Philipp Mejow: Berufsbegleitend Golflehrer

Philipp Mejow: Berufsbegleitend Golflehrer
Kolumnist und Touspieler Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Foto: Mike Wolff

Nach seinem Sieg beim Finale der Pro Golf Tour hat Philipp Mejow eine Ausbildung zum Golflehrer begonnen. Warum er diesen Weg gewählt hat und was das für seine Tourkarriere bedeutet, schreibt der Berliner in seiner Kolumne.

Was für ein verrücktes Jahr! 2020 verlief für mich wie wahrscheinlich auch für Sie alles anderes als nach Plan. Noch im März bin ich gerade so mit der letzten Maschine aus Marokko zurück nach Deutschland gekommen, dann hatte Corona jegliches Turniergeschehen gestoppt und anschließend wurde mit neuen Hygieneregeln und ohne Zuschauer gespielt. Meine berufliche Welt wie ich sie kannte, hat sich drastisch verändert. Auch jetzt weiß ich noch gar nicht, wann die nächste Saison starten wird und wie viele Turniere überhaupt ausgetragen werden.

In meiner mittlerweile 10-jährigen Profikarriere habe ich auf unterschiedlichsten Touren gespielt und einige Höhen und Tiefen erlebt. Ich liebe diesen Beruf, aber er hat auch seine Schattenseiten. Wenn man nicht in der absoluten Weltspitze mitspielt, ist es finanziell sehr schwierig sich ohne gute Sponsoren über Wasser zu halten.

„Der beste und der schlechteste Moment meines Lebens“

Im letzten Jahr kamen für mich der beste Moment meines Lebens und der schlechteste zusammen: Die Geburt meines Sohnes und die Verletzung an der Schulter. Diese beiden Ereignisse in Verbindung mit der neuen Situation, die durch Corona entstanden ist, haben mich dazu gebracht, eine Ausbildung zum Golflehrer zu starten. Die Option, in der Zukunft ein geregeltes Einkommen zu haben, schien mir sehr wichtig, und ich bin total glücklich mit meiner Entscheidung.

Philipp Mejow mit seiner Frau Romina und Sohn Marlon nach dem Sieg des Pro Golf Tour Finales im Castanea Resort. Foto: Stefan Heigl

Ich werde die Ausbildung in den kommenden zwei Jahren berufsbegleitend machen, das heißt: Zum einen werde ich weiter Profigolf spielen und zum anderen gibt es einige Seminare, die ich besuchen muss. Darüber hinaus beinhaltet die Ausbildung für mich noch mehrere Praktikumstage im Golfclub.

Vor wenigen Wochen hatte ich die PGA-Assistenten-Prüfung in Bad Griesbach und nach mehreren Wochen Karteikartenwälzen, habe ich diese auch bestanden. Ich finde es total spannend, meine Erfahrung aus zehn Jahren auf der Tour nun auch weitergeben zu dürfen. Das Turniere-Spielen ist allerdings weiterhin meine große Leidenschaft und ich werde noch mindestens zwei Jahre alles dafür geben, um mich auf der European Tour zu etablieren.

„Wissen aus zehn Jahren Tour weitergeben“

Auf der anderen Seite habe ich aber schon nach wenigen Stunden als Trainer gesehen, dass auch dieser Bereich mir große Freude bereitet. Ich hoffe, in der Zukunft vielen jungen, aufstrebenden Golfern helfen zu können und das Wissen, welches ich mir über Jahre angeeignet habe, zu vermitteln. Ich könnte glücklicher nicht sein über diese Chance, weiterhin Turniergolf zu spielen und gleichzeitig die Zukunft meiner Familie etwas mehr abzusichern. An dieser Stelle möchte ich meinen Unterstützern über alles danken, da ohne sie dieser berufliche Spagat sonst finanziell gar nicht möglich wäre.

Das letzte Turnier der Saison, die Castanea Resort Championship 2020, beendete Philipp Mejow als Sieger. Foto: Stefan Heigl

Nun bin ich super gespannt was das nächste Jahr bereit hält und wann ich nach dem Sieg bei meinem letzten Turnier – dem Finale der Pro Golf Tour 2020 – endlich wieder aufteen darf. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und vor allem Gesundheit in dieser schwierigen Zeit.

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