Von Heimvorteil und Nervenstärke profitieren

Von Heimvorteil und Nervenstärke profitieren
Das deutsche Männerteam hat sich für die EM viel vorgenommen.

Die deutschen Golfer wollen bei der Mannschafts-EM in Bad Saarow Historisches schaffen. Noch nie konnte das Nationalteam den Wettbewerb gewinnen.

Beinahe hätte Falko Hanisch sein Heimspiel verpasst. Der 19-Jährige Golf-Nationalspieler musste zuletzt wegen eines Haarrisses im Ellenbogen aussetzen und drohte für den Saisonhöhepunkt 2018 auszufallen. Doch rechtzeitig vor dem Beginn der Mannschafts-Europameisterschaften auf dem Faldo-Course in Bad Saarow meldete sich der Berliner fit. „Falko Hanischs Ellenbogen ist verheilt und er hat grünes Licht vom Arzt bekommen“, sagte Bundestrainer Ulrich Eckhardt vor dem Auftakt der Titelkämpfe am Dienstag.

Hanisch vom Golfclub Stolper Heide gilt als großes Talent, als einer der es vielleicht einmal zu den Profis schaffen könnte. 2016 gewann er die British Boys Amateur Championship, eines der traditionsreichsten Nachwuchsturniere überhaupt. Ein Jahr später schaffte es Hanisch erneut ins Finale, das er dann allerdings verlor. Inzwischen ist Hanisch 19 und hat neue Ziele – in dieser Woche zum Beispiel den Titelgewinn mit den deutschen Männern bei der Mannschafts-EM.

Erstmals seit 1969 findet der bedeutende Amateurwettbewerb wieder in Deutschland statt – und mit dem Heimvorteil im Rücken will das Team von Bundestrainer Eckhardt Historisches schaffen und erstmals den Titel gewinnen. „Ich habe den Platz schon auf vielen Turnieren gespielt. Jetzt so ein großes Event hier zu haben, ist schon ein Traum“, sagte Falko Hanisch, der einer von sechs Spielern im deutschen Kader ist. Mit seinem Klubkollegen Timo Vahlenkamp ist sogar noch ein zweiter Berliner in der Auswahl. „Beide sind hervorragende Lochspieler“, sagt Eckhardt.

Bevor es zum Duell Mann gegen Mann kommt, wie das zum Beispiel beim Ryder Cup üblich ist, muss aber zunächst einmal gezählt werden. An den ersten beiden Tagen sortieren sich die 16 teilnehmenden Mannschaften über das bei Turnieren übliche Zählspielformat ein, Platz acht ist dabei notwendig, um sich für die K.o.-Runden zu qualifizieren. „Erreichen wir das, ist für uns dann im Lochspiel wirklich alles möglich“, glaubt Bundestrainer Eckhardt.

Und das Lochspiel ist dann auch ein besonderes Erlebnis für die Zuschauer, die an allen Tagen freien Eintritt haben. Hier geht es dann nicht mehr darum, ein möglichst gutes Ergebnis über eine ganze Runde zu erzielen wie im Zählspiel, sondern im direkten Duell gegen einen Golfer einer anderen Nation am Ende möglichst ein Loch mehr gewonnen zu haben.

„Würde nur Zählspiel gespielt, würde ich mein ganzes Geld auf England setzen. Aber im Lochspiel, im Duell Mann gegen Mann, können wir auch England schlagen“, sagt Ulrich Eckhardt. Nervenstärke ist also gefragt und Improvisationsvermögen. „Für mich ist das eine schöne Abwechslung zum Einzel. Schade, dass es das so selten gibt“, sagt Falko Hanisch, der bei den British Boys gezeigt hat, wie gut er sich auf diese besonderen Situationen einstellen kann.

Das Finale wird am Samstag ausgetragen, idealerweise mit deutscher Beteiligung. Doch auch wenn es mit dem ganz großen Ziel gegen starke Konkurrenten wie die Engländer oder Titelverteidiger Spanien nicht klappen sollte, so sollen die Zuschauer vor Ort dennoch auf ihre Kosten kommen. Denn die Mannschafts-EM in Bad Saarow ist mehr als nur ein Sportereignis. Es geht auch um Werbung für den Golfsport. Entsprechend gibt es viele Mitmachangebote an allen Tagen, für Kinder beispielsweise werden spezielle Kurse veranstaltet. „Wir wollen, dass möglichst jeder mit dem Spiel in Berührung kommt. Auch um die verstaubten Vorurteile abzubauen“, sagt Saskia Zieschank, Managerin Golf und Sport im gastgebenden A-Rosa Scharmützelsee.