Philipp Mejow: „Lahmes Spiel härter bestrafen“

Philipp Mejow: „Lahmes Spiel härter bestrafen“
Rund 30 Sekunden brauche er für seine Schlagroutine, schreibt unser Kolumnist Philipp Mejow. Foto: Mike Wolff

Langsame Mitspieler haben Tourpro Philipp Mejow schon zur Weißglut gebracht. In seiner neuesten Kolumne schreibt der 31-jährige Berliner, wie sich Golfrunden aus seiner Sicht beschleunigen lassen – und womit er den Schnecken auf dem Platz drohen würde.

Ich möchte diese Kolumne nutzen, um das momentan wahrscheinlich am meisten diskutierte Thema im Golfbereich aufzugreifen: Pace of play – die Spielgeschwindigkeit. Für mich als Profispieler ist das ein Thema, mit dem ich jede Woche konfrontiert bin. Da ich mich als eher schnellen Spieler bezeichnen würde, ist es sehr nervig und kann mich manchmal sogar zur Weißglut bringen, wenn ich mit sehr langsamen Mitspielern zu kämpfen habe.

Ich brauche für meine gesamte Routine etwa 30 Sekunden, kenne aber viele Spieler die eher die doppelte Zeit in Anspruch nehmen. Manche nähern sich sogar den zwei Minuten. Wenn man das hochrechnet auf die Gesamtzahl der Schläge pro Runde, dann kommt da schon so einiges zusammen.

Ein Negativbeispiel: In diesem Jahr habe ich in Italien ein Turnier der Challenge Tour gespielt, bei dem die erste Runde sechs Stunden und die zweite Runde sogar noch 15 Minuten länger dauerte. Das ist natürlich weit weg von einer genussvollen Runde Golf. Wenn man bedenkt, dass es zudem noch 42 Grad im Schatten waren, kann man sich vorstellen, dass einem dabei der Spaß vergeht.

„Zwei Dingen sollten geändert werden“

Es wird nun vermehrt darüber nachgedacht, was zu tun ist, um gegen „slow play“ vorzugehen. Beispielsweise werden beim Challenge-Tour-Turnier in der Normandie GPS-Tracker eingesetzt, die den Schiedsrichtern immer genau zeigen, wo sich ein Flight befindet – und wann Zeit verloren oder gewonnen wird. Das ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung. Aber für mich gibt es genau zwei Dinge, die geändert werden sollten:

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Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee spielt auf der European Challenge Tour. Foto: Mike Wolff

Erstens sollten Entfernungsmessgeräten (Laser) auch auf der Tour zugelassen werden. Denn wir Spieler müssen uns – nicht ganz günstige – Yardage-Bücher kaufen, in denen auf jedem Loch einige Entfernungen ausgemessen wurden. Oft ist man aber mindestens 20 Meter von solch einem Messpunkt entfernt und muss seinen Standort dann mit eigenen Schritten ausmessen.

Hinzukommt die Position der Fahne, die man zu der Entfernung bis zum Grünanfang addieren muss, und erst dann beginnt die Planung, die auch den Wind und die Lage des Balles berücksichtigt. Da ist die erste Minute schon dahin, die man sich mit einem Knopfdruck auf den Laser locker hätte sparen können.

„Geldstrafen stören die Topspieler nicht“

Zweitens sollte „slow play“ auf der Tour anders bestraft werden. Ich denke nicht, dass sich ein Topspieler dieser Welt, wenn er mal etwas länger braucht, an Geldstrafen stört. Was aber jedem Golfprofi von der Satellite-Tour bis zur Nummer eins der Welt weh tut, sind Strafschläge. Für jeglichen Regelverstoß bekommt man Strafschläge, warum nicht auch für das Überschreiten des erlaubten Zeitlimits?

Wenn man von einem Schiedsrichter gestoppt wird und zu lange braucht, gibt es einen Strafschlag. So einfach könnte man meiner Meinung nach das Spiel beschleunigen, und genau das ist sehr wichtig, um Golf wieder attraktiver zu machen. Und da denke ich nicht nur an uns Spieler, sondern in noch höherem Maße an die Zuschauer vor Ort oder daheim vor dem Fernseher. Ich hoffe, dass ich mit meiner Meinung einen kleinen Beitrag zur Beschleunigung des Spiels liefern und die Diskussion weiter anregen kann. Ich bin gespannt, wie sich das Thema „pace of play“ weiter entwickeln wird – und was Sie darüber denken. Kommentieren Sie gerne auf Facebook.

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