Hans-Georg Giering: Motzener Gelassenheit

Hans-Georg Giering: Motzener Gelassenheit
Nicht immer schmeißen die Eichhörnchen die Golfbälle zurück auf die Bahn: Hans-Georg Giering trägt die knifflige Lage mit Fassung. Foto: Mike Wolff

Seit Mai 2017 ist der promovierte Physiker Hans-Georg Giering Präsident des Berliner Golf & Country Club Motzener See. Von bewundernswerter Gelassenheit, dressierten Eichhörnchen und einem Golfstar, den er kurz ließ.

Die Runde, in der Hans-Georg Giering das beste Golf seines Lebens gespielt hat, liegt noch nicht lange zurück. Bei der BMW International Open 2017 durfte der Präsident des Berliner Golf & Country Club Motzener See an der Seite von Frankreichs Victor Dubuisson aufteen – im ProAm versteht sich. Und an diesem Tag im Golfclub München Eichenried, auf der ganz großen Bühne, gelang Giering plötzlich deutlich mehr, als er sonst von sich auf dem Golfplatz erwarten würde. „An einem Loch habe ich Victor Dubuisson sogar mit dem Driver kurz gelassen“, erzählt Giering, „als er ein Eisen genommen hat.“

Geblieben sind dem 59-Jährigen von diesem Tag unvergessliche Erinnerungen und ein Autogramm des Franzosen auf dem Cover seines Putters. Giering sagt, er sei ein ganz entspannter Golfer. Tatsächlich ist der gebürtige Dresdner mit seinem Handicap von -15,4 auf dem Platz ein erstzunehmender Sportsmann und ein angenehmer Gesprächspartner zugleich. Er empfängt uns für eine Runde auf den neun Löcher, die der Club 2013 neu eröffnet hat – eine beeindruckende Golfkulisse, die Architekt Kurt Roßknecht den Motzenern in den dichten Nadelwald gemalt hat.

Motzener See, Präsident Hans-Georg Gering, Golf Berlin
Die Unterschrift von Victor Dubuisson auf dem Puttercover erinnert Hans-Georg Giering an seine beste Golfrunde. Foto: Mike Wolff

„Golf ist für mich die einzige Möglichkeit, Probleme eine Zeitlang zur Seite zu schieben“, sagt Giering, der seit Mai 2017 das Präsidentenamt innehat. Seitdem seien die Golfrunden nicht zahlreicher geworden, denn er stehe ja auch noch im Berufsleben. Dreimal pro Monat schaffe er es immerhin auf den Platz. Und wenn der Vater von vier Kindern sich dann von Berlin-Mitte, wo er wohnt, nach Motzen aufmache, dann beginne für ihn jedes Mal ein Kurzurlaub vom Job. „Auf den kleinen weißen Ball zu hauen, ist extrem entspannend und hebt mich auf eine ganz andere Ebene“, schwärmt Giering. An anderen Tagen, an denen er mal für Vorstandssitzungen, mal für Siegerehrungen oder andere Notwendigkeiten in den Club komme, versuche er, Mitglieder zusammenzubringen, zu moderieren und das Clubleben noch lebenswerter zu gestalten.

Mitgliedsbeitrag sinkt nach fünf Jahren

Ein clubeigenes Branchenbuch, in dem jedes Mitglied sein Unternehmen oder seine Expertise präsentieren kann, war Gierings Idee. Seit diesem Jahr – dem 25. seit Gründung – hat der Club auch ein neues Bonusprogramm für Mitglieder, das 4ever&us heißt und bei dem nach fünf Jahren der Mitgliedsbeitrag sinkt. „Wir belohnen Treue zum Club“, sagt Giering, der selbst seit 2005 dabei ist.

Motzener See, Präsident Hans-Georg Gering, Golf Berlin
Clubpräsident Giering hat ein Handicap von -15,4 und beschreibt sich als entspannten Golfer. Foto: Mike Wolff

1999 hat es ihn nach Berlin verschlagen. Grund dafür war der neue Markt und ein Vorstandsposten. Giering hat Physik studiert, war mit 23 Jahren schon promoviert. Seinen Doktortitel bekam er für eine Arbeit zur Vermittlung von Können – was eben mehr ist als Wissen. „Ich wäre sehr gern Rektor der Universität Leipzig geworden wegen der diversen internationalen Beziehungen“, erinnert sich Giering. Aber dazu habe seinerzeit eben auch eine politische Einstellung gehört, mit der er nicht dienen konnte.

Stattdessen wurden innovative Sensoren für Autos und die Luft- und Raumfahrt für viele Jahre sein Metier. „Ich musste in meinem Beruf viel moderieren, und Ingenieure sind sicher nicht die einfachsten Köpfe“, sagt Giering. Inzwischen gehöre er zu einem Kreis von Beratern und Investoren, die sich den Prinzipien des ehrlichen Kaufmanns verpflichtet fühlen.

1000 Mitglieder bedeuten 1000 Wünsche

Betriebswirtschaftliches Denken, die Gabe, zwischen Menschen zu vermitteln und – als Sensor-Experte – ein feines Gespür sind für einen Präsidenten nützlich, dessen Verein den Umsatz eines kleinen Unternehmens hat und der von 1000 Mitgliedern auch 1000 Wünsche und Meinungen zu hören bekommt. „In die Rolle des Präsidenten muss man hineinwachsen“, gibt Giering zu. „Erfahrungen sind Dinge, die man gebraucht hätte, kurz bevor man sie gemacht hat.“

Motzens Clubmanagerin Kerstin Keil sagt über ihren Präsidenten: „Seine unglaubliche Ruhe macht ihn aus.“ Giering strahle Gelassenheit aus und habe den nötigen Langmut, um Dinge zu erreichen. „Vorstandsarbeit in einem Golfclub ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, betont Keil, die es nach 13 Jahren im Club wissen muss.

Motzener See, Präsident Hans-Georg Gering, Golf Berlin
Der Weitblick in die Natur gefällt Giering an seinem Golfclub ganz besonders. Foto: Mike Wolff

Auf Gierings liebster Bahn, einem 603 Meter langen Par 5, verschlägt es den Ball des Präsidenten hinter dem Grün ins Unterholz. „Eigentlich gibt es hier dressierte Eichhörnchen, die meine Bälle wieder aus dem Wald schmeißen“, scherzt er und macht sich dann doch auf die Suche. Das dichte Gestrüpp fordert gleich mehrere Versuche, aber der leidenschaftliche Golfer, der Giering ist, lässt sich nicht lumpen, er trägt es mit Fassung. Victor Dubuisson ist heute nicht für einen Tipp zur Stelle. Gesund ist, wenn man die Runde dann trotzdem genießen kann, und das tut Giering. „Der Weitblick in die Natur ist etwas Besonderes an diesem Club“, freut er sich nach der Runde auf der Terrasse am Clubhaus. „Das hier ist mein absoluter Lieblingsort.“

Und der Präsident hätte kein Problem damit, ihn mit noch mehr Golferinnen und Golfern zu teilen. „Wenn der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet, wird es sicher eine stärkere Ansiedlung in der Region geben“, ist Giering zuversichtlich. „Das wird uns als Golfclub bestimmt auch einen Schub bei der Mitgliederzahl geben.“