Timo Klischan: Clubmeister trotz Handicap

Timo Klischan: Clubmeister trotz Handicap
Timo Klischan vom Berliner Golf & Country Club Motzener See hat ein aufregendes Golfjahr 2018 hinter sich. Foto: Christopher Tiers/DGV

Seit seiner Geburt kann Timo Klischan seinen linken Arm nicht heben. Trotz dieser Behinderung ist der 36-Jährige amtierender Clubmeister im Berliner Golf & Country Club Motzener See, Leistungsträger in der Clubmannschaft und sogar Nationalspieler.

Timo Klischans golferisches Handicap liegt derzeit bei -3,2. Beeindruckend, denn sein körperliches Handicap, genannt Erbsche Lähmung, hindert ihn daran, den Bizeps und den Deltamuskel seines linken Armes zu bewegen. „Ich kann dadurch den linken Arm nicht heben und auch nicht oben halten“, erklärt der gebürtige Dortmunder, der inzwischen in Luckenwalde zuhause ist. Beim Golfschwung müsse daher sein rechter Arm die Arbeit machen, sein linker helfe ihm lediglich bei der Stabilisierung. „Natürlich freue ich mich, dass ich meinen linken Arm habe, zumal ich meine Hand auch einwandfrei bewegen und benutzen kann“, schiebt Klischan voraus. Allerdings sei ihm der linke Arm, der den Schläger nun einmal nicht ziehen könne, beim Golfschwung leider gerne auch mal im Weg.

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Einsatz in Schwarz-Rot-Gold: Timo Klischan gehört zur Deutschen Nationalmannschaft der Golfer mit Behinderung. Foto: DGV

Dass er als Kind anfing, Feldhockey und Tennis zu spielen statt Laufen zu gehen, wo der Arm kein großer Faktor ist, sei die Idee seiner Eltern gewesen. „Ihnen war wichtig, dass ich meinen linken Arm so viel wie möglich einsetze und damit die Muskeln stimuliere“, erzählt Klischan. Als Feldhockeytorwart spielte er für den TSC Eintracht Dortmund in der Regional- und Oberliga. Zum Dortmunder Sportler des Jahres 2014 wurde er für seine außergewöhnlichen Leistungen im Hockeytor und auf dem Golfplatz gewählt. „Für mich ist Golf ein idealer Sport, weil körperlich behinderte Menschen problemlos mitspielen können und ihre Leistungen dank des Handicap-Systems mit denen von Menschen ohne Behinderung vergleichbar sind“, sagt er.

Zum zweiten Mal in Folge Clubmeister

Klischan hat Sportmanagement studiert und arbeitet heute als Geschäftsführer des Kreissportbundes Teltow-Fläming. Sein Heimatclub ist seit vier Jahren der Berliner Golf & Country Club Motzener See. „Ich habe vorher in Dortmund auf einem eher städtisch geprägten Golfplatz gespielt und war von der Weite und der Natur in Motzen sofort begeistert“, erinnert er sich. Dass er es mit seiner Behinderung einmal zum Clubmeister schaffen würde, habe er damals nicht für möglich gehalten. Im vergangenen Jahr holte Klischan den Titel sogar zum zweiten Mal in Folge.

Sein Anspruch an sich und sein Golfspiel ist hoch. An vier Tagen in der Woche steht er auf dem Golfplatz. In der Motzener Herrenmannschaft, die aus einem Kader von rund 20 Spielern besteht und in der Oberliga antritt, zählt Klischan zu den Leistungsträgern. „Ich gehöre sicher zu den Motiviertesten“, sagt er, der seine Urlaubstage zusammenhält für Golfturniere. Gut so, denn Klischan ist mittlerweile auch Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft der Golfer mit Behinderung. Außerdem hat der Wahlbrandenburger einen Tourpass der European Disabled Golf Association, was ihm den Start bei zahlreichen internationalen Turnieren ermöglicht.

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Timo Klischan (3. von rechts) und das siegreiche Team Europa beim ISPS HANDA Disabled Golf Cup 2018 im Metropolitan Golf Club in Melbourne. Foto: Mark Avellino

Bei der Internationalen Amateurmeisterschaft der Golfer mit Behinderung in Hamburg wurde Klischan im vergangenen Jahr Zweiter. Auf den Sieg des mehrfachen Deutschen Meisters bei der Finish Disabled Open in Vaasa folgte dann ein noch größeres Highlight: Im November wurde der Luckenwalder zur Australian All Abilities Championship (AAAC) eingeladen. Als Achter der europäischen Rangliste der Disabled Golfer gehörte er zu einem exklusiven Kreis, der sich Down Under in einem ganz besonderen Umfeld messen konnte. „Der Wettbewerb der Behindertensportler war integriert in die Australian Open im The Lakes Golf Club in Sydney, so dass wir mit unseren Flights zwischen denen der Tourpros gespielt haben“, erzählt Klischan.

Hole-in-one bei Tour-Bedingungen

Für den Brandenburger bedeutete das komplett ungewohnte Bedingungen: das Toursetup des Platzes mit pfeilschnellen Grüns, viele Zuschauer und Tribünen, die die Bahnen zusätzlich verengen. „Ich war überfordert mit allem, was ich in den ersten Tagen dort erlebt habe“, sagt Klischan. „Man kann sich als Amateur kaum vorstellen, was es mental bedeutet, bei einem Tourevent nicht am Rand zu stehen, sondern mitzuspielen.“ Sein bestes Golf konnte der gebürtige Dortmunder in Sydney nicht zeigen; er wurde Neunter von zwölf Spielern. Doch die anfängliche Enttäuschung hat Klischan verwunden. Was geblieben ist, sind ein Hole-in-one – sein erstes überhaupt – auf der Proberunde und unschätzbare Erfahrungen und Erinnerungen.

Zumal Klischan in Australien auch einen Sieg feiern konnte: Nach der AAAC folgte für den Golfer aus Motzener und sein Team aus Europa noch ein Kontinentalvergleich mit einem Team von Australiern – mit dem besseren Ende für die Gäste. Auch dieser Wettkampf war integriert in ein Profievent, diesmal der World Cup of Golf im Metropolitan Golf Club in Melbourne. Dort traf Klischan unter anderem Martin Kaymer und Max Kieffer.

Mitgebracht hat Klischan aus Australien eine Menge Motivation, weiter an sich zu arbeiten. Ein lohnendes Ziel hat er. In diesem Jahr steht die Team-EM an. „Wenn ich an meine Reise nach Australien zurückdenke, dann hat sie mir geholfen, mein eigenes Golfspiel besser in Relation zu setzen zu der unglaublichen Leistung der Profis“, sagt Klischan bescheiden. Aber Tourspieler, das weiß jeder Golfer, haben auch kein Handicap.

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