Philipp Mejow: Ein Abschuss mit Folgen

Philipp Mejow: Ein Abschuss mit Folgen
Tourspieler Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wansee. Foto: Mike Wolff

Die Saison 2019 begann und endete für Tourspieler Philipp Mejow schmerzhaft. Im Februar wurde der Berliner von einem Golfball getroffen und verletzt. Am Jahresende hatte er immer noch Schmerzen und seine Challenge-Tour-Kategorie verloren. Nun hofft Mejow auf schnelle Siege auf der Pro Golf Tour.

„Ich wollte gerade meinen eigenen Ball schlagen und stand in der Ansprechposition, da trifft mich ein Ball mit voller Wucht meine Schulter“, erinnert sich Philipp Mejow an den Tag im Februar 2019 im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Der Querschläger kam von einer anderen Bahn, niemand hatte Fore gerufen, Mejow hatte keine Chance zu reagieren. „Ich bin zu Boden gegangen, es hat extrem wehgetan.“ Seine Schulter sei in den Tagen danach blau und lila geworden. Aber als die Schmerzen nach zwei Wochen überstanden waren, habe er den Vorfall schnell vergessen.

Als Mejow einige Wochen später Beschwerden in ebendieser Schulter bekam, dachte er, er habe zu intensiv trainiert. „Ich mache ja viel Fitnesstraining und habe zum Ausgleich auch mit dem Kickboxen angefangen“, berichtet der 31-Jährige. Also habe er beides zurückgefahren. Doch die Schmerzen seien geblieben. Aus Ratlosigkeit habe er letztlich sogar seine Schlägerkopfgeschwindigkeit verdächtigt, die er 2018  mit speziellem Training deutlich gesteigert hatte. „Ich habe alles in Frage gestellt“, sagt Mejow. Denn mit den Schmerzen fand er nicht zu seinem Spiel und verpasste auf der Challenge Tour reihenweise Cuts. „Meine Schläge unter 150 Meter waren super, aber vom Tee habe ich zu viele Bälle weggehauen.“

Ein MRT brachte die Erklärung

Dass hinter der Malaise in der Schulter der Blattschuss aus dem Februar steckte, kam Mejow erst nach einem zweiten Arztbesuch und einem MRT in den Sinn. „Der Orthopäde hat ein Knochenödem im AC-Gelenk festgestellt, also im Gelenk zwischen Schlüsselbein und dem oberen äußeren Ende des Schulterblattes, und meinte, das könne nur durch einen Schlag ausgelöst worden sein“, erzählt Mejow. Dank zweimal Akkupunktur pro Tag, zwei Wochen lang, sowie einem seitdem täglichen Physiotherapie-Programm von Nationalmannschafts-Physio Oliver Konietzka habe er die Schmerzen inzwischen überwunden.

Eine sogenannte „medical exemption“, mit der Mejow seine Challenge-Tour-Kategorie für die bevorstehende Saison hätte behalten können, gewährte ihm die European Tour nicht. „Dafür hätte ich früher aufhören müssen zu spielen und auf die Verletzung aufmerksam machen müssen“, sagt der Berliner. Immerhin: Die Tour habe ihm versprochen, dass sie ihm Einladungen zukommen lassen würden, die über die fünf bis zehn Starts hinausgingen, die mit seiner neuen Kategorie auf der Challenge Tour möglich sind.

Seit November ist Mejow Vater

Bis es soweit ist, werde er versuchen, auf der Pro Golf Tour möglichst schnell drei Turniere zu gewinnen, erklärt Mejow. Drei Siege sind gleichbedeutend mit einem Aufstieg auf die Challenge Tour. Am 10. Februar fliegt er nach Marokko, wo in Casablanca die Open Palmeraie Country Club und die Open Casa Green Golf auf dem Programm stehen. „Ich weiß, dass es auch auf der Pro Golf Tour schwerer geworden ist, Turniere zu gewinnen, aber ich fühle mich gut und bin zuversichtlich“, sagt Mejow. Beflügelt habe ihn auch die Geburt seines Sohnes im November. Die Nächte seien gut, beteuert er, Schlafen sei möglich. „Wir haben offenbar Glück mit unserem Sohn“, freut sich Mejow. Vielleicht ein gutes Omen für 2020.

Philipp Mejow hat Glück im Unglück gehabt. Sein Fall zeigt, wie wichtig es ist, andere Spieler lautstark mit „Fore“ zu warnen, wenn diese von einem Ball getroffen werden könnten.

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