Ein Kind zwischen Halbfinale und Finale

Ein Kind zwischen Halbfinale und Finale
Da war das Baby noch an Bord: Die Wilkendorfer Golferin Stefanie Huirne spielte bis vier Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Foto: Privat

Schwanger sein und Golf spielen? Stefanie Huirne hatte erst Zweifel. Dann gewann sie mit ihrem Mann Sven im Vierer-Matchplay des Golfpark Schloss Wilkendorf Runde um Runde – das Halbfinale nur vier Tage vor Geburtstermin. Beim Finale hofft Tochter Liselotte auf ein Happy End.

„Wir hätten nie für möglich gehalten, dass wir es trotz der Schwangerschaft so weit schaffen“, freut sich Stefanie Huirne. Am 27. Oktober treffen sie und ihr Mann im Finale des Wilkendorfer Vierer-Clubmatchplays auf Frank Berg und seinen Sohn Paul Pepe. „Der Druck auf uns ist natürlich groß, weil einige im Club von unserer außergewöhnlichen Geschichte gehört haben und sich nun natürlich ein Happy End wünschen“, sagt Huirne und lacht.

Schwanger und Schwingen, das geht – aber nicht ohne ein paar Anpassungen. Foto: Privat

Sie sei schon schwanger gewesen, als sie und ihr Mann sich im April zum Vierer-Matchplay angemeldet hätten, berichtet die 34-Jährige. Da habe sie nicht geahnt, dass sich das Turnier im Golfpark Schloss Wilkendorf bis Oktober hinzieht. Noch weniger, dass sie und ihr Mann Sven etwas mit dem Finale zu tun haben könnten. „Wir haben uns von Beginn an gesagt, wir gehen das ganz entspannt an“, sagt die gebürtige Strausbergerin, die seit drei Jahren Golf spielt.

„Das ist unfair, ihr spielt ja zu dritt“, dieser Spruch sei ein ums andere Mal gekommen, als die Gegner erfahren hätten, dass sie schwanger sei. In Wirklichkeit sei der Babybauch nicht unbedingt ein Vorteil beim Golfschwung, da er den Körperschwerpunkt verschiebe und gewisse Schwunganpassungen erfordere. „Weil der Bauch in der Schwungpose auf die Blase drückt, habe ich mich mit der fortschreitenden Schwangerschaft weiter nach vorne gebeugt“, erklärt Huirne. „Und ich habe auch Rücksicht auf das Baby langsamer geschwungen.“ Etwas, das vielen Golferinnen und Golfern guttun würde – auch ohne Baby an Bord.

Frisch gebackene Eltern im Finalfieber: Stefanie und Sven Huirne. Foto: Privat

Mit lockerem Schwung fuhren Stefanie Huirne (Handicap -32,5) und ihr Mann Sven (-22,8) im Vierer-Matchplay Sieg um Sieg ein. „In der zweiten Runde haben wir die Gewinner aus dem vergangenen Jahr besiegt“, erzählt die stellvertretende Leiterin der Kita unterm Regenschirm in Prenzlauer Berg. Das Match gegen die Titelverteidiger sei ins Stechen gegangen. 23 Löcher dauerte es, bis sich die werdenden Eltern durchgesetzt hatten.

Sie und ihr Mann Sven, gebürtiger Niederländer und Senior Manager Merchandising bei Wayfair, hätten sich in allen Partien immer gut ergänzt. Schließlich zähle beim Vierer-Matchplay an jedem Loch nur der beste Score. „Einmal, als das Baby zu stark auf die Blase gedrückt hat, bin ich schnell auf die Toilette gefahren und Sven hat das Loch sogar ohne mich gewonnen“, sagt Huirne.

Nach der Geburt erste Schwünge im Wohnzimmer

Der errechnete Geburtstermin ihres Kindes sei der 19. September gewesen – die Ansetzung fürs Halbfinale war der 15. September, gerade mal vier Tage davor. „Ich habe mich dann noch einmal genau informiert und ärztlichen Rat eingeholt, ob Golf so kurz vor der Entbindung ein Risiko bedeutet“, betont die Erzieherin. Mit ihrem zunächst nicht minder besorgten Mann habe sie beschlossen, einfach zu schauen, wie es geht. Zur Entlastung habe sie vom Club für das Halbfinale netterweise ein Golfcart bekommen.

Der Weg der Familie Huirne ins Finale: Am 27. Oktober geht es gegen Frank Berg und seinen Sohn Paul Pepe. Foto: Privat

Nach dem Finaleinzug ließ Tochter Liselotte noch ganze 13 Tage auf sich warten. Die Geburt sei dann aber komplikationsfrei und schnell verlaufen. „Schneller als eine halbe Runde Golf“, sagt Huirne, die bereits im Finalfieber ist. In der ersten Woche, in der man mit Neugeborenen noch nicht nach draußen gehen soll, habe sie schon gleich einen Golfschläger in der Hand gehabt. „Im Wohnzimmer auf dem Teppich habe ich ein paar Schwünge gemacht“, berichtet sie. Vor dem 27. Oktober werde sie sicher noch das ein oder andere Mal mit Mann Sven und Tochter Liselotte im Schlepptau auf die Driving-Range gehen. Im Finale werden die Huirnes dann nur noch zu zweit auf dem Platz sein. Die jüngste Teilnehmerin des Vierer-Matchplays wartet dann in der Obhut ihrer Oma im Clubhaus auf ein Happy End.

Lesen Sie auch:
Die Golf-Superlative in Berlin und Brandenburg (Folge 1)
Aus Sorge um den Ryder Cup: Seddins Ehrenpräsident schreibt Boris Johnson
Drei Hauptstädter für das Finale der Deutschen Puttliga qualifiziert