Starke Konkurrenz um European-Tour-Karten

Starke Konkurrenz um European-Tour-Karten
Auf dem Schloss Torgelow Course in Fleesensee dreht sich vier Tage lang alles um den Traum von der European Tour. Archivfoto: European Tour

84 Golfer spielen seit diesem Dienstag in Fleesensee für ihren Traum von einer Spielberechtigung auf der European Tour. Die Konkurrenz in Runde eins der Qualifying School ist groß: namhafte Tourspieler, Nationalspieler und sogar der Deutsche Meister sind am Start.

Jannik de Bruyn vom Golfclub Hösel holte sich vor zwei Wochen im bayerischen Valley den Deutschen Meistertitel, nun versucht sich der 20-jährige Amateur in Fleesensee beim Sprung auf die Tour, sprich, ins Lager der Berufsgolfer. Dasselbe Ziel hat auch sein Nationalmannschaftskamerad und Sportsoldat Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide, der sagt: „Wenn ich das Finale, also die dritte Stage der Qualifying School, erreiche, dann werde ich ins Profilager wechseln.“ Unter den Konkurrenten sind auch Florian Fritsch, Max Rottluff (beide Pros mit Erfahrung auf der European Tour) und Nick Bachem, der Deutsche Meister von 2018. Insgesamt sind Spieler aus 19 Nationen am Start, etwa aus Südafrika, Argentinien, Mexiko, Australien und einige aus den USA.

Niklas Theilken, Golf, Fleesensee
Vielleicht kennt kein Teilnehmer der Q-School den Schloss Torgelow Course so gut wie Niklas Theilken. Foto: Elke Jung-Wolff

Es gilt: Nach vier Tagen und vier Runden auf dem Schloss Torgelow Course qualifizieren sich in Fleesensee je nach Gleichstand zwischen 15 und 20 Spielern für die Second Stage der „Q-School“. Insgesamt acht Erstrunden-Turniere mit rund 800 Teilnehmern gibt es. In den vier Turnieren von Runde zwei stoßen zu den Besten der First Stage noch Spieler der Challenge Tour hinzu. Beim Finale im Lumine Golf Club im spanischen Tarragona greifen letztlich auch bisherige Spieler der European Tour ein, um in sechs (!) Runden Golf eine von 25 Spielberechtigungen für Europas höchste Tour zu ergattern.

Bei der Q-School geht es um Träume, Karrieren, Lebenswege

Die Anspannung ist hoch, schon in Fleesensee. Niemand kann hier die Tourkarte gewinnen – jedoch verpassen. Nicht unerheblich: Jeder der Teilnehmer hat eine Startgebühr von 2030 Euro bezahlt. Dafür gibt es auch einen traumhaften Golfurlaub auf Mauritius. In diesem Fall geht es aber nicht nur um Träume, sondern um Karrieren, um Lebenswege. „Die Stimmung ist nicht so locker wie auf Pro Golf Tour, das merkt man gleich“, erzählt Niklas Theilken, Student aus Greifswald, der für den Golf Club Teutoburger Wald in der Zweiten Deutschen Golf Liga spielt. Der 20-Jährige hat im Sommer die Fleesensee-Turniertage powered by Tagesspiegel gewonnen. Nun hat er sich noch einmal zwei Wochen Zeit genommen, um sich auf die Q-School vorzubereiten. Immer wieder hat Theilken den Schloss Torgelow Course gespielt. „Wahrscheinlich kennt kein Teilnehmer den Platz besser als Niklas“, vermutet Fleesensees Golfmanager Stefan Vogl.

Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide
Timo Vahlenkamp vom Berliner Golfclub Stolper Heide trifft bei der Q-School in Fleesensee auf starke Konkurrenz. Foto: Mike Wolff

Theilken selbst sagt, er fühle sich wie kurz vor Heiligabend: „Da ist eine große Vorfreude, aber man weiß eben nicht, was man geschenkt bekommt.“ Mehrfach habe er den Platz in der Vorbereitung unter Par gespielt. Sein bestes Ergebnis sei 5 unter Par gewesen, und das bei böigem Wind. „Ich weiß, dass ich eine gute Chance habe weiterzukommen, und freue mich darauf zu zeigen, was ich mir erarbeitet habe“, sagt er. Aber er sei eben auch BWL-Student im fünften Semester und habe damit einen Plan-B in der Hinterhand. „Ich habe keinen Druck, denn ich habe nichts zu verlieren“, betont Theilken. Ähnlich beschreibt Timo Vahlenkamp seine Gemütslage: „Natürlich bin ich hier, um weiterzukommen, aber wenn nicht, dann bleibe ich noch ein weiteres Jahr Amateur.“

Im vergangenen Jahr schaffte kein deutscher Teilnehmer in Fleesensee den Sprung in Runde zwei. „Davon gehe ich diesmal nicht aus“, sagt Manager Stefan Vogl. Es seien vielversprechende Namen mit dabei. „Es wäre toll, wenn einer von ihnen gewänne.“ Er werde an jedem der vier Q-School-Tage für ein, zwei Stunden auf den Platz hinausfahren, um sich das hochkarätige Golf anzuschauen. „Die Q-School schmückt uns und zeigt, dass wir sportlich sind“, sagt Vogl. Dass man es von Fleesensee aus weit bringen kann, hat jedenfalls der englische Masterssieger Danny Willet bewiesen, dessen Weg auf die Tour einst in Mecklenburg-Vorpommern begann.

Hier geht es zum Leaderboard der Qualifying School in Fleesensee.