Edles Geschmeide oder alles aus einem Guss?

Edles Geschmeide oder alles aus einem Guss?
PING ist einer der Vorreiter bei gegossenen Schlägerköpfen, Mizuno der Inbegriff von geschmiedeten Eisen. Foto: Denis Hohmann

Ob ein Eisen geschmiedet oder gegossen ist, beeinflusst die Spielbarkeit und die Rückmeldung des Schlägers. Fitting-Experte Denis Hohmann erklärt die Vorteile beider Fertigungsverfahren.

Wer sich heute einen neuen Eisensatz kauft, kommt um diese Frage nicht herum: Sollen die Schlägerköpfe gegossen oder geschmiedet sein? Um das für sich persönlich zu beantworten, sollte man wissen, welche Vorteile das jeweilige Verfahren hat. Der wesentliche Vorteil beim Gussverfahren ist der große Spielraum in der Formgebung: Masse kann differenzierter platziert oder verteilt werden, um die Spielbarkeit zu erhöhen. Außerdem ist das Herstellungsverfahren günstiger, weil höhere Stückzahlen produziert werden. Ein gegossenes Eisen, das ein Stück weit auch vom Prestige lebt, kostet so bis zu 25 Prozent mehr als sein gegossenes Pendant.

Das Schmieden hat den Vorteil, dass es eine höhere Materialdichte erzeugt und das Eisen dadurch im Treffmoment mehr Rückmeldung gibt. „Ein geschmiedetes Eisen fühlt sich einfach lebendiger an“, sagt Fittingexperte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. „Dafür ist das Design der Schläger meist sehr einfach, oder neutral gesagt, klassisch.“

Die meiste Entwicklungsarbeit

Der Großteil der Eisensätze, mit denen die Schlägerhersteller heute ihr Geld verdienen, ist aus gegossenem Stahl. In diesem Bereich findet auch die meiste Entwicklungsarbeit statt. Das Ziel: Schläger zu bauen, die möglichst viele Fehler verzeihen und auch aus einem missratenen Schlag noch das Bestmögliche herausholen. Klar, dass es dafür dankbare Abnehmer gibt. Hersteller PING aus den USA arbeitet seit Jahrzehnten konsequent daran, Gussverfahren weiterzuentwickeln, und hat sich einen entsprechenden Ruf erarbeitet.

Die Marke, die für viele Golfer bis heute der Inbegriff von geschmiedeten Eisen ist, heißt Mizuno und kommt aus Japan. „In meiner Kindheit und Jugend galt der Grundsatz: Da, wo auf der Driving Range die blau-weißen Mizuno-Taschen stehen, da sind die guten Jungs“, erinnert sich Denis Hohmann und lacht. Die Zielgruppe für geschmiedete Eisen seien eher Golfer mit Erfahrung, die den Sport sehr fokussiert betrieben. Drei von zehn Kunden fragten beim Fitting gezielt nach geschmiedeten Eisen, ist Hohmanns Beobachtung. Wobei er das Thema „forged“ (geschmiedet) oder „cast“ (gegossen) im Beratungsgespräch selbst erst später ansprechen würde. „Ich stelle eher die Ansprüche des Kunden an das Eisen in den Vordergrund“, erklärt der ehemalige Bundesliga-Golfer.

Eine Revolution bei den Eisen

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Sorgen gerade für eine Revolution bei den Eisen: PING i500, Taylor Made P790 und Titleist T-MB. Foto: Denis Hohmann

Schaut man sich die neuesten Modelle der Hersteller TaylorMade (P790), PING (G700 und i500) oder Titleist (T-MB) an, verschwimmen derzeit nicht nur die ästhetischen Grenzen zwischen gegossenen und geschmiedeten Schlägerköpfen. Die genannten Eisensätze sind zum Teil gegossen, zum Teil geschmiedet oder im Composite-Verfahren gefertigt – also aus gegossenen und geschmiedeten Komponenten verschweißt. Alle sehen aber aus wie traditionelle Blades. „Da ist gerade eine Eisen-Revolution im Gange“, sagt Denis Hohmann. Die Modelle seien angelehnt an Driving-Irons, die für lange Eisenschläge vom Tee gerade auch bei Tourspielern beliebt sind. Der Sweetspot dieser neuen Modelle ist nicht klein wie bei einem Blade, sondern dank eines Hohlraums (Cavity-Back) hinter der Schlagfläche beachtlich. „Weil die Schlägerköpfe hinter dem Cavity-Back mit einer stabilen Rückwand geschlossen sind, kann die Schlagfläche sehr dünn sein“, erklärt der 36-Jährige. Das erhöhe den Trampolineffekt der Schlagfläche und sorge für größere Weiten.

Bei diesen neuen Modellreihen handelt es sich allerdings schon preislich nicht um Anfängersätze: Bis zu 220 Euro muss man pro Eisen inklusive Graphitschaft bezahlen. „Die Schläger spielen sich sehr kraftvoll und geben eine satte Rückmeldung“, findet Denis Hohmann. Das Feedback sei aber nicht ganz vergleichbar mit dem Vollmaterial geschmiedeten Karbonstahl. „Es erinnert eher an das Feeling eines sportlichen Hybrids“, sagt der Berliner. Ein großer Vorteil dieser gegossenen Schlägerköpfe im Vergleich zu geschmiedeten Eisen ist letztlich die Langlebigkeit. Der weichere, geschmiedete Stahl nimmt schneller Macken und Dellen an und altert damit sichtlich schneller. Während dem gegossenen Stahl kaum ein Stock oder Steinchen etwas zuleide tun kann.

Zur Person: Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.