Golfschuhe: Zwischen Halt und Komfort

Golfschuhe: Zwischen Halt und Komfort
Leichte Sneaker oder stabile Softspikes? Vor dieser Wahl stehen Golfer beim Schuhkauf? Foto: Hohmann Golf

Golfschuh ist nicht gleich Golfschuh, seitdem Metallspikes außer Mode gekommen sind. Sechs von zehn verkauften Paar sind heute Golfsneaker. Warum Händler Denis Hohmann trotzdem auf ein Comeback der Metallspikes hofft.

„Ich habe es immer geliebt, mit Metallspikes zu spielen“, sagt der ehemalige Bundesliga-Spieler. „Die Traktion und der Seitenhalt, den sie bieten, sind unerreicht.“ Allerdings seien Schuhe mit Metallspikes heute effektiv vom Markt verschwunden. Es gebe keinen nennenswerten Hersteller mehr, der noch auf die klassische Besohlung setze, berichtet der Equipmentexperte von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Manche Golfclubs hätten Metallspikes per Verbot sogar komplett von ihren Anlagen verbannt.

Stattdessen seien Golfsneaker inzwischen der beliebteste Golfschuh. „Sie sind bequem, fluffig, leicht und oft auf den ersten Blick gar nicht als Golfschuhe zu erkennen“, sagt Denis Hohmann. „Das spricht viele Golferinnen und Golfer an, weil sie die Schuhe schon auf dem Weg zum Golfplatz tragen können oder sogar tagsüber im Büro.“ Ein Schuhwechsel auf dem Parkplatz oder in der Umkleide des Golfclubs – früher selbstverständlich – ist nicht mehr nötig. Praktisch ist auch, dass viele Clubsrestaurants und Bars, in denen Golfschuhe mit Spikes verboten sind, bei Golfsneakern ein Auge zudrücken.

Bei Nässe und Schräglagen punkten Spikes

„Sneakers haben trotzdem auch Nachteile“, gibt Denis Hohmann zu bedenken. Gerade leistungsorientierte Spieler mit einem kräftigeren Schwung, einer schnelleren Rotation und einer höheren Schlägerkopfgeschwindigkeit verlören in den weichen Sneakern schnell den notwendigen Halt: „Auch bei Nässe, beim schrägen Stand in einer Böschung oder direkt vor der Bunkerkante können Sneaker nicht mithalten mit Golfschuhen, die fest verankerte Kunststoffspikes haben.“

Denis Hohmann rät daher am besten zu zwei paar Schuhen, die je nach Situation zum Einsatz kommen können. „Im Golfurlaub bei 30 Grad und einer lockeren Runde will niemand in wasserdichten Lederschuhen schwitzen, da bietet sich ein ganz leichter Sneaker an“, sagt er. Wenn aber hierzulande auf der Runde mal einen Wolkenbruch zu erwarten ist – egal zu welcher Jahreszeit – oder es im Jahresmatchplay des Clubs auf einen oder zwei Schläge ankommen könnte, dann rät Hohmann zu stabilen Golfschuhen.

Golfschuhe, MyJoys, Footjoy, Hohmann Golf
Vier mögliche Weiten und ein individuelles Schuhdesign: Denis Hohmann trägt MyJoys von Footjoy. Foto: Hohmann Golf

Hersteller gibt es zuhauf: Footjoy, Adidas, Puma, Nike, Ecco, Sketchers, Champ und noch mehr. „Ich persönlich mag Footjoy sehr, weil die Schuhe in vier verschiedenen Weiten zu bekommen sind und man seine Golfschuhe mit dem MyJoys-Programm sogar individuell gestalten kann“, sagt Denis Hohmann. Footjoy biete zudem auch ein Schuh-Fitting an. „Die Schuhe des dänischen Herstellers Ecco sind auch sehr beliebt, weil ihr Yakleder sehr weich und angenehm zu tragen ist“, erklärt Hohmann. Die US-Marke Sketchers punkte mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis und „guten Styles“, wie es der Materialexperte nennt. „Bei Adidas mag ich den Tour 360, weil er ein echter Golfschuh ist und mit dem BOA-Schnürsystem auf der Runde nicht aufgehen kann.“

Hohmann sagt, er hoffe, dass sich die Hersteller der guten alten Tradition besännen und Schuhe mit Metallspikes wieder in ihre Produktpalette aufnähmen: „Ich fände es schön, wenn die Kunden selbst entscheiden könnten: Sneaker, Softspikes oder Metallspikes?“ Er sei hoffentlich nicht der einzige, sagt er, der für den nötigen Halt auf der Runde vorher liebend gerne in die Umkleide gehe, um schnell noch seine Schuhe zu wechseln.

Zur Person:Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:
Schlägerköpfe: Gegossen oder geschmiedet?
Hybrids: Die Mär von der Allzweckwaffe
Gradwanderung: Die passenden Wedges
Stahl oder Graphit? Was beim Schaft zählt
Wie finde ich den richtigen Golfball?
Clubfitting ist keine Frage des Handicaps