Vom Container zum krisenfesten Ladengeschäft

Vom Container zum krisenfesten Ladengeschäft
Golfhändler Christian Kumbier im Ladengeschäft von Golf for All in Blankenfelde-Mahlow. Foto: Mike Wolff

Mit einem Mizuno-Driver fing es an. Christian Kumbier hatte ihn aus den USA mit nach Berlin gebracht, wo es den Schläger noch gar nicht zu kaufen gab. Kumbier versteigerte das begehrte Stück, amüsierte sich über die Aufregung und gründete mit Golf for All ein Geschäft, das seit Jahren wächst – und nun auch den Pro-Shop in Motzen übernimmt.

Anfangs verkaufte der gelernte Marketing- und Vertriebskaufmann das Golfequipment noch aus zwei Containern neben der damaligen Driving-Range am Flughafen Tegel, später von einer schicken Remise in Wilmersdorf aus. 2014 zog Christian Kumbier dann mit seinem Golfgeschäft nach Blankenfelde-Mahlow, ganz in die Nähe der Golfanlagen Gross Kienitz. 400 Quadratmeter, das schien dem gebürtigen Reinickendorfer zu Beginn ausreichend. „Nach anderthalb Jahren haben wir gemerkt, dass wir deutlich mehr Platz brauchen“, sagt Kumbier. Golf for All wechselte in eine neue Halle auf der anderen Straßenseite und hat dort inzwischen 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Die derzeitige Zwangsschließung angesichts der Corona-Pandemie treffe sein Geschäft nicht übermäßig, da er noch immer einen Großteil online verkaufe, berichtet der 55-Jährige. Hilfreich sei auch, dass sein Unternehmen breit aufgestellt sei und neben Golfprodukten hochwertiges Wassersport-Equipment und beheizbare Socken und Handschuhe verkaufe. „Im letzten Jahr waren unsere Stand-up-Paddling-Boards restlos ausverkauft, so sehr hat es die Leute raus aufs Wasser gezogen.“

Trackman-Simulator, Putting-Grün und alle gängigen Schlägermarken hat Golf for All zu bieten. Foto: Mike Wolff

Im Golfbereich liege der Schwerpunkt von Golf for All auf Schlägern, Kleidung und Bags. Für das Fitting von Eisen und Hölzern gibt es im Ladengeschäft einen Trackman-Simulator, den Winter über sogar stets zwei sowie eine weitere Abschlagbox mit einem anderen Messsystem. „Die Mannschaften aus Motzen, Gross Kienitz und Mahlow hatten den Winter über eigentlich unsere Boxen schon so gut wie ausgebucht, was wegen der Zwangsschließung leider nicht stattfinden kann“, bedauert Kumbier, der von der Nähe zu den drei Golfclubs spürbar profitiert.

Neue Kunden gewinnen über den Pro-Shop

Mit dem Golf & Country Club Motzener See hat der Unternehmer vereinbart, dass Golf for All zukünftig den Pro-Shop des Leading Golf Clubs betreibt. Ein Schritt, den er bisher eher gescheut hatte, um in seinen Entscheidungen komplett freie Hand zu haben. „Ich sehe im Motzener Pro-Shop ein großes Potenzial, um Kunden für uns zu gewinnen“, sagt Kumbier, der dafür einen zusätzlichen Mitarbeiter beschäftigen wird. „Unser Ziel ist es, in Zukunft noch besser mit den Clubs hier vor Ort zusammenzuarbeiten.“

Statt der zwei Container von einst verkauft Christian Kumbier heute auf 1200 Quadratmetern. Foto: Mike Wolff

Golf for All führe die Produkte aller gängigen Hersteller wie Taylor Made, Callaway, PING, Titleist oder Wilson – und mit Edelmetall sogar die Schläger einer deutschen Marke, die besonderen Wert auf Gewichtsverteilung und Balance legt. „Die Qualität steckt bei Edelmetall schon im Namen und ich weiß, dass 150 Euro pro Eisen sicher kein Preis für die breite Masse ist“, sagt Kumbier. Allerdings ließen sich beim Fitting der geschmiedeten Eisen bis zu zehn Gramm zusätzlich am Schlägerkopf befestigen, um so das Optimum auszuloten, das dann individuell angefertigt werde.

Zwischen 20 und 35 fast täglich Golf gespielt

Sein Wissen als Schlägerfitter hat Kumbier sich durch Schulungen und Einblicke in die Produktion erworben. „Ich habe auch damals auf der Driving-Range in Tegel gemeinsam mit den Pros so viele Fittings gemacht, dass ich schnell gelernt habe, worauf es ankommt“, erinnert er sich. Auf die Range oder den Platz geht Kumbier heute selbst kaum noch; das Geschäft nehme ihn genug in Beschlag. Er habe zwischen seinem 20. Und 35. Lebensjahr fast täglich die Schläger geschwungen, sei zunächst Mitglied in Kallin gewesen, später in Köln am Alten Fliess. Jetzt führt er ein Team von fünf Mitarbeitern, darunter seine Frau Diana.

Die namentliche Nähe von Golf for All zum niedersächsischen Konkurrenten „All 4 Golf“ sei keine Absicht. „Ich saß damals mit ein paar englischsprachigen Pros im Irish Pub und grübelte zusammen mit ihnen über einen passenden Namen für unser Geschäft“, berichtet Kumbier. „Dabei kam Golf for All heraus.“ Es komme allerdings gar nicht selten vor, dass Kunden versehentlich in Blankenfelde-Mahlow statt in Hannover anriefen, um einen Artikel aus dem „All 4 Golf“-Flyer zu bestellen. Er helfe ihnen dann gerne mit seinem Sortiment weiter. Nur einen hochexklusiven Mizuno-Driver wie einst kann Kumbier heute nicht mehr anbieten.

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