Karsten Maas: Golfpro aus Wall mit Weltrekord

Karsten Maas: Golfpro aus Wall mit Weltrekord
Das hat der Golflehrer eigentlich anders erklärt: Karsten Maas bei seinem Weltrekord mit einem 11,40 Meter langen Driver. Foto: Privat

Karsten Maas hat mit seinem Driver einen neuen Weltrekord aufgestellt: Sein Ball flog zwar nur 83 Meter, allerdings benutzte er einen 11,40 Meter langen Schläger. Wie er darauf kommt, wie er den Ball trifft und was sein Driver kostet, erzählt der Golfpro aus Wall im Interview.

Herr Maas, beim Abschlag mit dem Driver kommt es auf Länge an. Aber Sie scheinen da etwas falsch verstanden zu haben.

Karsten Maas: Das dachte ich am Anfang auch.

Warum machen Sie dann so etwas Verrücktes?

Maas: Ich habe vor etwa zehn Jahren einen Anruf vom Guinness-Buch der Rekorde bekommen. Die waren auf mich aufmerksam geworden, weil ich neben meiner Arbeit als Golflehrer regelmäßig Trickshot-Shows gemacht habe. Der Mann am Telefon fragte mich, ob ich nicht einen Weltrekord aufstellen wolle mit einem überlangen Driver. Ich war zunächst skeptisch. Aber dann hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen. Ich bin ja nicht nur Golflehrer, sondern habe auch eine Ausbildung als Clubmaker, sprich, Schlägerbauer. Mich hat das Technische letztlich genauso gereizt wie das Sportliche. Also habe ich es versucht.

Sie haben 2009 einen offiziellen Weltrekord aufgestellt mit einem selbstgebauten 4,09 Meter langen Driver. Kommt Ihnen das heute lächerlich vor im Vergleich zu Ihrem jüngsten Weltrekord, der Ihnen am 26. Oktober mit einem 11,40-Meter-Modell gelungen ist?

Maas: Der Vergleich hinkt. Leider hat das Guinness-Buch die Regeln in der Zwischenzeit gelockert. Bei meinem ersten Weltrekord musste der Ball noch mindestens 100 Yards weit fliegen, also etwa 90 Meter. Das habe ich damals mit 123 Metern locker übertroffen. Inzwischen reicht es laut Statuten für einen gültigen Rekordversuch den Ball „gut zu treffen“. Was immer das heißen mag. Auch deshalb hat zuletzt ein Wettrüsten stattgefunden. Die Schäfte werden immer länger und länger.

Mehr Fliegenfischen als Golf

Bevor Sie den Weltrekord Ende Oktober zurück nach Brandenburg geholt haben, hatte ihn kurzzeitig der Amerikaner Anthony Anderson inne, dessen Driver 11,30 Meter lang war. Ist Anderson Ihr größter Widersacher?

Maas: Der Mann hat den Ball meines Wissens nach nur 25 Meter weit geschlagen, ihn also fast kullern lassen. Aus der Sicht eines leidenschaftlichen Golfers und Golflehrers ist das schon ein bisschen traurig. Ich dachte mir: Das kannst du so nicht stehenlassen, das musst du überbieten. Bei meinem neuen Rekord habe ich immerhin 83 Meter geschafft, beim Aufwärmen vorher habe ich sogar fast die 100-Meter-Marke erreicht.

Volltreffer: Obwohl die Graphitschäfte vierfach extrasteif sind, biegt sich der Schläger von Karsten Maas extrem. Foto: Privat

Ihr Schwung erinnert eher ans Fliegenfischen als an Golf. Worauf kommt es beim Schlag mit einem 11,40 Meter langen Driver an?

Maas: Wegen der enormen Länge biegt sich der Schaft extrem. Ich kann den Schläger daher auch nicht am Griff halten. Er würde sonst über den Boden schleifen. Also stehe ich im hinteren Drittel des Schafts, meine Arme weit auseinander. Ich muss langsam schwingen und den Schlägerkopf schon in der Ansprechposition etwa 25 Zentimeter am Ball vorbei platzieren. Nur in der perfekten Kombination aus Ansprechposition, Tempo und Schwungebene trifft das Schlägerblatt den Ball so, dass er abhebt. Bei schnellerem Schwingen verbiegt und verkürzt sich der Schaft und verfehlt den Ball innen.

Was kostet Ihr Monsterdriver?

Maas: Knapp 2000 Euro.

Ein stolzer Preis für 83 Meter vom Tee.

Maas: Das liegt an den 13 Schäften, aus denen ich mit Kleber einen einzigen baue. Am teuersten sind die sieben Graphitschäfte, die vom Schlägerkopf bis zur Mitte des Schlägers reichen. Sie sind vierfach extrasteif und kosten pro Stück knapp 300 Euro. Von der Mitte bis zum Griff folgen dann sechs Stahlschäfte, die von Long-Puttern stammen und ebenfalls sehr verwindungssteif sind. Zum Glück sind die deutlich billiger.

„Wenn der Schläger länger ist als der Schlag, dann bin ich raus“

Was bedeutet Ihnen der Weltrekord?

Maas: Als Trickshot-Golfer, der in der ganzen Welt unterwegs ist, hat so ein Weltrekord natürlich einen großen Wert. Ich bin mit meiner Show mittlerweile in 31 Ländern zu Gast gewesen, von Neuseeland über China, Russland, Kenia, Marokko bis in die USA. Jährlich mache ich 40 bis 50 Shows. Der Weltrekord schmückt mich.


Was hat Sie als kosmopolitischen Dänen nach Golf in Wall verschlagen?

Maas: Meinem Bruder gehört die Golfanlage, deshalb arbeite ich dort. Ich bin aber nicht nur als Golflehrer und Trickshot-Golfer aktiv, sondern habe in Wall in den vergangenen zwei Jahren auch am Platzdesign gearbeitet.

Sie sind jetzt 54 Jahre alt. Wie lange wollen Sie Ihren Weltrekord verteidigen, wenn das Wettrüsten weitergeht?

Maas: Ich denke, dass mit 15 Metern eine Grenze erreicht sein wird, ab der ein Driver nicht mehr zu beherrschen ist. Wenn irgendwann der Schläger länger ist als der Schlag, dann bin ich raus.

Mehr Informationen über Karsten Maas gibt es auf seiner Internetseite trickgolf.dk