner Sicht keinen unmittelbaren Einfluss auf die Spielstärke in der DGL haben.“ Der Verband ziele mit der Statutenänderung eher in die Zukunft, um den Charakter der Liga zu schützen. Denn laut Rühl ist die Attraktivität der DGL einer der entscheidenden Gründe dafür, dass Deutschland im weiblichen Nachwuchsbereich derzeit über eine Leistungsdichte verfüge wie nie zuvor. „Für unsere Nachwuchsspielerinnen ist die DGL ein wahnsinnig wertvolles Entwicklungsinstrument, weil sie dort gut betreut sind und auf hohem Niveau gewinnen lernen können“, sagt Rühl.

DGV wünscht sich Gentleman’s Agreement

Harald Binnewies, Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg, hält es für einen Fehler, die DGL zur Schutzzone zu erklären. „Letztlich hilft die Neuregelung dem Verband, der den unzufriedenen Clubs sagen kann: Wir haben etwas getan“, sagt Binnewies. „Leider wird die Zahl der Golfclubs, die in den Nachwuchs investiert, dadurch auch nicht wesentlich steigen“, prognostiziert er. Noch ist ungewiss, ob es Clubs geben wird, die sich den neuen Statuten widersetzen oder sie gar anfechten würden. Auch daher hofft der Deutsche Golf Verband auf eine gemeinsame Übereinkunft aller Clubs in der DGL. „Wir wünschen uns ein Gentleman’s Agreement, das den Ausbildungscharakter der Liga anerkennt“, sagt DGV-Sprecher Schlockermann.

Ungeachtet der neuen DGL-Spielregeln hat der Berliner Golf Club Gatow schon im Sommer eine große Jugendoffensive angekündigt. „Wir fühlen uns dem Breitensport verpflichtet und sind gleichzeitig stolz darauf, in der Ersten Bundesliga zu spielen“, sagt Joel Goodson. Dass der Club sich in der Vergangenheit immer wieder Verstärkung aus dem Ausland gesucht habe, habe den besten Spielerinnen des Clubs überhaupt erst ermöglicht, auf höchstem Niveau spielen und reifen zu können.