Eine neue Driving Range für Berlin

Eine neue Driving Range für Berlin
Auf der Trabrennbahn Mariendorf gibt es seit Anfang Juni nicht mehr nur Pferde, sondern auch eine Driving Range für Golfer. Foto: Mike Wolff

Auf der Trabrennbahn Mariendorf hat sich Golflehrer David Offermann einen Traum erfüllt: Dort hat Berlin seit dieser Saison wieder eine öffentliche Driving Range. Golfunterricht gibt es dort und bewusst keine Kleiderordnung.

Im Hintergrund wiehern die Pferde, nach vorne erstreckt sich eine Driving Range von beachtlichen 260 Metern Länge, im Herzen der Stadt – und an einem ungewöhnlichen Ort. Mitten auf der Trabrennbahn Mariendorf betreibt David Offermann seit dieser Saison eine Übungsanlage für Golfer, das Golfzentrum Berlin. Schon von 2001 an hatte der PGA-Golflehrer in der Chauseestraße fünf Jahre lang eine Driving Range betrieben. Bis er dem Neubau der BND-Zentrale weichen musste. Da hatte er bereits mit einem Umzug auf die Trabrennbahn geliebäugelt.

„Viele geeignete Flächen, die kein Bauland sind, gibt es nicht mehr in der Stadt“, sagt der Golflehrer. „Die anderen ehemaligen Abschlagplätze am Eichkamp, in Tegel und am Potsdamer Platz sind alle wegen Bauvorhaben geschlossen worden.“ Aber die Zeit für Mariendorf war noch nicht reif. Der Betreiber konnte sich eine Kooperation damals nicht so recht vorstellen.

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PGA-Golflehrer David Offermann hat sich mit der Driving Range einen Traum erfüllt. Foto: Mike Wolff

Nach einigen Jahren als Golfmanager im Golf- und Landclub Semlin am See versuchte Offermann sein Glück noch einmal – angespornt auch von vielen Bekannten, die ihm ihr Leid geklagt hatten, immer zum Üben die Stadt verlassen zu müssen. Es dauerte letztlich vier Jahre, bis er endlich die Zusage bekam. Dann musste alles sehr schnell gehen, um für die Saison 2018 noch eine fertige Anlage aufzubauen. Eröffnet wurde sie am 5. Juni.

Ein Provisorium sollte es nicht sein. Deswegen wurden die 30 leicht erhöhten Abschlagplätze mit einer Drainage angelegt und mit Rasen bepflanzt. Die Anlage bietet nun alles, was nötig ist, um gut zu trainieren. Einige Clubs und die Studenten der Universitätsgolfvereinigungen nutzen sie schon rege. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Golf Verband (DGV) findet hier auch das Projekt „Abschlag Schule“ statt. Vier umliegende Schulen trainieren mit jeweils 20 Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer Golf AG einmal pro Woche für zwei Stunden – eine Besichtigung der Trabrennbahn und ein Streicheln der Pferde inklusive.

Das passt ganz zur Philosophie von David Offermann, der eine lockere und entspannte Atmosphäre bieten möchte. „Hier gibt es weder Rangefee noch Kleiderordnung, alle sind willkommen, auch Anfänger. Nach einer kurzen Einführung kann jeder loslegen“, sagt er. Jeden Freitag, ab 17 Uhr, gibt es auf der Range ein Bier, eine Bratwurst und einen Korb mit 44 Range-Bällen für gerade einmal 5 Euro. „In dieser Reihenfolge“, sagt er und schmunzelt. Wer es nötig hat, bekommt vom Chef noch einen Quicktipp gratis. Eine Idee, um trotz der kürzer werdenden Tage die gemütliche Stimmung in den Herbst zu retten, ist es, das vorhandene Flutlicht und die Anzeigetafel der Trabrennbahn zu nutzen, um die Range bei Dunkelheit zu beleuchten.

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Neben dem bereits existierenden Puttinggrün soll es bald auch ein Pitchinggrün fürs kurze Spiel und sogar ein Golfloch geben. Foto: Mike Wolff

Neben der Möglichkeit, seine Hölzer und Eisen auszureizen, kann man auf einem Übungsgrün aus Kunstrasen auch Putten. Für die langen Schläge gibt es auf der Driving Range drei Zielgrüns in 90, 130 und 165 Metern Entfernung. Zocker dürfte es reizen, die Entfernungsmarkierungen aus Strohballen gezielt abzuschießen. In naher Zukunft soll auch ein Pitchinggrün folgen, um am kurzen Spiel arbeiten zu können. Doch damit sind die Pläne nicht abgeschlossen: Es soll auch noch eine kurze Golfbahn mit zwei Abschlägen über den auf der Rennbahn bereits vorhandenen Teich entstehen. Als besonderen Gag wird es eine Zielscheibe in 100 Metern Entfernung geben. Bei einem Treffer soll dann die Anzeigetafel der Rennbahn aufleuchten. Im kommenden Jahr wird dann ein Teil der Abschlagplätze zum Schutz vor Regen und Sonne überdacht.

Beachten sollte man allerdings die Öffnungszeiten: Eine Übungsstunde kann frühestens um 12 Uhr beginnen, weil die Pferde auf der Trabrennbahn immer noch Vorrang haben und morgens, wenn sie ihre Trainingsrunden drehen, nicht von gehookten Bällen gefährdet werden sollen. Rücksicht wird auf die Renntage genommen. Sonntags ist die Driving Range immer wegen der Wettkämpfe geschlossen, auch in der Derbywoche kann die Anlage nicht genutzt werden.

Wer nicht nur Bälle schlagen will, kann auf der neuen Driving Range auch Unterricht nehmen. Schnuppern für zwei Stunden kostet 29 Euro, ein Platzreifekurs 349 Euro. Sowohl die schnelle Erreichbarkeit der Anlage, als auch die Preise können sich sehen lassen. Wer in der ersten Stunde nach Öffnung den Schläger schwingen möchte, zahlt zwei Euro für einen Korb Bälle, danach drei Euro. Leihschläger gibt es schon für einen Euro.

Mehr Information gibt es hier.