Marco Paeke: „Golfrunden zählen, nicht Köpfe“

Marco Paeke: „Golfrunden zählen, nicht Köpfe“
VcG-Geschäftsführer Marco Paeke Foto: VcG

Weniger Mitglieder, mehr Preiskampf: Golf im Club stagniert in Deutschland. Ein Interview mit dem Berliner Marco Paeke, Geschäftsführer der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG), über preisbewusste Neugolfer, Geschäftsmodelle von gestern und einen Länderfinanzausgleich durch Fernmitgliedschaften.

Herr Paeke, im vergangenen Jahr ist die Zahl der organisierten Golferinnen und Golfer in Deutschland um 0,4 Prozent zurückgegangen auf 642.240. Sind Sie überrascht?

Marco Paeke: Nein. Überrascht bin ich nicht. Denn der Golfmarkt stagniert bereits seit einigen Jahren. Die Zeit des großen Wachstums ist vorbei – zumindest was die Anzahl der organisierten, also der einem Club beziehungsweise einem Verein angehörigen Spieler anbelangt. Viele gesellschaftliche Entwicklungen, dazu gehört auch ein geändertes, flexibleres Freizeitverhalten, machen es den traditionell strukturierten Sportvereinen schwer, neue Mitglieder zu gewinnen oder gar den Bestand zu halten. Glücklicherweise steht der Golfsport im Vergleich zu vielen anderen Sportarten aber recht gut da.

Golf muss nicht teuer sein, das war eine Botschaft, mit der die Clubs, der Deutsche Golf Verband und auch Sie von der VcG in den Jahren zuvor immer mehr Menschen auf die Golfplätze geholt haben. Über das Preisbewusstsein der Neugolfer kann sich die Branche also kaum beschweren, oder?

Paeke: Die Golfer von heute sind tatsächlich nicht mit denen von vor 20 Jahren zu vergleichen, weil sie im Durchschnitt weniger Geld für ihre Mitgliedschaft ausgeben. Insofern ist das reine Köpfezählen auch kein Beleg dafür, wie gut oder schlecht es den Golfclubs in Deutschland geht. Die meisten Clubs müssen ihr Geschäftsmodell überdenken und sich breiter aufstellen, um wirtschaftlich gesund zu bleiben. Wer sich derweil fragt, wie populär Golf in Deutschland ist, sollte eher die Zahl der gespielten Golfrunden erheben, als auf die Zahl der Clubmitglieder zu schauen.

„Anbieter von Fernmitgliedschaften rücken VcG in schlechtes Licht“

Je angespannter die wirtschaftliche Lage in den Golfclubs desto härter wird der Preiskampf im Werben um Mitglieder. Wer gewinnt dabei und wer verliert?

Paeke: Zu beobachten ist eine Umverteilung durch Fernmitgliedschaften von Süden nach Norden, eine Art ungewollter Länderfinanzausgleich. Einige Golfanlagen, die in strukturschwachen Gegenden gebaut wurden, wären ohne den Verkauf von Fernmitgliedschaften heute nicht überlebensfähig. Das Preisdumping auf dem Markt der Fernmitgliedschaften geht aber letztlich zu Lasten aller.

Viele Golfclubs werfen der VcG vor, sie mache ihnen die Mitglieder streitig.

Paeke: Da sind Sie offensichtlich einem Vorurteil auf den Leim gegangen. Tatsache ist, dass die VcG eine hohe Akzeptanz auf Seiten der Clubs genießt. Das belegen schon die Zahlen: 98 Prozent aller Golfclubs in Deutschland heißen unsere rund 22.000 Mitglieder auf ihren Anlagen willkommen. Das gute Verhältnis ist vor allem darin begründet, dass wir auf der einen Seite mit vielen Clubs kooperieren und sie bei der Gewinnung von Greenfee-Spielern und Neumitgliedern unterstützen. Auf der anderen Seite wissen viele Clubs zu schätzen, dass wir unsere jährlich erwirtschafteten Überschüsse an den Deutschen Golf Verband ausschütten, um Förderprojekte zu finanzieren. Das sind im Jahr etwa 1,2 Millionen Euro – eine Summe, ohne die manche Projekte, die den Golfsport in Deutschland voranbringen, nicht möglich wären. Was die Kritik an der VcG anbelangt: Richtig ist, dass insbesondere diejenigen Clubs, die Fernmitgliedschaften im größeren Stil vermarkten, keine Gelegenheit ungenutzt lassen, die VcG ins schlechte Licht zu rücken. Das tun sie aus wirtschaftlichem Eigeninteresse, schließlich sehen uns diese Clubs als Wettbewerber.

Wie überzeugen Sie einen Golfclub von der VcG, der für 89 Euro Fernmitgliedschaften verkauft, um zu überleben?

Paeke: Vermutlich gar nicht. Mit den Anbietern von billigen Fernmitgliedschaften gibt es so manche Diskrepanzen, die derzeit unüberwindbar scheinen.

Zur Person: Marco Paeke (50) ist gebürtiger Berliner. Bevor er 2008 Geschäftsführer der VcG wurde, arbeitete er als Manager für verschiedene deutsche Golfclubs und Golfanlagen sowie als Unternehmensberater. Paeke ist der Initiator der Aktion „Gemeinsam Golfen“, die mehr Menschen mit Golf in Berührung bringen möchte.