Philipp Mejow: „Plätze machen den Unterschied“

Philipp Mejow: „Plätze machen den Unterschied“
Tourspieler Philipp Mejow vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Foto: Mike Wolff

Viele junge Spitzengolfer träumen von einer Karriere auf der European Tour. Der Weg dorthin führt in der Regel über Pro Golf Tour und Challenge Tour. Was die drei Turnierserien ausmacht und unterscheidet, schreibt der Berliner Tourspieler Philipp Mejow in seiner Kolumne.

Ich sitze gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Marokko zu zwei Turnieren der Pro Golf Tour. (Hier geht es zum Livescoring) Diese Tour gehört zu den sogenannten Satelliten-Touren und ist somit die dritte Profiliga in Europa. Die zweite Liga nennt sich European Challenge Tour, und die Königsklasse ist die European Tour. Ich habe insgesamt drei Jahre auf der Pro Golf Tour und drei Jahre auf der Challenge Tour gespielt. Hinzukommen noch einige Starts auf der European Tour verteilt über den gesamten Globus. Die Unterschiede zwischen den Touren in Sachen Aufbau, Events und Organisation sind schon beträchtlich.

Auf der Pro Golf Tour gibt es ein paar Werbebanner am Abschlag, dazu Wasser und Bananen für die Spieler, aber da hört es meist auch auf. Auf der Challenge Tour dagegen gibt es im Clubhaus eine „Players Area“, wo die Spieler mit teilweise sehr gutem Essen versorgt werden. Auf der Driving-Range wird ausnahmslos mit Titleist Pro V1 Bällen trainiert, und es reisen mit dem Tourtross Woche für Woche Physiotherapeuten mit, um den Spielern zu helfen. Bei dem ein oder anderen Turnier gibt es Tribünen auf dem Platz und manchmal sogar für ein Hole-in-one ein Auto zu gewinnen.

„Auf der European Tour mangelt es den Spielern an nichts“

Auf der European Tour läuft alles ähnlich ab, allerdings in einem noch viel größeren Rahmen. Man wird meist mit einer Limousine vom Flughafen abgeholt und muss sich auch sonst um nichts Sorgen machen. Die Tour gibt sich wirklich große Mühe, dass es den Spielern an nichts mangelt. Für ein Turnier werden teilweise kleine Städtchen aufgebaut, um den tausenden Zuschauern auch abseits des Platzes einiges zu bieten. Die Atmosphäre ist ganz besonders, und mein Ziel ist ganz klar, die nächsten Jahre als festes Mitglied auf der ET zu spielen.

Spielerisch gibt es natürlich auch große Unterschiede zwischen den Touren: Die Spitze auf der Pro Golf Tour spielt sehr gut – keine Frage. Aber auf der Challenge Tour und European Tour tummeln sich so viele gute Spieler, dass der spielerische Unterschied dort weit geringer ist als zwischen Pro Golf Tour und Challenge Tour.

„Auf der Challenge Tour zwischen Pleite und Großverdiener“

Einen gravierenden Unterschied machen die Plätze: Auf Pro Golf Tour und Challenge Tour kann man als Longhitter auch mit unpräzisem Spiel gute Resultate erzielen. Auf der European Tour jedoch sind die Fairways schmaler und das Rough ist höher, so dass sich dort im langen Spiel eher die Spreu vom Weizen trennt.

Interessant finde ich auch, dass die Stimmung zwischen den Spielern auf der Pro Golf Tour und der European Tour eher entspannt ist. Auf der Challenge Tour herrscht aus meiner Erfahrung eher eine angespannte Stimmung. Man spürt förmlich, dass die Spieler hier kämpfen zwischen den beiden Extremen Pleite und Großverdiener. Es ist sind oft Kleinigkeiten, die darüber entscheiden und Karrieren beflügeln oder ins Stocken bringen. Auf der Challenge Tour können ein, zwei gute Wochen den Durchbruch bringen. Diese Aussicht erzeugt Anspannung.

„Startgeld auf Pro Golf Tour kurioserweise am höchsten“

Kurios ist, dass das Startgeld für Profis ausgerechnet auf der drittklassigen Pro Golf Tour mit 250 Euro am höchsten ist. Zum Vergleich: Auf der Challenge Tour und der European Tour zahlt man mit 50 Euro deutlich weniger. Dennoch sind die Kosten auf der Pro Golf Tour mit Abstand am niedrigsten, da die meisten Turniere der Hauptsaison mit dem Auto zu erreichen sind. Auf der Challenge Tour gibt es mit Turnieren etwa in Südafrika, Kenia, China und Kazakhstan schon sehr teure Wochen. Obwohl das Preisgeld im Durchschnitt siebenmal so hoch ist wie auf der Pro Golf Tour, muss man schon sehr gut spielen, um seine Kosten zu decken. Denn die Staffelung des Preisgeldes fällt sehr steil ab. Für Spieler auf der Pro Golf Tour und der Challenge Tour bedeutet das, dass sie selbst mit solidem Golf im vorderen Mittelfeld der Geldrangliste nicht ohne großzügige Sponsoren überleben und schon gar kein Geld verdienen können.

Ganz anders sieht es auf der European Tour aus: Bis auf den Fakt, dass man jede Woche einen Caddy bezahlen muss, sind die Reisekosten vergleichbar mit der Challenge Tour – mit dem Unterschied, dass es zum Beispiel für einen 30. Platz meistens noch einen fünfstelligen Preisgeldscheck gibt. Belegt man in einem größeren Turnier sogar eine Top-5-Platzierung, ist finanziell erstmal ein Jahr Ruhe. Das ist natürlich der Grund, warum jeder am liebesten auf der European Tour spielen will. Aber die Plätze sind begrenzt, und somit ist es sehr schwer ein Spielrecht zu bekommen.

Um sich zu qualifizieren, muss man am Ende der Saison zu den Top 15 auf der Challenge Tour gehören, was bedeutet, dass man ein sensationelles Jahr hatte.  Um die European-Tour-Karte zu behalten, muss man in Anführungsstrichen „nur“ unter den besten 110 Spielern landen. Tourspieler zu sein, ist ein wundervoller Beruf, aber es ist ungemein schwer, überhaupt an den Punkt zu kommen, damit Geld zu verdienen. Für dieses Ziel gebe ich mein Bestes.

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